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25.07.2015

09:32 Uhr

Geldanlage

Ist Europa am Ende?

VonIngo Narat

Die Griechenlandkrise zeigt: Der Blick auf die klassischen Kennziffern reicht bei der Geldanlage heute nicht mehr aus. Investoren müssen die geopolitischen Entscheidungen im Blick behalten. Das ist nicht immer einfach.

Drohen der Euro-Zone wie vor einigen Jahren bald wieder Diskussionen über einen möglichen Untergang? iStock

Drohen der Euro-Zone wie vor einigen Jahren bald wieder Diskussionen über einen möglichen Untergang?

Der Euro zerbricht. Die Eurozone fällt auseinander. Solche düsteren Visionen verbreiteten Schwarzseher in den heißen Griechenlandwochen. So weit kam es zwar nicht. Doch die Börsen wurden durchgeschüttelt. Für Vermögensverwalter sind die Folgen klar. „Wir brauchen heute Analysten, die sich mit solchen politischen Ereignissen beschäftigen“, sagt etwa Frank Hagenstein, Chef-Anlagestratege der Deka-Gruppe des Sparkassensektors (siehe Interview am Ende des Artikels).

Weit ausstrahlende Ereignisse wie die aufbrechenden Konflikte in der Europäischen Union sind eigentlich das Tummelfeld geopolitischer Strategen. Diese Spezialisten erkennen zwar wachsende Risse im Währungsverbund und politischen Gefüge Europas. Dennoch wollen die Fachleute aus Investorensicht die Anlageregion nicht abschreiben.

Aktien : Goldman empfiehlt europäische Aktien

Aktien

Goldman empfiehlt europäische Aktien

Gerade hat die Wall Street einen herben Rücksetzer erlitten. Die Zahlen von Technologiewerten haben enttäuscht. Dazu passt, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs seit neuestem europäische Aktien den US-Werten vorzieht.

In die Riege der Optimisten reiht sich Brian Singer ein. Der Manager bei der Anlagegesellschaft William Blair in Chicago stellt Depots auch nach geopolitischen Gesichtspunkten zusammen. Er erklärt zu den Eurozonen-Tumulten: „Wenn der größte Sturm vorbei ist, kann man dort Aktien kaufen. Viele negative Nachrichten stecken jetzt schon in den Kursen drin.“

Ausgelöst hat die Debatte ein politischer Umbruch. Nach jahrzehntelangem Ausbau der Europäischen Union und des Währungsverbundes verschlechterte sich die politische Großwetterlage seit der Finanzkrise. Das Schuldenproblem rückte ins Bewusstsein, kulminierte in der Debatte um Griechenland, einem de facto insolventen Staat. Der „Grexit“, ein möglicher Austritt der Hellenen aus der Währungsunion, wurde in den vergangenen Monaten zum Schlagwort. Die Wortschöpfung dominierte die täglichen Nachrichten im laufenden Monat und spiegelte so das eskalierende politische Drama wider.

ETFs versus Investmentfonds

Rechtsform

ETF: Sondervermögen. Es ist das Kapital, welches der Anleger seiner Investmentgesellschaft gegen die Ausgabe von Anteilsscheinen überlässt. Dadurch ist dieses Geld klar von den anderen Vermögenswerten der Gesellschaft getrennt und selbst vor dem Zugriff der Gläubiger im Insolvenzfall geschützt.

Investmentfonds: ebenfalls Sondervermögen

Erwerb

ETF: ETFs werden an der Börse gehandelt. Sie müssen, anders als normale Investmentfonds, nicht bei einer Investmentgesellschaft erworben werden. Weil sie an der Börse gehandelt werden, wird der Nettoinventarwert des Sondervermögens fortlaufend veröffentlicht.

Investmentfonds: Ein normaler Investmentfonds muss bei der Kapitalanlagegesellschaft physisch erworben werden. Diese gibt den Anlegern im Gegenzug ein Zertifikat und verwaltet das Kapital im eigenen Namen auf gemeinschaftliche Rechnung der Anleger.

Liquidität

ETF: ETFs sind deshalb beliebt, weil sie eine hohe Liquidität aufweisen und problemlos ganztägig an der Börse gehandelt werden können.

Investmentfonds: Anders als ETFs ist es nicht so leicht, einen normalen Investmentfonds zu verkaufen. Die Liquidität ist niedrig, verkauft wird einmal täglich zum Nettoinventarwert.

Transparenz

ETF: Das ETF-Sondervermögen muss täglich veröffentlicht werden.

Investmentfonds: Im Unterschied dazu ist die Transparenz der meisten Investmentfonds gering, veröffentlicht wird nur im Jahres- beziehungsweise Halbjahresbericht.

Gesamtkosten

ETF: ETFs werden passiv verwaltet, die Kosten sind niedrig.

Investmentfonds: Bei Investmentfonds dagegen verwaltet ein Manager das Fondsvermögen und verfolgt eigene Strategien. Das kostet die Anleger unter Umständen mehr Gebühren.

Ausgabeaufschlag

ETF: Der Ausgabeaufschlag ist ein Aufgeld, das auf den Nennwert eines Wertpapieres erhoben wird. Bei ETFs entfällt er.

Investmentfonds: Bei Investmentfonds kann der Aufschlag dagegen bis zu fünf Prozent des Net Asset Value, des Anteilswertes, betragen.

Verwaltungsgebühr

ETF: Die ETF-Verwaltungsgebühr ist niedrig und beträgt zwischen 0,05 und 0,75 Prozent pro Jahr.

Investmentfonds: Für Investmentfonds müssen Anleger dagegen hohe Gebühren zahlen, bis zu zwei Prozent pro Jahr plus weitere Fondsgebühren.

Wertpapierprovision

ETF: Wertpapierprovision wird bei ETFs für deren Kauf und Verkauf erhoben.

Investmentfonds: Beim Investmentfonds entfällt sie

Philippa Malmgren in London sieht im Euro keinen passenden Klebstoff für die Mitgliedsländer. Die Gründerin von DRPM Group, einer Beratungsfirma für politische und wirtschaftliche Risiken, erkennt im Währungsverbund sogar einen echten Spaltpilz: „Der Euro ist zu spröde und unelastisch, um die Europäische Union enger zusammenzubinden, im Gegenteil, der Euro treibt die Union auseinander.“

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