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19.01.2012

10:20 Uhr

Geldanlage

Beraten und verkauft - die teuren Fehler der Banker

VonJens Hagen

Die Empfehlungen vieler Anlageberater sind katastrophal. Depotauszüge zeigen: Die Kunden leiden unter Unwissen, Provisionsschinderei und Risikolust ihres Bankers. Woran Vermögende einen schlechten Berater erkennen.

Depotauszug: Wenn der Berater einen Fehler macht, drohen unnötige Risiken und schwache Renditen. gms

Depotauszug: Wenn der Berater einen Fehler macht, drohen unnötige Risiken und schwache Renditen.

Die Politik nimmt wieder mal die Banker ins Visier. Auf Antrag der SPD-Fraktion tagt der Bundestag heute zu möglichen Vorgaben für eine provisionsunabhängige Beratung in allen Finanzangelegenheiten. Berater sollen nicht mehr auf Verkaufsanreize schauen, sondern wirklich unabhängig beraten. Das Honorar für diese Dienstleistung soll vom Kunden und nicht vom Anbieter der Finanzprodukte kommen.

Die Opposition macht der Regierung Druck. Denn die CDU hat schon längst Pläne, die in eine ähnliche Richtung gehen. Für Banker wie Kunden dürfte klar sein: Egal in welcher Regierung - die Honorarberatung wird von der Legislative gefördert.

Das Problem schlechter Empfehlungen in der Geldanlage dürfte aber auch damit nicht gelöst sein. Neben vermeintlicher Provisionsschneiderei gibt es zahlreiche weitere Mankos bei der Beratung. „Wenn Kunden der Großbanken zu uns kommen finden wir in den Depots häufig gravierende Fehler“, sagt Heiko Löschen, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Packenius, Mademann & Partner in Düsseldorf, Hamburg und Hannover . „Einseitige Ausrichtung, viel zu hohe Kosten und mangelndes Risikomanagement sind nur einige Punkte, die wir kritisieren."

Doch woran erkennen Kunden, ob der Banker nicht in ihrem Interesse handelt? Handelsblatt Online liegen vier Depotauszüge von Privatkunden vor, die exemplarisch die wichtigsten Fehler der Banker zeigen. Eine genaue Auswertung der echten Depots zeigt typische Schwächen in der Beratung und Anlageverhalten der Kunden. Die Analyse erfolgt mit Unterstützung der Vermögensverwaltung Packenius, Mademann & Partner.

Commerzbank: 40 Prozent Hausprodukte, mangelnde Diversifikation

Mehr als 1,5 Millionen Euro hatte der Unternehmer der Commerzbank anvertraut und wollte das Geld in guten Händen sehen. Das Depot sollte ausgewogen sein, der Mann war mit 65 Jahren nahe an der Rentengrenze. Der Blick auf den Depotauszug zeigt aber typische Fehler vieler Berater, die für Kunden unnötige Risiken verursachen, die Rendite absinken lassen und unnötige Kosten verursachen.

Beraterfehler

Ein Depot bei der Commerzbank

Der Auszug offenbart Fehler in der Zusammenstellung der Wertpapiere. Der Anteil an Eigenprodukten ist hoch, die Anlagestruktur hat keinen roten Faden. Ohne passgenaue Diversifikation geht der Kunde unnötige Risiken ein.

58 Prozent des Depotwertes hat der Kunde nach dem Gespräch mit dem Berater in Anleihen investiert, was zwar sehr viel ist, bei konservativen Depots aber nicht ungewöhnlich ist. „Bei der Mischung fehlt aber der rote Faden“, sagt Heiko Löschen, Geschäftsführer von Packenius, Mademann & Partner.

Der Anteil an Unternehmensanleihen beträgt nur ein Prozent des Portfolios, es gibt lediglich eine Anleihe von Roche. Ansonsten dominieren deutsche Geldmarktkonten, Staats- und Länderanleihen sowie Pfandbriefe das Anleihe-Portfolio. Es gibt keine Diversifikation über verschiedene Emittenten, Währungen und Länder, ein Großteil des Vermögens ist daher einem unnötig hohen Risiko ausgesetzt.

Kommentare (46)

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hufi

19.01.2012, 13:36 Uhr

Grausamer und sehr einseitiger Artikel! Die komplette Analyse an dem Depotkontoauszug festzumachen und darüber hinaus eine derart breite Werbeplattform für die sehr häufig genannte Vermögensverwaltung ist fast schon auf "Bild" Niveau. Unabhängig von der zum Teil sicher berechtigten Kritik an viele Bankberatern gehört normalerweise insbesondere eine Anlayse der Beratungsprotokolls, dass sich der Kunde hätte aushändigen lassen müssen (insbesonbdere bei dieser Investitionssumme),zwingend zur Bewertung des Portfolios. Niemand erkennt nur anhand des Auszugs welche konkreten Empfehlungen der Berater angeboten hat und warum ggf. vor allem auf breitere Diversifikation verzichtet wurde.

Account gelöscht!

19.01.2012, 13:41 Uhr

Also mal wieder die alte Laier: Die bösen Finanzbuben.

Ich mag's schon längst nicht mehr hören.

1. Es gibt im Internet längst für jeden einsichtbare Bewertungsportale. Jeder halbwegs gescheite Bürger kann sich dort über seinen Berater informieren bzw. sich gezielt einen von anderen Kunden gut bewerteten in seiner Region aussuchen. Bei den hier genannten Anlagesummen sollte das eine Bringschuld des Anlegers sein, oder?

2. Honorarberatung wird zu keiner Verbesserung führen. Entweder bin ich ein ehrbarer Kaufmann oder nichht. Bin ich es, werde ich auch bei provisionsorientierter Vergütung seriös vorgehen, ,weil ich meinen Kunden lange behalten möchte und vor allem Empfehlungen haben möchte. Bin ich ein Betrüger, werde ich auch in einem Honorarsystem meine Möglichkeiten finden, mich zu bereichern.

3. Der wirkungsvollste Anlegerschutz sollte beim Anleger selbst ansetzen, und das heißt konkret: Wissen über die Finanz- und Versicherungswelt ist Allgemeinbildung! Leider versagen die Schulen hier oft komplett, das wird nach 12 oder 13 Jahren zwar die Hochschulreife bescheinigt, aber die Abiturienten haben ein Finanzwissen auf Grundschulniveau. 2 Jahre Wirtschaftsunterricht sollte Pflicht werden!

Graintrader

19.01.2012, 13:56 Uhr

Ich kann nur aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die sogenannten "Berater" dass gefährlichste sind, was einem Anleger passieren kann. Als jahrzehntelanger Kunde der Deutschen Bank wollte ich Geld aus einem Hausverkauf professionell anlegen, um mir drei Jahre später ein Neues zu kaufen. Der Erfolg dieser Aktion ist, dass ich ca. € 70.000 verloren habe (oder dabei bin sie zu verlieren, da ich noch nicht alles aufgelöst habe). Der Großteil wurde in einem wärmstens empfohlenen DWS Fond angelegt. Soweit wäre das noch in Ordnung. Als jedoch der Fond immer mehr an Wert verlor, war ich ständig bei meinem Berater auf der Leitung und fragte, ob ich nicht lieber aussteigen soll und den Verlust minmieren. Ausdrücklich wurde mir davon abgeraten, bei € 5.000, bei € 8.000, bei € 10.000, bei 15.000, bei € 20.000 usw. Einen gleichfalls von der Deutschen Bank empfohlenen Fond löste ich ohne "Beratung" auf und nahm die € 5.000 Verlust. Bis heute hat mich die Empfehlung des Bankberaters allein beim DWS Fond € 45.000 gekostet, ganz zu schweigen von den Aktienempfehlungen.
Trotz mehrfacher Gespräche war man nicht bereit, diese fehlerhafte "Leistung" anzuerkennen.
Und zu allem Überfluss wurde ich gezwungen, trotz Anlagen eine Vollfinanzierung für mein Haus abzuschliessen, was mich noch mal richtig Geld gekostet hat.
Eben eine "Leistung aus Leidenschaft" - wie die Deutsche Bank immer wieder betont.

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