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27.11.2014

13:14 Uhr

Gefahren für Finanzsystem

EZB warnt Investoren vor „Jagd nach Rendite“

Die EZB hat die Zinsen weitgehend abgeschafft. Sie verlangt Strafzinsen von Banken, die Geld parken wollen. Jetzt warnt die Notenbank davor, dass sich Investoren anderweitig nach Rendite umsehen.

Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt: Europas Finanzsystem bleibt verwundbar. dpa

Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt: Europas Finanzsystem bleibt verwundbar.

FrankfurtEin neuer Börsencrash, ertragsschwache Banken und der immer stärker wachsende Schattenbankensektor sind nach Ansicht der EZB die größten Risiken für die Stabilität des Finanzsystems in der Währungsunion. Zwar sei der Stress, dem die Finanzwirtschaft in den 18 Euro-Ländern ausgesetzt sei, aktuell so gering wie zuletzt vor Ausbruch der Finanz- und Bankenkrise 2007, sagte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio am Donnerstag in Frankfurt bei der Veröffentlichung des jährlichen Finanzstabilitätsbericht der Europäischen Zentralbank. Doch unter der ruhigen Oberfläche schlummern der EZB zufolge enorme Risiken gepaart mit der schwachen Konjunkturentwicklung, der extrem niedrigen Teuerung und hoher Arbeitslosigkeit.

Eine Gefahr sieht die EZB in der anhaltenden „Jagd nach Rendite“ unter Investoren. Diese Jagd ist nicht zuletzt eine Folge der Niedrigzinspolitik aller großen Notenbanken. Constancio räumte ein, dass aktuelle und mögliche künftige geldpolitische Maßnahmen der EZB die Risiken im Finanzsystem erhöhen könnten. "Aber wir haben ein hierarchisches Mandat", sagte der Portugiese. "Preisstabilität kommt ganz oben und vor allem anderen. Wir sind nicht für die Kontrolle der Preise von Vermögenswerten zuständig, sondern für die Kontrolle der Teuerung von Produkten und Dienstleistungen. Das steht so im EU-Vertrag. Wer das ändern will, der muss den Vertrag ändern."

Mario Draghis Krisenkurs in Zitaten

Amtsantritt am 3.November 2011 in Frankfurt

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung.“

26. Juli 2012 in London

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

EZB-Sitzung am 4. Juli 2013

„Der EZB-Rat erwartet, dass die Zinssätze der EZB für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben werden.“

Nach der Leitzinssenkung am 7. November 2013

„Wenn wir Deflation verstehen als einen weit verbreiteten Verfall von Preisen in vielen Warengruppen und in mehreren Ländern – das sehen wir nicht.“

Gespräch mit Altkanzler Schmidt am 7. November 2013

„Ich bin sehr bewegt von Helmut Schmidts Worten und sollte dafür wirklich dankbar sein. Komplimente sind Mangelware in diesen Tagen.“

EZB-Sitzung am 3. April 2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

EZB-Sitzung am 8. Mai 2014

„Der EZB-Rat fühlt sich wohl damit, beim nächsten Mal zu handeln.“

EZB-Konferenz am 26. Mai 2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

Sollten die Maßnahmen zum Schutz der Preisstabilität - etwa der Kauf von Wertpapieren oder künftig sogar der massenhafte Aufkauf von Staatsanleihen - das Finanzsystem treffen, müsste dagegen mit anderen Mitteln reagiert werden als mit den Instrumenten der Geldpolitik. EZB-Präsident Mario Draghi und Constancio haben in den vergangenen Tagen die Tür für den Aufkauf von Staatsanleihen weit geöffnet. Dadurch würde die EZB noch mehr Geld drucken in der Hoffnung, so die Konjunktur anzukurbeln.

Kommentare (27)

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27.11.2014, 13:40 Uhr

Was ist diese EZB und diese EU-Deutschland Mafiainstitution nur noch für ein Haufen von Heuchlern und Abzockern.
Erst drängt diese EU-Deutsche Politik die Steuerzahler dazu die per marktwirtschaft insolventen Banken mit einen ESM (=Steuergelder) zu retten, dann schnürt diese grünsozialistische EU-Deutsche Politik ein perfides und asoziales Energiewendegesetz namens EEG. Somit hat diese grünsozialistische Politik mit der Gesetzgebung von ESM und EEG massiv willkür in der Marktwirtschaft walten lassen und jetzt beschört gerade diese Willkürpolitik von EEG, ESM und Energieeinsparverordnugnen eines kranken Grün-Sozialistischen Gedankengut, dass ihnen ihr eigens geschaffene und gegen jede freie Marktgesellschaft (Marktwirtschaft) gerichtet Gesetzes und Verbotssystem um die Ohren fliegen wird.
Was erwartet die Politik, wenn diese mit dem EEG und ESM Gesetz erlässt, die der Breinigung durch die marktwirtschaftliche Insolvenz, der marktwirtschaftlichen Vernunft (Wettbewerbsgedanke) und das Einstehen der Steuerzahler durch Subventionen (EEG) und Schulden Dritter (ESM) komplett einer offenen und wohlstandsfördernder Marktpolitik gegenübersteht.
EEG/ESM/Energieeinspardiktat = erst kommt die Lüge, dann der Betrug, danach folgt der Mangel und zum Schluss die Armut. Der Staat und damit der Steuerzahler trägt das Risiko für diese ESM/EEG Abzocker. Das kann und ist nicht im Interesse einer gesunden Marktgesellschaft/Wohlstandsgesellschaft!

Herr J.-Fr. Pella

27.11.2014, 13:54 Uhr

Ausgerechnet der Klugsch.... Vitor Constancio, der als portugiesischer Minister für Finanzen und Planung sein Portugal in den Abgrund geführt hat, indem er die Banken in Portugal mit billigen EU-Geld überschüttete, warnt vor hohen Dividendenjagden in der EU.
Soviel Ignoranz gepaart mit Dreistigkeit und Dummheit muß
s o f o r t abgesetzt werden. Aber keiner macht es.
Wieder einmal muß festgestellt werden: "the stupid Germans".

G. Nampf

27.11.2014, 14:06 Uhr

"Eine Gefahr sieht die EZB in der anhaltenden „Jagd nach Rendite“ unter Investoren."

Was sollen Investoren denn sonst machen, als nach Rendite zu jagen?

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