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21.07.2016

17:42 Uhr

Führungsvorschläge von Jamie Dimon

Der schwammige Kodex für Aktiengesellschaften

VonFrank Wiebe

Berühmte amerikanische Manager und Investoren haben Ideen zur besseren Führung von Aktiengesellschaften vorgelegt. An den aktuellen Problemen bei der Leitung von Konzernen dürfte sich dadurch aber wenig ändern.

Der JP-Morgan-Chef ist auch Präsident des Verwaltungsrats. Reuters

Jamie Dimon

Der JP-Morgan-Chef ist auch Präsident des Verwaltungsrats.

New YorkDer Berg kreißte – und gebar eine Maus. So heißt eine Redensart, die auf den römischen Dichter Horaz, der damit Dichter kritisierte, die nicht hielten, was sie versprachen. Der Berg, das ist in dieser Geschichte eine Ansammlung von 13 berühmten amerikanischen Managern und Investoren, darunter Namen wie Jamie Dimon (Chef von J.P Morgan), als Initiator des Konzepts sozusagen der Vater der Maus, Warren Buffett und Larry Fink (Chef von Blackrock). Nicht dabei ist Abigail Johnson – die Chefin der Fondsgesellschaft Fidelity hat sich aus dem Geburtsprozess ausgeklinkt, wahrscheinlich, weil sie das dürftige Ergebnis absehen konnte.

Die Maus, das sind Vorschläge zu einer besseren Führung von Aktiengesellschaften, gegliedert in sechs Punkten und als Anzeige in großen US-Zeitungen veröffentlicht. Ein halbes Jahr lang haben Jamie Dimon und seine Mitstreiter darüber diskutiert, wie Abläufe in den Verwaltungsräten und der Kontakt zwischen Management und Aktionären verbessert werden können. Herausgekommen sind sehr schwammig formulierte Ideen.

Diese Bankchefs verdienen am meisten

Platz 10

Stuart Gulliver, HSBC

Der CEO von HSBC landet im Ranking auf Platz 10. In den Jahren zuvor verdiente er sogar noch mehr.

2015: 11,2 Millionen Dollar

2014: 12,6 Millionen Dollar

2013: 12,6 Millionen Dollar

Platz 9

Sergio Ermotti, UBS

Der CEO der schweizerischen UBS verdiente 2015 deutlich mehr als in den Jahren davor und landet auf Platz 9.

2015: 14,9 Millionen Dollar

2014: 12,2 Millionen Dollar

2013: 11,6 Millionen Dollar

Platz 8

Brian Moynihan, Bank of America

Der Chairman, Präsident und CEO der Bank of America konnte nach einem Rückgang 2014 im vergangenen Jahr sein Gehalt wieder steigern.

2015: 16,4 Millionen Dollar

2014: 13,5 Millionen Dollar

2013: 14,5 Millionen Dollar

Platz 7

Michael Corbat, Citigroup

Auch der CEO der Citigroup konnte 2015 sein Gehalt steigern.

2015: 16,5 Millionen Dollar

2014: 12,6 Millionen Dollar

2013: 14,4 Millionen Dollar

Platz 6

John Stumpf, Wells Fargo

Der Chairman, Präsident und CEO von Wells Fargo verdiente in den vergangenen drei Jahren exakt die gleiche Summe.

2015: 19,3 Millionen Dollar

2014: 19,3 Millionen Dollar

2013: 19,3 Millionen Dollar

Platz 5

Tidjane Thiam, Credit Suisse

Der CEO der Credit Suisse hat erst im Juli 2015 bei der schweizerischen Bank als Chef begonnen. In seinem Gehalt ist ein „Replacement Award“ eingeschlossen.

2015: 21,1 Millionen Dollar

Patz 4

James Gorman, Morgan Stanley

Der Chairman und CEO von Morgan Stanley konnte sein Gehalt von 2014 im vergangenen Jahr nicht steigern.

2015: 21,2 Millionen Dollar

2014: 23,1 Millionen Dollar

2013: 18,2 Millionen Dollar

Platz 3

Bill Winters, Standard Chartered

Der CEO von Standard Chartered aus London hat erst 2015 seinen Posten angetreten. In seinem Gehalt ist ein „Replacement Award“ enthalten.

2015: 22,4 Millionen Dollar

Platz 2

Lloyd Blankfein, Goldman Sachs

Der Chairman und CEO von Goldman Sachs verdiente im vergangenen Jahr knapp eine Million Dollar weniger als 2014.

2015: 23,4 Millionen Dollar

2014: 24,3 Millionen Dollar

2013: 23,3 Millionen Dollar

Platz 1

Jamie Dimon, JP Morgan Chase

Der Chairman, Präsident und CEO von JP Morgan Chase verdiente im vergangenen Jahr mit Abstand am meisten.

2015: 27,6 Millionen Dollar

2014: 20,2 Millionen Dollar

2013: 20,3 Millionen Dollar

Quelle: Financial Times

So umgehen Dimon & Co einen heiß umstrittenen Punkt, nämlich die Frage, ob es richtig ist, dass der Chef einer Aktiengesellschaft zugleich Präsident des Verwaltungsrats sein sollte, also zugleich sein eigener Aufseher. Hier heißt es nur, die Verwaltungsräte sollten regelmäßig auch ohne den Chef tagen, Kontakt zur zweiten Management-Ebene halten und jeweils zumindest einen starken, unabhängigen Aktionärsvertreter in ihren Reihen haben.

Dieser Unabhängige soll dann Vorschläge machen, ob der Chef in Personalunion auch Präsident sein darf, und der Verwaltungsrat soll entscheiden. Eine klare Trennung von Führung und Aufsicht – in den USA also CEO und Chairman des Boards – wäre besser gewesen. Aber Dimon hat die Personalunion in seinem eigenen Fall mehrfach erbittert und mit Erfolg in Hauptversammlungen verteidigt. Und Fink ist für Blackrock ebenfalls eine Art allmächtiger Übervater mit beiden Funktionen. So spiegeln die komplizierten Vorschläge doch eher die Interessen des Managements wider als die Sichtweise der Aktionäre.

Die meiste Diskussion dürfte der Vorschlag hervorrufen, bei Quartalsergebnissen auf eine Vorschau aufs jeweils nächste Quartal zu verzichten. Das wäre sicher für Vorstände sehr bequem, die sich nicht festlegen wollen. Es würde auch Großinvestoren und Analysten einen Vorsprung verschaffen, die doch eher mal informell oder in ausgedehnten „Calls“ mit dem Management reden können, während Privatleute auf das angewiesen sind, was gedruckt veröffentlicht wird. Der Transparenz dient der Vorschlag nicht.

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