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12.08.2011

00:00 Uhr

Fremdwährungsanleihen

Alternative zu Euro-Anleihen lockt die Anleger

VonLaura de la Motte

Als Alternative zu den derzeit nur eine geringe Rendite versprechenden Euro-Anleihen können Anleger auch auf Fremdwährungsanleihen zurückgreifen. Schwankende Wechselkurse bedeuten allerdings ein hohes Risiko.

Mit Wetten auf den Wechselkurs lassen sich gute Rendite erzielen. Quelle: ap

Mit Wetten auf den Wechselkurs lassen sich gute Rendite erzielen.

FrankfurtMit Euro-Anleihen guter Schuldner winken Anlegern momentan nur kleine Renditen. Wer mehr will, kann versuchen, sich Wechselkurseffekte zunutze zu machen und Papiere kaufen, die in einer anderen Währung notiert sind.
Diese sogenannten Fremdwährungsanleihen bieten teilweise deutlich höhere Renditen. Grund dafür sind Fundamentaldaten wie das Zinsniveau, die Bonität des fremden Staats oder Kaufkraftunterschiede. Doch zu den auch hier üblichen Kursschwankungen oder der Unsicherheit darüber, ob der Anleihe-Emittent seine Schulden auch zurückzahlen kann, kommt bei den Fremdwährungsanleihen noch das Wechselkursrisiko hinzu. Wenn die ausländische Währung gegenüber dem Euro an Wert gewinnt, vergrößern sich Gewinne. Umgekehrt kann ein erstarkter Euro die Erträge aber auch empfindlich schmälern oder sogar zu Verlusten führen.

Gerade im derzeitigen turbulenten Marktumfeld wagt kaum ein Analyst, die Entwicklung der Wechselkurse vorauszusagen. Experten verweisen deshalb auf die hohen Risiken, die mit Währungswetten gerade jetzt verbunden sind.

Entwicklung kaum vorauszusehen

Doch wo Risiken liegen, gibt es auch Chancen. So liegt die australische zehnjährige Staatsanleihe derzeit mit 4,4 Prozent Rendite deutlich über der vergleichbaren Bundesanleihe mit 2,2 Prozent. Im vergangenen Jahr hat der australische Dollar zudem gegenüber dem Euro aufgewertet und den Renditevorsprung noch verstärkt. In diesem Jahr allerdings legt der Euro wieder zu und schmälert die Gewinne.

Börsen-Glossar

Blue Chips

Aktien von Konzernen, deren Börsenwert sehr groß ist. Die Papiere der 30 Dax-Unternehmen etwa werden als Blue Chips bezeichnet.

Daytrader

Händler, der versucht, geringe Kursschwankungen an den Börsen innerhalb kürzester Zeit auszunutzen

Discountzertifikat

Wertpapier, das den Kursverlauf eines Basiswertes (das können Aktien oder Indizes sein) abbildet, allerdings bei Kauf günstiger ist als der Basiswert. Im Gegenzug ist der Gewinn durch einen sogenannten „Cap“ gedeckelt.

Dividendenrendite

Ist die Dividende, die ein Unternehmen an seine Aktionäre ausschüttet, im Verhältnis zum Aktienkurs.

Emerging Markets

Der Begriff fasst die Gruppe der stark wachsenden Volkswirtschaften zusammen, die früher als Entwicklungsländer galten. China etwa, Indien oder Indonesien.

ETF

Exchanged Traded Fund – börsengehandelter Fonds, der nicht aktiv gemanaged wird.

Future

Terminkontrakt auf ein bestimmtes Gut, der je nach Ausgestaltung den Käufer verpflichtet, eine bestimmte Menge des Gutes zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem vorher festgelegten Preis zu liefern oder zu kaufen.

Grauer Kapitalmarkt

Teil des Kapitalmarktes, der keinen offiziellen Regeln und gesetzlichen Bestimmungen unterliegt.

Hebelzertifikat

Strukturiertes Wertpapier, mit dem Anleger auf den Kursverlauf eines Basiswertes wetten können. Durch den Hebel partizipiert das Zertifikat stärker von Kursschwankungen als der Basiswert. Im schlimmsten Falle allerdings droht Totalverlust.

Junk-Bonds

Anleihen von Unternehmen mit schlechter Bonität.

Offener Immobilienfonds

Investmentfonds, der es Anlegern ermöglicht, mit relativ kleinen Beträgen in Immobilien zu investieren.

Rating

Gütesiegel für die Bonität eines Schuldners. Je besser das Rating, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass der Gläubiger sein Geld zurückbekommt.

Einen ähnlichen dämpfenden Effekt gibt es bei der türkischen Lira. Die zehnjährigen türkischen Anleihen notieren aber immerhin bei neun Prozent. Die höhere Rendite ist hier auch auf die schwächere Bonität des Schuldners zurückzuführen. Während Australien wie Deutschland über die Bestnote AAA verfügt, wird die Türkei von der Ratingagentur S&P nur mit einem BB bewertet.

Wem die Gefahr eines Ausfalls der türkischen Staatsanleihe zu hoch ist, der kann auch in eine in türkische Lira notierte Anleihe eines bonitätsstärkeren Schuldners investieren. Die Deutsche Bank, die mit AA- bewertet wird, bietet ein Papier mit zweieinhalb Jahren Restlaufzeit, das derzeit eine Rendite von 7,5 Prozent abwirft. Eine ähnliche Anleihe der KfW-Bankengruppe, die sogar das Spitzenrating AAA hat, liegt bei 5,7 Prozent.

Die KfW bietet eine Vielzahl von Anleihen in den unterschiedlichsten Währungen an. Auch deutsche Industrieunternehmen emittieren Fremdwährungsanleihen, die gegenüber den gleichen Papieren in Euro Renditevorteile bringen. So hat die Finanztochter von VW eine Anleihe in norwegischen Kronen aufgelegt, die heute eine Restlaufzeit von drei Jahren hat und dabei eine Rendite von 3,5 Prozent verspricht. Die vergleichbare Anleihe in Euro bietet gerade mal 2,1 Prozent. Doch auch hier kann der Vorteil durch Wechselkursänderungen schnell aufgezehrt werden. Einige Länder, wie zum Beispiel Brasilien, verlangen zudem eine Abgabe auf Wertpapiere in lokaler Währung. Auch das schmälert die Rendite - vor dem Wechselkurs.

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