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25.01.2012

10:21 Uhr

Geld verdienen an der Börse

Keine Angst vor Aktien

VonNiklas Hoyer, Anton Riedl
Quelle:WirtschaftsWoche

Die Deutschen trauen der Börse nicht. Doch in erfolgreiche Depots gehören auch Aktien. Mit welchen Strategien Sie chancenreich anlegen, welche Instrumente vor Risiken schützen. Und welche Werte angesagt sind.

Viele Anleger haben Angst vor der Börse - das muss nicht sein. obs

Viele Anleger haben Angst vor der Börse - das muss nicht sein.

DüsseldorfEin Börsenroman in den Bestseller-Listen? In Deutschland ist das eine Überraschung. Nicht mal jeder zwanzigste Deutsche hält noch Aktien im Depot, in den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Aktionäre um gut ein Drittel gefallen. Viel zu riskant, meinen die meisten und haben angesichts von Finanz-, Schulden- und Euro-Krise Aktien den Rücken gekehrt.

Der Erfolg des Romans von Robert Harris (Vaterland) deutet aber keineswegs eine Trendumkehr an. Angstheißt das Werk - und spiegelt das Unbehagen an der Börse perfekt wider. Protagonist Alex Hoffmann, ein Hedgefondsmanager, macht in der Krise Milliarden: Unsere Algorithmen sind gerade bei Panik erfolgreich, weil der Mensch, wenn er Angst hat, immer auf vorhersehbare Weise reagiert.

Vorhersehbar, aber nicht richtig. Die Kunden sind nervös und wollen Risiken meiden, beobachtet Ulf Niklas, Finanzberater aus Berlin, in der realen Welt. Viele werfen jetzt eine über Jahre sorgsam aufgebaute Vermögensstruktur über den Haufen, bunkern nur noch Tagesgeld oder stecken aus Angst vor Inflation und Euro-Krise ihr ganzes Vermögen in Immobilien.

Der Schriftsteller Robert Harris hat einen Faible für historische Stoffe und Geschichten, die seine Leser nicht mehr ruhig schlafen lassen. Sein neuester Thriller "Angst" erzählt einen Tag voller Turbulenzen an den Börsen - und anderswo. dpa

Der Schriftsteller Robert Harris hat einen Faible für historische Stoffe und Geschichten, die seine Leser nicht mehr ruhig schlafen lassen. Sein neuester Thriller "Angst" erzählt einen Tag voller Turbulenzen an den Börsen - und anderswo.

Durchhaltevermögen zeigen

Sicher: In den vergangenen Jahren haben schwankende Kurse Aktionären einiges an Nerven abverlangt. Trotzdem ist das Risiko groß, dass Anleger mit ihrer Abneigung gegen riskantere und damit renditeträchtigere Investments schlecht fahren. Durchschnittlich 1,8 Prozent auf dem Tagesgeldkonto reichen schon jetzt nicht, um die aktuell 2,3 Prozent Inflation auszugleichen.

Aktien bieten als Sachwerte zumindest teilweise Schutz vor Inflation. Und nur über sie können sich Anleger an den produktiv erwirtschafteten Gewinnen einer Volkswirtschaft beteiligen. Es ist deshalb besser, mit angezogener Handbremse zu investieren, als überhaupt nicht im Kursaufschwung dabei zu sein. Handbremse steht in diesem Fall für Streuung, Absicherung und ein paar psychologische Tricks.

Schon jetzt ist der Dax seit Jahresanfang um fast acht Prozent gestiegen. Die Warnungen vor einer Pleite Griechenlands, dem Zerfall der Euro-Zone und einer Rezession in Europa hatten die Kurse weit gedrückt. Doch es ist längst nicht ausgemacht, dass es dazu wirklich kommt.

Die schwärzesten Börsentage seit 1987

Vor 1987

Beim größten Crash der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987 - als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index um 23 Prozent einbrechen ließen - hatte es den Dax noch nicht gegeben. Der deutsche Index, in dem die 30 börsennotierten Top-Unternehmen abgebildet sind, wurde erst am 1. Juli 1988 eingeführt. Auf Dax-Basis zurückberechnet hatten sich die Verluste an diesem Tag in Frankfurt aber auf gut neun Prozent belaufen.

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

In Reaktion auf den später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow verliert der Dax gut neun Prozent.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise verliert der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent und schließt mit 3.567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

5. August 2002 und 3. September 2002

US-Rezessionsängste drücken den Dax um 5,7 beziehungsweise 5,8 Prozent in die Tiefe. Darüber hinaus sorgt die Unsicherheit über die Lage im Irak für Aktienverkäufe.

24. März 2003

Wenige Tage nach Beginn des Irak-Krieges wachsen die Zweifel an den Finanzmärkten. Viele Anleger fürchten, der Krieg könnte sehr viel länger als von den USA erwartet dauern. Der Dax stürzt um 6,1 Prozent ab.

21. Januar 2008

Angst vor einer Rezession in den USA drückt den Dax um sieben Prozent auf 6.790 Punkte ins Minus.

15. September 2008

Die Pleite von Lehman drückt den Dax um moderate 2,7 Prozent.

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

01. Dezember 2008

Konjunktursorgen lassen den Dax um rund sechs Prozent fallen.

15. März 2011

Vier Tage nach der Erdbebenkatastrophe flüchten die Anleger weltweit aus den Aktienmärkten. Die Kernschmelzen in Fukushima erschüttern das Vertrauen zusätzlich: Der Nikkei-Index schließt 10,6 Prozent im Minus, der Dax verliert zeitweise 5,6 Prozent.

8. August 2011

Die USA verlieren am Wochenende bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer. Obwohl dies keine Überraschung ist, reagieren die Anleger mit Aktienverkäufen in großem Stil. Als an der Wall Street der Dow-Jones-Index 3,4 Prozent abstürzt, beschleunigt der Dax seine Talfahrt und verliert bis zu 5,2 Prozent auf 5921 Punkte.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

Spätestens im zweiten Halbjahr rechnen Ökonomen in Deutschland wieder mit einer anziehenden Konjunktur: Die Auftragsbücher der Unternehmen sind voll, die Deutschen kaufen ein wie selten zuvor. So stieg der private Konsum im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent - der größte Zuwachs seit Beginn der Finanz- und Schuldenkrise. Außerdem hilft der schwache Euro den exportstarken deutschen Unternehmen. Und die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für über 200 Milliarden Euro gekauft und allein im Dezember 500 Milliarden Euro in kriselnde Banken gepumpt. Gelingt es, die Lage weiter zu stabilisieren, werden die Aktienkurse wieder deutlich zulegen.

Intelligent mischen

Das Grundrezept für ein ausgewogenes Depot ist einfach: Anleger sollten ihr Geld streuen. Bewährt haben sich fixe Anteile für verschiedene Anlageklassen: So können sie je 30 Prozent ihres Vermögens in Aktien und Anleihen solider Unternehmen investieren, 25 Prozent in Gold und 15 Prozent als Tagesgeld parken. Das Schwierige ist, an einer solchen Aufteilung auch wirklich festzuhalten, sagt Martin Weinrauter, Vermögensverwalter und Fondsberater aus Königstein im Taunus. Einmal im Jahr sollten Anleger die Depotanteile wieder auf das gewünschte Niveau bringen. Das zwingt dazu, sich nicht von Euphorie oder Angst leiten zu lassen.In den vergangenen Krisenjahren ist diese Strategie gut aufgegangen. So hat der Dax seit Anfang 2008 rund 22 Prozent verloren. Mit der Musteraufteilung liegen Anleger hingegen 27 Prozent vorn.

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

25.01.2012, 11:08 Uhr

Jetzt muß mir nur noch jemand sagen, mit welchen Aktien sich im derzeitigen Umfeld risikolos Geld verdienen läßt, dann kaufe ich die natürlich sofort. (Bitte nicht Nestle, MxDonalds und Coca Cola empfehlen, sind bekannt). Vielleicht Solar-Aktien? Ich bin in physische Edelmetalle investiert, da kann ich über die Performance von Aktien in den letzten 10 Jahren nicht mal müde grinsen.

Mitbuerger

25.01.2012, 11:20 Uhr

Das Wesen des Kapitalismus ist ja, wenn man wüsste was läuft, dann hebt man die Gewinne zunächst einmal selbst. Somit wird einem niemand ernsthaft sagen können, was gerade gute Chancen hat. Das läuft dann allenfalls darauf hinaus, anderen die Werte schmackhaft zu machen, die man selbst bereits gekauft hat, damit man schon mal einen schönen Anfangs-Kursgewinn hat.

Tom

25.01.2012, 11:25 Uhr

... Blei, Blei ist sicher stark im Kommen ...

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