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14.09.2016

09:12 Uhr

Gastbeitrag

Der „Gold-Euro“ – eine Versicherung gegen den Euro-Crash

VonThomas Mayer, Thorsten Polleit, Ulrich van Suntum

Die Einführung eines „Gold-Euro“ würde Anleger vor Negativzinsen und Inflationsgefahren schützen. Er könnte auch als potentielles Notgeld dienen, falls der Euro auseinanderbrechen sollte. Ein Gastbeitrag.

Ein Vorschlag für Edelmetall-Fans und Euro-Skeptiker. obs

Gold als Geldanlage

Ein Vorschlag für Edelmetall-Fans und Euro-Skeptiker.

Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und war Chefvolkswirt der Deutschen Bank; Flossbach von Storch setzt in der Vermögensverwaltung gerne auch auf Gold. Thorsten Polleit ist Chefökonom des Goldhändlers Degussa und volkswirtschaftlicher Berater der Polleit & Riechert Investment Management LLP; Ulrich van Suntum lehrt VWL an der Universität Münster und ist stellvertretender Vorsitzender der Euro-kritischen Alfa-Partei, der Abspaltung der AfD.

Während Flüchtlinge, Türkei und islamistischer Terror derzeit die Schlagzeilen bestimmen, schwelt die Eurokrise weiter. Ein Scheitern des Euro ist möglich, manche halten das sogar für wahrscheinlich. Im Folgenden beschreiben wir die Idee einer Schattenwährung, des „Gold-Euro“, die im Fall eines Auseinanderbrechens der Eurozone sofort als Notgeld und gegebenenfalls auch als dauerhafte Währung landesweit oder regional im Euroraum genutzt werden könnte.

Der Gold-Euro soll zunächst vor allem eine inflationsgesicherte und gegen Negativzinsen immunisierte Wertaufbewahrung ermöglichen, und zwar durch Bindung des Wertaufbewahrungsmittels an das Gold. Damit würden die Sparer zwar den Schwankungen des Goldpreises unterliegen, hätten jedoch in langfristiger Sicht einen verlässlichen Schutz gegen die in Euro auftretende Inflation. Im Grundsatz könnte der Gold-Euro auch die beiden anderen Geldfunktionen erfüllen, d.h. sowohl als Recheneinheit als auch als Zahlungsmittel dienen, wenn hohe Schwankungen der Euro-Inflation diese Funktionen der Gemeinschaftswährung einschränken.

Der Gold-Euro folgt der gleichen Idee wie die Mark Banko im 18. Jahrhundert und die Goldmark während der Hyperinflation der 1930er Jahre. Auch diese Währungen wurden als privates Notgeld in einem instabilen offiziellen Geldsystem emittiert. Heute gibt es allein in Deutschland bereits mehr als 50 – wenn auch regional begrenzte – Privatwährungen, und mit rein elektronischen Währungen wie dem Bitcoin hat der Euro ohnehin bereits Konkurrenz bekommen. Außerdem nutzen Anleger Gold in physischer Form oder in Form von Anteilsscheinen an Goldfonds als Mittel zur Wertaufbewahrung. Allerdings wäre eine staatliche Unterstützung bei der Festlegung der Standards für den Gold-Euro nützlich.

Emission des Gold-Euro

Im Münzgesetz vom 16. Dezember 1999 wird „das Bundesministerium der Finanzen …ermächtigt, durch Rechtsverordnung ohne Zustimmung des Bundesrates zu versagen oder unter Bedingungen zuzulassen, dass Medaillen und Münzstücke, bei denen die Gefahr einer Verwechslung mit deutschen Euro-Gedenkmünzen besteht, hergestellt, verkauft, eingeführt oder zum Verkauf oder anderen kommerziellen Zwecken verbreitet werden.“

Das BMF könnte daher die Ausgabe einer realen oder virtuell in Gold denominierten Münze (Gold-Euro) per Verordnung zulassen. Eine offizielle Zulassung wäre nicht nötig, wenn die Münze keinen Bezug zum Euro hätte. Dieser wäre aber beim Gold-Euro durchaus gewünscht. Außerdem würde das Vertrauen in eine ordentliche Ausgabe gestärkt. Ein realer Gold-Euro könnte 1 Gramm physisches Gold enthalten, ein virtueller Gold-Euro dementsprechend einen Anspruch auf 1 Gramm Gold.

Die realen Gold-Euro-Münzen würden von denjenigen Münzstätten der Länder ausgeprägt, die sich dazu bereit erklären und die der Bund beauftragt. Das Verfahren bei der Ausprägung würde entsprechend § 6 des Münzgesetzes der Aufsicht des Bundesministeriums der Finanzen unterliegen. Die Münzen könnten verschieden denominiert werden, z.B. in 1, 5, 10 Gold-Euros (entspricht etwa 38€, 190€, 380€) oder 10, 50 Goldcents (entspricht etwa 3,8€, 19€). Die Ausgabe virtueller Gold-Euros, die durch Hinterlegung der entsprechenden Goldmenge voll gedeckt sein müssen, könnte durch zugelassene oder beaufsichtigte Finanzinstitute erfolgen.

Kommentare (3)

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Herr Thomas Behrends

14.09.2016, 09:36 Uhr

Das ist wieder einer der vielen Quatschartikel des Handelsblatts, der Meinungs- und Panikmache zugunsten einer interessierten Klientel betreibt.

Ich sehe momentan das Risiko von Inflationen, geschweige denn Hyperinflationen, nicht.

Nebenbei bemerkt enthält der Artikel einen inhaltlichen Fehler; die große Hyperinflation in Deutschland fand im Jahre 1923 und nicht in den 1930er Jahren statt. Die 1930er Jahre sind durch eine Deflation gekennzeichnet, was z.B. in den USA zu starken Umsatz- und somit Einkommensverlusten geführt hat. Die Folge war eine hohe Arbeitslosigkeit, die erst mit dem Eintritt der USA in den 2. Weltkrieg durch starke Regierungsnachfrage nach Militärgütern überwunden werden konnte.

Gerade die Edelmetallbranche tut sich als "Meinungsführer" in Sachen Gold hervor.

Mit blödsinnigen Sprüchen wie "der Goldpreis explodiert" und ähnlichen Statements wollen diese Goldhändler (u.A. auch Degussa, Pro Aurum u.v.m.) die Leute zum Kauf von Gold annimieren.

Das ist alles zwecklos. Der Goldpreis bewegt sich gegenwärtig nach unten und liegt momentan bei ca. EUR 1.177,00 pro Unze Feingold. Ein Gramm Gold würde demnach rund EUR 38,00 wert sein.

Stellen Sie sich vor sie müssten sich und ihre Familie beim Bauern in Schleswig-Holstein mit Kartoffeln und anderen Lebensmitteln ernähren; wieviel Sack Kartoffeln würden Sie dann vom Landwirt fordern?

Können Sie das alles tragen oder transportieren? Handelt es sich bei Kartoffeln nicht um verderbliche Lebensmittel?

Also, diese ganze Panikmache dient lediglich der Umsatzgenerierung einer Branche und dem Normalsterblichen nicht als Alternativwährung ...

Herr Harald Schweda

14.09.2016, 10:18 Uhr

Warum nicht dem komplett verlogenen Narrativ (ich liebe diesen Neusprech!) der Regierung und der Staats(-tragenden)medien (Beispiel: Schläfer in Berlin, Waffenstillstand in der Ukraine, Ehrerbietung gegen den Mega-Steuerhinterzieher JC Juncker! etc.) noch versponnenenere Münchhausiaden entgegensetzen?

Eigentlich eine lustige Idee! Nur meinen diese GoldmannSachs-Rentiers ihr Geschwurbel wohl tatsächlich so.

Dabei entlarven sie sich doch sschon im ANfang als völlig ahnungslose Phantasten, wenn sie die Hyperinflation elegant auf die 30er Jahre verschieben.

Früher landete man für solche Texte in der geschlossenen Anstalt. Heutzutage gibt es doch tausende von heftigen, stationär zu behandelnden Geisteskrankheiten. Das ICD-10 läuft da geradezu über. Aber wer so reich ist, ist nicht verrückt, sondern "ein ehrenwertes Vorbild für erfolgreiche Arbeit."...

Ich kann gar nicht soviel ironisierende Zeichen dabei machen, wie es eigentlich erforderlich ist. Nebbich.

Na, mal sehen, wer diesem Dampf Bedeutung beimisst.

Herr Johannes Krause

14.09.2016, 12:56 Uhr

Ich verstehe nicht, wieso diese Herren das Rad neu erfinden wollen. Jeder kann heute schon Gold und Silber in beliebiger Menge und fast beliebiger Stückelung physisch erwerben. Schon hält man die inflationsgesicherte und gegen Negativzinsen immune Wertaufbewahrung in der Hand; und das sogar wörtlich.

Das Einzige, was zählt, ist das Feingewicht; alles Andere interessiert nicht. Wenn Euro drauf stünde, würde das nichts ändern. Nur Edelmetall-Buchgeld würde ich mir ganz sicher nicht aufschwatzen lassen.

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