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15.02.2013

16:01 Uhr

G20 Gipfel in Moskau

Showdown im Währungskrieg

Der starke Euro und Japans Geldpolitik schüren die Angst vor einem Währungskrieg. In Moskau sitzen die 20 größten Wirtschaftsmächte am G20-Tisch und hätten die Chance, die gefährliche Debatte aus der Welt zu schaffen.

EZB-Chef Mario Draghi in Moskau. Reuters

EZB-Chef Mario Draghi in Moskau.

Berlin/Frankfurt/MoskauDie 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer versuchen den Streit über einen Abwertungswettlauf zu entschärfen. Das Gerede über einen drohenden Währungskrieg sei übertrieben, sagten EZB-Präsident Mario Draghi und IWF-Chefin Christine Lagarde am Rande des Treffen der G20-Finanzminister und -Notenbankchefs in Moskau am Freitag unisono. "Es gibt bei keinen führenden Währungen große Abweichungen vom marktgerechten Kurs", fügte Lagarde hinzu. Auch der Euro bewege sich im normalen Rahmen seiner langfristigen Spanne, betonte Draghi. Zudem wurde das Thema Wechselkurse und Währungspolitik im Entwurf der G20-Abschlusserklärung zurückhaltender angesprochen als noch im Kommunique der sieben etablierten Industriestaaten (G7) vor wenigen Tagen, wie aus einer Delegation verlautete.

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Draghi muss entscheiden, ob er die Zügel straff hält - oder den Euro schwächt.

Die Debatte über einen Abwertungswettlauf hatte sich verschärft, nachdem das G20- und G7-Mitglied Japan mit einer Geldschwemme eine Talfahrt seiner Landeswährung angeschoben und damit die Wettbewerbschancen seiner Firmen im Ausland verbessert hatte. Unter anderem die Weltbank warnte daraufhin vor einem heraufziehenden Währungskrieg, weil andere Staaten nachziehen könnten. Japan sollte in dem G20-Entwurf nun aber nicht einzeln angesprochen werden, wie es in den Kreisen weiter hieß.

Die Kursentwicklung des Euro seit Einführung

1. Januar 1999

1. Januar 1999: Der Euro wird von den elf Gründerländern der Europäischen Währungsunion (EWU) aus der Taufe gehoben. Der Umrechnungskurs zur D-Mark beträgt 1,95583 DM je Euro.
Am 4. Januar startet der Handel in Sydney - der ersten großen Börse, die nach dem Datumswechsel öffnet - mit 1,1747 Dollar.

Dezember 1999

Der Euro fällt erstmals auf 1,00 Dollar.

Frühherbst 2000

Bei Kursen unter 0,85 Dollar wächst die Befürchtung, der schwache Euro könnte die Weltwirtschaft destabilisieren. Mit Unterstützung der Zentralbanken Japans und der USA greift die EZB der jungen Währung unter die Arme. Doch die Interventionen verpuffen rasch: Am26. Oktober ist ein Euro noch 0,8225 Dollar wert. Eine weitere Interventionsrunde im November hievt ihn wieder auf 0,86 Dollar.

Januar 2002

Die reibungslose Einführung des Euro-Bargelds honorieren die Finanzmärkte mit Euro-Käufen. Im Juli erreicht der Euro wieder die Ein-Dollar-Marke.

März 2003

Der Beginn des Irakkrieges geht zu Lasten des Dollar. Der Euro erreicht wieder sein Einführungsniveau.

September 2003

Finanzminister und Notenbanker der sieben führenden Industrieländer (G7) fordern flexiblere Wechselkurse, was an den Märkten als Signal für den Wunsch nach einem schwächeren Dollar interpretiert wird. Am 28. November 2003 steigt der Euro erstmals über 1,20 Dollar.

September 2007

Nach einer deutlichen US-Zinssenkung im Zuge der Subprime-Krise steigt der Euro über 1,40 Dollar.

Juli 2008

Der Euro erreicht mit 1,6038 Dollar ein Rekordhoch. Nur wenige Tage zuvor - am 11. Juli - hatte übrigens auch der Ölpreis mit 147,50 Dollar je Fass sein Allzeithoch erreicht.

Oktober 2008

Im Sog der Lehman-Pleite ziehen US-Investoren ihre Euro-Gelder ab und drücken ihn bis zum 28. Oktober auf 1,2328 Dollar ,den niedrigsten Stand seit April 2006.

Oktober 2009

Mit den Aktienmärkten steigt zwar auch der Euro - erstmals seit einem Jahr klettert er am 21. Oktober über 1,50 Dollar. Doch das Comeback ist von kurzer Dauer: Griechenland schockiert die Märkte mit der Ankündigung eines etwa doppelt so hohen Haushaltsdefizits wie bislang gedacht.

Dezember 2009, Januar 2010

Mit ersten Herabstufungen Griechenlands durch die Ratingagenturen Fitch, Standard & Poor's sowie Moody's beginnt der Euro seine Talfahrt.

Frühjahr und Sommer 2011

EZB-Chef Jean-Claude Trichet signalisiert am 3. März überraschend für April eine Zinserhöhung. Im Juli folgt sogar eine zweite Zinsanhebung. Am 4. Mai notiert der Euro zeitweise über 1,49 Dollar. Spekulationen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bremsen die Gemeinschaftswährung aber für den Rest des Sommers aus. Sie pendelt meist in einer Spanne von etwa 1,40 bis 1,45 Dollar.

Ende Februar 2012

Eine zweite EZB-Geldspritze lässt den Euro wieder steigen. Er schafft es fast bis auf 1,35 Dollar. Banken können sich bei der EZB für drei Jahre zum historisch niedrigen Leitzins von einem Prozent Geld leihen. Zusammen mit der ersten derartigen Aktion vom Dezember greifen die europäischen Banken rund eine Billion Euro ab.

Juni 2012

Die Angst der Investoren vor einer Eskalation der Staatsschuldenkrise ist größer denn je und belastet den Euro. Vor allem Spanien ist wegen seines taumelnden Bankensektors angezählt. Im Juni fällt der Euro bis auf 1,21 Dollar.

Juli 2012

Vor Investoren in London kündigt EZB-Chef Draghi am 26. Juli an, die EZB werde „alles nötige tun, um den Euro zu erhalten.“ Der vorläufige Wendepunkt in der Euro-Krise. Sofort steigt der Euro deutlich. Innerhalb eines Tages von 1,2118 auf 1,2287 US-Dollar. Wenige Wochen später machte Draghi klar, was das bedeutet: Im Notfall kauft die EZB unbegrenzt Anleihen der Krisenländer. Der Euro startet einen neuen Höhenflug.

Februar bis März 2013

Die Erleichterungs-Rally geht weiter: Anfang Februar steigt der Euro bis auf 1,37 Dollar. Das Hoch hält allerdings nicht lange vor. Wegen Unsicherheiten in Italien und Zypern fällt die Gemeinschaftswährung und notiert aktuell bei knapp unter 1,30 Dollar.

September 2014

Die EZB überrascht die Märkte mit einem neuen Zinssenkungszyklus. Der Euro nimmt seine Talfahrt wieder auf. Signale von EZB-Chef Mario Draghi für weitere Geldspritzen drücken den Euro bis zum Jahresende auf rund 1,21 Dollar.

06. Januar 2015

Der Euro fällt auf 1,1853 Dollar und erreicht damit das Tief von Februar 2006. Zugleich nimmt die Talfahrt der Ölpreise weiter Fahrt auf. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligt sich um bis zu 1,7 Prozent auf 50,22 Dollar je Barrel (159 Liter).

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äußerte sich kurz vor der Abreise zu dem ersten G20-Treffen unter russischer Präsidentschaft noch zuversichtlich, dass sich die Staatengruppe ähnlich wie jüngst die G7 zu marktorientierten Wechselkursen bekennen werden. Der G20-Entwurf blieb aber hinter der G7-Erklärung zurück. Er verzichtet auf die G7-Formulierung, wonach sich die Notenbanken kein Wechselkursziel setzen sollten, wie ein G20-Vertreter erläuterte. Auf Druck der USA wurde nach stundenlangen Verhandlungen zudem vermieden, direkt auf Ziele für die Haushaltspolitik und zum Schuldenabbau einzugehen. Die G20 wollten sich dagegen demnach der G7-Erklärung anschließen, dass Fiskal- und Geldpolitik nur auf die heimische Wirtschaft abzielen dürften. Auch frühere Formulierungen, wonach exzessive Wechselkursschwankungen vermieden werden müssten, sollten bekräftigt werden.

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Weltweit setzen Regierungen und Notenbanken alles daran, ihre Währung zu schwächen.

EZB-Präsident Mario Draghi nannte die Währungsdebatte unangemessen und fruchtlos. EZB-Direktor Jörg Asmussen, der ebenfalls an dem Treffen in Moskau teilnimmt, sagte dem Deutschlandfunk, die Debatte über die Gefahr eines Währungskrieges sei weit übertrieben. Man solle durch die Diskussion über den Wechselkurs nicht davon ablenken, welche Reformen und Strukturanpassungen jedes Land zu Hause machen müsse, mahnte er.

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Die EZB habe kein Wechselkursziel. „Wir betrachten den Wechselkurs aber sorgfältig wegen seines Einflusses auf Wachstum und Inflation in der Euro-Zone“, stellte Asmussen klar. Der Präsident der Bundesbank, Jens Weidmann, erklärte, er halte den Euro nicht für überbewertet. Der Kurs entspreche weitgehend den Fundamentaldaten, sagte Weidmann der Finanz-Agentur Bloomberg.

Kommentare (18)

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KORRUPTUS

15.02.2013, 12:30 Uhr

Man wird also ohne vernünftiges Ergebnis auseinander gehen, da die Situation der USA mittlerweile derart verheerend geworden ist, dass es keinen Ausweg aus dieser Schuldenspirale mehr gibt. Im Ergebnis wird auch der Eurozone aufgrund der ausufernden Arbeitslosenzahlen in den Südländern keine Alternative zum weiteren Gelddrucken haben.

Rechner

15.02.2013, 12:57 Uhr

'KORRUPTUS' sagt
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Im Ergebnis wird auch der Eurozone aufgrund der ausufernden Arbeitslosenzahlen in den Südländern keine Alternative zum weiteren Gelddrucken haben.
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Erstens ist ihre Formulierung WEITERES Gelddrucken irreführend, weil sie unterstellt daß in der Eurozone bereits nennenswertes "Gelddrucken" stattgefunden hätte. Tatsächlich ist aber die Geldmenge M3 seit dem 1.1.2012 mit einer durchschnittlichen Jahresrate von lediglich 1,5% gewachsen.

Zweitens ist ihre Prognose auch verkehrt - die Arbeitslosenzahlen in den Südländern (nicht in Frankreich) werden zurückgehen, da die Löhne bei Neueinstellungen inzwischen ein realistisches Niveau erreicht haben. Die gestiegene Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder läßt sich an den positiven Leistungsbilanzen von Italien, Spanien, Portugal und selbst Griechenland im dritten Quartal 2012 ablesen.

Der Arbeitsmarkt ist ein nachlaufender Wirtschaftsindikator.

Die Reformpolitik funktioniert.

Rechner

15.02.2013, 13:01 Uhr

'Rechner' sagt
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Tatsächlich ist aber die Geldmenge M3 seit dem 1.1.2012 mit einer durchschnittlichen Jahresrate von lediglich 1,5% gewachsen.
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FEHLER!

Richtig ist, daß die Geldmenge M3 seit dem 1.1.2010 (2010, NICHT 2012) mit einer durchschnittlichen Jahresrate von lediglich 1,5% gewachsen ist.

Seit dem 1.1.2012 ist sie um 2,8% gewachsen.

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