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01.01.2017

10:16 Uhr

Geldanlage 2017

Beim Anleger-Smalltalk mitreden

VonHeike Schwerdtfeger
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Mancher schnappt im Laufe des Jahres nur ein paar Schlagworte zur Geldanlage, Versicherung und Rente auf. Was davon auch 2017 aktuell bleibt, wie man den Niedrigzinsen entkommt und Freude am Vermögen haben kann.

Zum Jahreswechsel nehmen sich viele Anleger vor, noch besser zu werden – damit das Sparschwein besser gefüllt ist. Fotolia.com

Anleger-Smalltalk

Zum Jahreswechsel nehmen sich viele Anleger vor, noch besser zu werden – damit das Sparschwein besser gefüllt ist.

DüsseldorfEs fühlte sich eigentlich für die Verbraucher stets so an, als würden die Preise anziehen, im Supermarkt in der Fleisch-, Käse- oder Gemüseabteilung und zuletzt wieder an den Tankstellen. Aktien und Anleihen sind teuer geworden, von Immobilien in Metropolen ganz zu schweigen. Aber nach den offiziellen Statistiken sind die Preise im Euroland jahrelang maximal um ein Prozent gestiegen, deshalb sind die Zinsen rekordniedrig und das wird sich in 2017 kaum ändern. Hier ist auch ein stärkerer Preisauftrieb noch immer kein großes Thema, doch in den USA wird es brisanter. Dort läuft die Wirtschaft gut, der Arbeitsmarkt ist nahezu ausgelastet und die Löhne steigen bereits. Im kommenden Jahr werden die USA um über zwei Prozent wachsen nach Prognosen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,6 Prozent, die Löhne steigen um über drei Prozent und auch die Inflation nähert sich der Zielmarke von zwei Prozent.

Deshalb ist die US-Geldpolitik auch restriktiver und die US-Notenbank hat bereits die Zinsen angehoben, um den Preisauftrieb zu bremsen. Aber Ökonomen fürchten, dass Donald Trump mit seinem geplanten Ausbau der Infrastruktur in den USA die schon jetzt gute Wirtschaftslage zusätzlich anheizt. Die Preise könnten stärker steigen, wenn er auch noch die Einfuhren durch Zölle verteuern sollte. Nach seiner Wahl reagierten die fünfjährigen Zinsen am Finanzmarkt sofort und stiegen sprunghaft an von knapp über zwei Prozent auf 2,85 Prozent.

Welche politischen Stolperfallen Anlegern 2017 drohen

Aktien

Von Reuters befragte Analysten sehen den Dax im Schnitt bis Ende 2017 bei rund 11.470 Punkten. Das wäre in etwa auf dem Niveau vom Jahresende 2016 "Die Dividendenrendite ist im Vergleich zu den Anleihe-Renditen weiterhin so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Das Gewinnwachstum der Unternehmen ist in Ordnung", sagt Lars Thörs, Aktien-Chef der Fondsgesellschaft Danske Capital. Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, verweist auf einen weiteren Aspekt: „Angesichts weiterhin extrem günstiger Finanzierungsbedingungen dürften Unternehmen auf das bislang nur verhalten eingesetzte Instrument der Aktienrückkaufe zurückgreifen.“

Über weite Strecken kam der Dax 2016 kaum vom Fleck. Das Plus von knapp sieben Prozent seit Jahresbeginn geht zum größten Teil auf die Kursentwicklung im Dezember. Anfang des Monats übersprang der Dax die 11.000er Marke.

Als großen Risikofaktor für die Aktienmärkte sehen Börsianer die Wahlen in Deutschland, Frankreich den Niederlanden und möglicherweise auch in Italien. „Die Welle der populistischen Ergebnisse ist für Europa 2017 eine große Bedrohung“, sagt Craig Erlam, Marktanalyst des Brokerhauses Oanda. Ein zunehmender Nationalismus könnte der Anfang vom Ende der Euro-Zone sein.

Anleihen

An den Rentenmärkten werde es 2017 kaum etwas zu verdienen geben, ist sich Lars Edler, Co-Chefanleger des Bankhauses Sal. Oppenheim sicher. „Bei zehnjährigen Bundesanleihen gehen wir von einer negativen Gesamtrendite von etwa einem Prozent aus.“ Wenig besser dürfte es Anlegern mit US-Staatsanleihen ergehen: Hier sei eine Nullrendite zu erwarten. Die Ökonomen der Rabobank geben sich ähnlich skeptisch: „Wir sind nicht davon überzeugt, dass Donald Trumps Politik der Wirtschaft nachhaltigen Schub verleiht.“ Mögliche politische Spannungen könnten zudem die Attraktivität deutscher und US-Bonds als relativ sichere Anlagen erhöhen und damit die Renditen drücken.

Wegen der politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen liegt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen derzeit mit rund 0,3 Prozent etwa halb so hoch wie zu Jahresbeginn. Ihre US-Pendants rentieren mit knapp 2,3 Prozent zwar höher als Anfang 2016. Jenseits des Atlantik erwarten Börsianer aber auch eine Serie von Zinserhöhungen durch die Notenbank Fed. Staatsanleihen sind seit Jahren für Investoren ein schlechtes Geschäft, da die großen Notenbanken diese Papiere in großem Stil aufkaufen. Damit sollen die Finanzierungskosten für Staaten niedrig gehalten und die Konjunktur angekurbelt werden.

Devisen

Wegen der unterschiedlichen Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantik ist der Euro den Analysten der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank zufolge 2017 auf dem Weg zur Parität. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei Kursen um die 1,04 Dollar - rund vier US-Cent weniger als Anfang Januar. Die Experten der Rabobank sagen dagegen ein Ende des Dollar -Höhenfluges voraus. Der konjunktur- und damit inflations- und zinstreibende Effekt höherer Infrastruktur-Investitionen in den USA werde voraussichtlich durch eine restriktivere Handelspolitik zunichte gemacht.

Die Talfahrt des chinesischen Yuan wird dem Commerzbank-Analysten Peter Kinsella zufolge weitergehen. „Der Yuan gilt zwar als künstlich billig, doch ist er die mit Abstand teuerste Schwellenländer-Währung.“ Um Börsenturbulenzen zu vermeiden, werde China seine Valuta aber nur behutsam abwerten. Kinsella sieht den Dollar Ende kommenden Jahres bei 7,15 Yuan. In den vergangenen Monaten kletterte er um rund sechs Prozent auf etwa 6,90 Yuan. Anfang 2016 hatte eine rasche Abwertung der chinesischen Währung ein weltweites Börsenbeben ausgelöst.

Erdöl

Im Januar treten die niedrigeren Förderquoten für die Opec-Staaten in Kraft. Viel hängt davon ab, ob sich die Mitglieder des Export-Kartells sowie Russland an die Vereinbarung halten. Viele Analysten rechnen für das erste Halbjahr mit Preisen um 55 Dollar je Fass (159 Liter). Danach werden die Preise der US-Bank Goldman Sachs zufolge aber fallen. Denn geringere Exporte der Opec und Russlands ließen Raum für Konkurrenten wie die US-Schieferölindustrie.

Dank der geplanten Kürzung der Fördermengen durch die großen Exportländer verteuerte sich die Ölsorte Brent aus der Nordsee binnen Jahresfrist um etwa die Hälfte auf 56 Dollar je Barrel (159 Liter).

Andere Rohstoffe

Auf Kursverluste müssten sich Anleger an den Metallbörsen einstellen, sagt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Zwar steige durch die geplanten Infrastruktur-Investitionen in den USA und China die Nachfrage, gleichzeitig wachse aber auch das Angebot. Außerdem sei die Rally nach der US-Präsidentschaftswahl überzogen gewesen. Weinberg sieht den Kupfer -Preis bis Ende 2017 bei rund 5600 Dollar je Tonne. Seit September ist der Preis für das wichtige Industriemetall um ein Fünftel auf rund 5538 Dollar gestiegen.

Die Nachfrage nach der „Anti-Krisen-Währung“ Gold wird Analysten zufolge wegen der politischen Unwägbarkeiten anhalten. Die Experten der Commerzbank rechnen damit, dass der Preis für eine Feinunze Gold bis Ende 2017 auf rund 1300 Dollar von derzeit etwa 1150 steigt. 2016 verteuerte sich das Edelmetall um rund zehn Prozent.

Investoren sind jetzt nicht mehr bereit, den USA für wenig Zinsen langfristig Geld zu leihen, wenn sie damit rechnen müssen, dass die Preissteigerungen den Zinsertrag auffressen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Inflations- und Zinsschock kommen könnte, beurteilt Luca Paolini, Chefstratege im Asset Management der Schweizer Bank Pictet, als hoch. Die Zinssätze, zu denen die amerikanische Notenbank Fed die Banken mit Geld versorgt, müssten seiner Meinung nach noch deutlich höher liegen als bei den maximal 0,75 Prozent derzeit. Für wahrscheinlich hält Paolini auch eine Wachstumsbeschleunigung weltweit. Die weltweit aber noch im Vergleich zu den USA niedrigen Zinsen und starkes Wachstum könnten nach Ansicht von Paolini 2017 durchaus zu einem Zinsschock führen.

Anleihen, Wertpapiere, Gold: Das wurde 2016 aus 100.000 Euro

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Anleihen haben als Top-Performer an den Kapitalmärkten ausgedient. Dafür konnten Anleger 2016 mit Aktien und Rohstoffen unerwartet kräftige Gewinne einfahren. Das dürfte 2017 auch so bleiben.

In einem solchen Szenario wären für die Strategen von Pictet Rohstoffe und Liquidität die besten Anlageklassen. Bei Anleihen hingegen müssten die Anleger mit hohen Verlusten rechnen. Von einem starken Wirtschaftswachstum hingegen könnten Rohstoffe profitieren, aber auch Aktien, während Gold und Anleihen zu den Verlierern gehören könnten.
Im Euroland versucht die Zentralbank noch immer mit Nullzinsen und Wertpapierkäufen das Wirtschaftswachstum und die Inflation zu stimulieren. Hochverschuldete südeuropäische Länder wie Portugal, Spanien und Italien machen zaghafte wirtschaftliche Fortschritte, konnten aber ihre Verschuldung kaum verringern. Höhere Zinsen in den USA ziehen Investoren an, die dann weniger Geld im Euroland investieren. Die Refinanzierung der Schuldenländer könnte schwieriger werden. Im Zusammenhang mit Inflation könnten dann auch Schlagzeilen wie „Die Eurokrise kehrt zurück“ 2017 den Kapitalmarkt erneut beunruhigen.

Kommentare (1)

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Tschortscho Eibl

02.01.2017, 09:24 Uhr

Noch nie lief die Umverteilungsmaschine von unten nach oben so auf Hochtouren wie in den letzten beiden Jahrzehnten.

Die Großkonzerne haben über Steuervermeidung, Forschungs- und Investitionszuschüssen ihre Produktionsstätten vollautomatisiert.

Für den Normalbürger besteht keine Möglichkeit mehr Altersvorsorge noch Vermögenswerte zu schaffen.

Mittlerweile pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass dieses
€-Fehlkonstrukt mit samt seinem zugehörigem Wasserkopf in Brüssel am Ende ist.

Trotzdem scheut man sich dem Spuk ein Ende zu bereiten.

Der CSU Landwirtschaftsminister kümmert sich jetzt um die Veganer, schafft ein eigenes Label und die zugehörige Verwaltung gleich mit dazu.

Noch nie war unsere Freiheit so in Gefahr wie jetzt.

Wie mehrfach erwähnt ist es unverantwortlich die Politik dieses Landes Juristen, Lehrern und Studienabbrechern zu überlassen, die von Ökonomie keine Ahnung haben.

Es wird Zeit einen Schlussstrich zu ziehen !

Auf ein erfolgreiches 2017 :-)



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