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22.08.2011

11:48 Uhr

Gastkommentar

Das ist mehr als eine Korrektur, das ist ein Fanal

VonNorbert Walter

Die Talfahrt an den Börsen hat viele Ursachen. Doch vor allem das Schwächeln der USA ist problematisch und könnte die Finanzwelt in weitere Turbulenzen stürzen, meint Norbert Walter, Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

Ex-Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter: "Nach dem Aktiencrash droht ein Währungskrieg." Andreas Reeg für Handelsblatt

Ex-Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter: "Nach dem Aktiencrash droht ein Währungskrieg."

DüsseldorfDie Aktienkurse sind binnen weniger Wochen um 30 Prozent gesunken. Nicht nur die liquiditätsbedingten Übertreibungen sind korrigiert. Die Baisse ging weiter, und sie hat verschiedene Ursachen.

Sie reflektiert zuerst einmal das Aufflammen der Finanzkrise, diesmal ausgelöst durch den Abschreibungsbedarf bei Staatsanleihen von Ländern mit eingeschränkter oder zweifelhafter Bonität. Damit manifestiert sich die Ansteckungsgefahr, die von den griechischen Problemen ausging. Jetzt, da Spanien und Italien, ja selbst Frankreich ins Gerede gekommen sind, werden Bankensysteme, die stark in die Finanzierung der hochverschuldeten Länder eingebunden sind, naturgemäß stark betroffen.

Dies spiegelt sich in den besonders ungünstigen Kursentwicklungen für viele europäische Banken wider. Da die Eigenkapitalunterlegung ohnehin in Europa vielfach noch zu wünschen übriglässt, entstehen aus den Abschreibungsnotwendigkeiten potenziell neue Engpässe. Hilfe wie nach Lehman von den Staaten wird wegen deren eigener Überschuldung immer weniger materiell machbar und politisch durchsetzbar.

Hinzu kommt, dass auch die USA als nicht mehr unzweifelhaft guter Schuldner beurteilt werden. Dass diese Herabstufung bei starker Überschuldung privater Haushalte und bei 100 Prozent Staatsverschuldung zum BSP geschehen würde, war absehbar. Schließlich haben die USA im Jahr zwei nach Lehman noch immer ein Haushaltsdefizit von mehr als zehn Prozent des Sozialprodukts. Und die politischen Sichtweisen zur Verschuldungspolitik ändern sich, seitdem die Fraktion der Tea-Party in der Republikanischen Partei an Bedeutung gewinnt.

Damit wird die Wahrscheinlichkeit, dass die USA fortgesetzt expansive Finanzpolitik betreiben, sehr gering. Freilich werden die Schritte zum Ziel so kontrovers debattiert, dass eine einvernehmliche Lösung im Kongress vor der Präsidentenwahl extrem schwerfallen sollte. Damit bleibt die Geldpolitik in den USA extrem gefordert. Vermutlich wird Fed-Chef Ben Bernanke Ende August in Jackson Hole die dritte Runde des "quantitative easing" einläuten.

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