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01.01.2016

14:36 Uhr

Geldanlage

Anlegen in der Minus-Gesellschaft

VonIngo Narat

Wer spart, der verliert. Das muss im neuen Jahr nicht so sein. Es gibt Auswege aus der Zinsmisere. Denn Geld kann sich selbst vermehren – wenn auch langsamer. Wie Anleger noch Rendite erzielen können.

Minuszinsen besorgen die Anleger. Getty Images

Weniger Rendite

Minuszinsen besorgen die Anleger.

FrankfurtEigentlich gibt es gar keinen negativen Zins. In den ökonomischen Lehrbüchern jedenfalls fehlen solche Kapitel. Es scheint auch wenig Sinn zu machen. Wer als Sparer sein Geld eine bestimmte Zeit hergibt, der will für dieses Leihgeschäft entlohnt werden. So jedenfalls ist die Theorie.

Die Praxis sieht heute anders aus. Tiefe Zinsen sind Verbraucher bereits gewohnt. Aber jetzt rutschen auch immer mehr Zinsanlagen in den Negativbereich. Beispiel Bundesanleihen: Bei den Restlaufzeiten von bis zu fünf Jahren herrscht die Minus-Rendite. Das ist nicht nur historisch einmalig. Es heißt auch schlicht: Der Käufer verliert Geld – garantiert.

Nur sehr langsam beginnen die Deutschen auf diese Form der Enteignung zu reagieren. Das belegen beispielsweise die Statistiken der Bundesbank. Die Deutschen werden zwar immer reicher. Die Bundesbank gibt ihr Geldvermögen zur Jahresmitte mit 5,2 Billionen Euro an.

Doch die Struktur dieses großen Betrages ist noch längst nicht an die neue Tiefzins-Welt angepasst. Allein zwei Billionen Euro sind Bargeld und sind auf Bankeinlagen in unterschiedlicher Form konzentriert. Dazu kommt eine fast gleich hohe Summe an Ansprüchen aus Versicherungen und Alterssicherungssystemen. Diese Kapitalanlagen sind ebenfalls stark auf Zinsanlagen ausgerichtet.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Bargeld und Einlagen

Den größten Anteil am Vermögen der deutschen Privathaushalte haben traditionell Bargeld und Einlagen. Das Banksparen – also beispielsweise Girokonten oder Tagesgeld – hat sogar an Beliebtheit zugelegt. Von Januar bis März 2015 machte der Posten einen Anteil von 39,7 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2001 lag dieser Anteil noch bei 34,9 Prozent.

Quelle: Deutsche Bundesbank

Versicherungen

Versicherungen machen den zweitgrößten Posten in der Vermögensstruktur der deutschen Haushalte aus. Zu diesem Posten zählen auch die Ansprüche gegenüber Alterssicherungssystemen. Von Januar bis März 2015 lag der Anteil der Versicherungen am Haushaltsvermögen bei 37,4 Prozent, er ist damit im Vergleich zu Aktien und Fonds gestiegen. 2001 lag der Anteil noch bei 30,8 Prozent.

Anleihen

Die Renditen für Anleihen sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld unattraktiv. Die Haushalte reagieren darauf und investieren deutlich weniger in die Wertpapiere. 2001 lag der Anteil der Anleihen am Haushaltsvermögen noch bei 6,3 Prozent. In den ersten drei Monaten des Jahres 2015 ging die Quote auf 3,0 Prozent zurück.

Aktien und sonstige Anteilsrechte

Das in Aktien investierte Vermögen und der Anteil sonstiger Anteilsrechte am Vermögen der deutschen Haushalte sind gestiegen. Zu diesem Posten zählen auch Aktien, die nicht an einer Börse notiert sind. 2001 machten sonstige Anteilsrechte 9,4 Prozent am Gesamtvermögen aus. Im ersten Quartal 2015 lag der Anteil bei 10,8 Prozent.

Aktienfonds

Die indirekte Anlage in Aktien durch Aktienfonds hat an Beliebtheit gewonnen. 9,4 Prozent des Gesamtvermögens investierten die Haushalte von Januar bis März 2015 in Aktienfonds. 2001 lag der Wert noch bei 2,9 Prozent.

Das bedeutet: Rund drei Viertel des Geldvermögens bringen kaum Zinsen. Laut Statistik haben die Deutschen im ersten Halbjahr weniger als 20 Milliarden Euro aus Termineinlagen, Spareinlangen und Sparbriefen abgezogen. Das ist angesichts der genannten Gesamtbeträge der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Die Deutschen geben ihre Gewohnheiten nur widerstrebend auf. Umfragen belegen, dass das Niedrigzins-Problem zwar wahrgenommen wird. Doch die Verbraucher reagieren bisher nur zögernd, schichten eher selten in andere Anlagen um – auch das zeigt die Bundesbank-Statistik.

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