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11.02.2005

07:37 Uhr

Führende Banken empfehlen deutsche und französische Aktien – Aktienindizes notieren auf höchstem Stand seit Juni 2002

Strategen setzen in Europa auf den Dax

VonChristian Schnell

Die europäischen Aktienmärkte befinden sich seit Ende Januar im Höhenflug. Nahezu alle bedeutenden Indizes haben in den letzten Tagen die höchsten Stände seit Juni 2002 erreicht. Ob nun der Deutsche Aktienindex (Dax) oder der britische FTSE 100, der Schweizer SMI oder der französische CAC 40, der italienische MIB 30 oder der niederländische AEX – sie alle notieren auf Niveaus wie zuletzt vor über zweieinhalb Jahren. Gleiches gilt für die europäischen Indizes Stoxx 50 und Euro Stoxx 50.

FRANKFURT/M. Beste Chancen auf weitere Kurssteigerungen billigen die Strategen der großen Banken indes dem Dax und dem CAC 40 zu. Mit einer Gesamtrendite von 14 Prozent für beide Indizes im laufenden Jahr rechnet beispielsweise Ian Scott, Chefstratege für europäische Aktien bei Lehman Brothers. Elf Prozent erwartet er für den europäischen Durchschnitt, acht Prozent hingegen nur beim Schlusslicht, dem Schweizer Leitindex SMI.

Erklärungen dafür gibt es viele. Zum einen haben sowohl Dax als auch CAC 40 traditionell das stärkste zyklische Profil in Europa, sagt Roland Ziegler von der BHF-Bank. Dementsprechend ist das Potenzial bei Aufwärtsbewegungen größer als bei anderen Indizes. Andere führende Indizes wie der Schweizer SMI oder der niederländische AEX haben hingegen nach Ansicht von Strategen wegen ihrer weitgehend einseitigen Zusammensetzung nur begrenztes Potenzial. So sind in der Schweiz viele Pharma-Unternehmen vertreten, in den Niederlanden dominieren die Versorger. Da der niederländische Aktienmarkt außerdem stark von der Weltwirtschaft abhängig ist, sollten die Anleger hier lieber noch abwarten.

Beim britischen FTSE 100 warnen die Strategen vor dem Währungsrisiko. „Der Kurs des Pfund Sterling befindet sich im Vergleich zu den anderen Leitwährungen historisch betrachtet derzeit in der Mitte“, sagt Gérard Piasko vom Private Banking des Schweizer Bankhauses Julius Bär. Das mache die Einschätzung, in welche Richtung sich das Pfund künftig entwickeln wird, entsprechend schwierig.

Das Währungsrisiko ist auch der Grund, warum sich bei den europäischen Indizes das Gros der Anleger für ein Investment im Euro Stoxx 50 statt im Stoxx 50 entscheidet. Im Euro Stoxx 50 sind lediglich Werte aus der Euro-Zone enthalten. Das Währungsrisiko entfällt somit. Im Stoxx 50 sind hingegen auch Aktien aus Großbritannien und der Schweiz vertreten.

Das generelle Interesse der international agierenden Investoren für europäische Aktien in diesem Jahr erklärt sich auch aus der hohen Dividendenrendite. „Etwa 90 europäische Unternehmen zahlen derzeit mehr Dividende, als sie Zinsen für ihre Anleihen zahlen“, sagt Peter Oppenheimer, Chefstratege für den europäischen Markt bei Goldman Sachs. Das verdeutliche die Sondersituation, in der sich der Markt derzeit befindet.

Für die Favoriten Dax und CAC 40 spricht auch deren niedrige Bewertung. Sowohl der deutsche als auch der französische Aktienmarkt haben in den vergangenen zwei Jahren lediglich das an Aufwärtsbewegung mitgemacht, was an zusätzlichen Gewinnen auf Unternehmensseite hinzukam. „Wir haben derzeit einen bewertungstechnischen Ausnahmezustand“, sagt BHF-Mann Ziegler. Trotz nachlassender Dynamik werden die Unternehmensgewinne sich auch im laufenden Jahr auf dem Niveau historischer Höchststände bewegen.

Dem Dax komme nach Meinung von Gerhard Grebe, Chefstratege bei Julius Bär, zugute, dass die Auswirkungen der Reformen in Deutschland gerade von ausländischen Investoren noch immer unterschätzt würden. „Wenn die Vielzahl der Reförmchen greift, die derzeit umgesetzt werden, dann kann dies ab 2006 erste positive Auswirkungen haben“, sagt Grebe. Bei vielen Investoren weicht hingegen gerade erst die Angst, dass Deutschland im europäischen Vergleich noch weiter abrutschen könnte.

Der Aufschwung der vergangenen zwei Wochen ist nach Meinung von Rolf Elgeti, Chefstratege von ABN Amro, auch der exzellenten Liquiditätsausstattung vieler Großinvestoren zu verdanken. Er rechnet deswegen mit einem starken ersten Quartal, geht anschließend jedoch von einer nachlassenden Dynamik aus. Deswegen sollten Anleger seiner Ansicht nach im Jahresverlauf durchaus Gewinnmitnahmen erwägen.

Volatiler Markt

Ausnahmestellung: Der Deutsche Aktienindex (Dax) gilt im europäischen Vergleich als der schwankungsanfälligste unter allen nationalen Leitindizes.

Sprünge: Besonders deutlich wurde die Schwankungsanfälligkeit („Volatilität“) in den letzten fünf Jahren. Von seinem Höchststand im März 2000 bei 8 064 Punkten ging es im März 2003 bis auf 2 202 Punkte bergab. Seither hat sich der Dax beinahe wieder verdoppelt.

Nachholbedarf: Auf einem Niveau von 54 Prozent im Vergleich zu seinem Allzeithoch notiert der Dax im Moment. Bei gerade 57 Prozent ist der französische CAC-40 angelangt. 70 Prozent sind es hingegen beim Schweizer SMI und 74 Prozent beim britischen FTSE-100.

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