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04.09.2013

10:21 Uhr

Geldanlage

Jetzt beginnen die fetten Jahre

VonDörte Jochims

Anleger sind verunsichert: Versinkt Europa nach der Bundestagswahl in der Euro-Krise? Oder ist die Rezession bald ausgestanden? Prominente Vermögensverwalter geben Entwarnung: Sieben Argumente für Optimisten.

Bulle vor der Frankfurter Börse: Stehen den Geldanlegern goldene Zeiten bevor? dpa

Bulle vor der Frankfurter Börse: Stehen den Geldanlegern goldene Zeiten bevor?

Für Geldanleger sind die nächsten Wochen entscheidend. Viele fürchten, dass die Euro-Krise nach der Bundestagswahl wieder hochkochen könnte. Wie gefährlich ist die Lage wirklich? Werden schwerwiegende Probleme unter den Tisch gekehrt? Droht nach dem 22. September ein böses Erwachen? Oder ist die Lage eigentlich gar nicht so dramatisch?

Je nachdem wie die Antworten auf diese Fragen ausfallen, müssen Anleger ihre Strategie anpassen. Nur so bringen sie ihr Vermögen durch stürmische Zeiten. In zwei Folgen präsentieren wir Ihnen, was für steigende oder fallende Kurse spricht. Heute lesen Sie sieben Argumente, warum Anleger optimistisch bleiben sollten.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Das Szenario, wonach sich die Euro-Krise wieder zuspitzen und die Lage in Griechenland, Frankreich oder Spanien eskalieren könnte, halten die meisten Anlagestrategen und Fondsmanager für unwahrscheinlich. Eine Umfrage von Handelsblatt Online unter knapp einem Dutzend Investmentprofis gibt Entwarnung: Alle Befragten gehen davon aus, dass sich die Euro-Krise beruhigt, die amerikanische Wirtschaft weiter floriert und auch die deutsche Wirtschaft weiter gedeiht. Das ist erstaunlich. Denn selten beurteilte die Branche in der Vergangenheit die Lage so homogen.

1. Argument: „Lebenszeichen aus den Peripherieländern der EU“

„Die Konjunkturumfragen haben sich so stark verbessert, dass es verlockend erscheint, von einem Wendepunkt im Euro-Raum zu sprechen“, sagt Benjamin Melman, der bei der Privatbank Edmond de Rothschild die Vermögensaufteilung verantwortet. Zwar erwarte niemand einen starken Aufschwung. Letztlich könne die Situation aber nur besser werden. Sein Haus werde sich jedenfalls daher wieder stärker im Euro-Raum engagieren.

Tatsächlich gab es Lichtblicke: Zwischen April und Juni legte das BIP-Wachstum in Portugal um 1,1 Prozent zu. Auch Frankreichs Wirtschaft wuchs um 0,5 Prozent. In Spanien gingen erstmals seit zwei Jahren die Arbeitslosenzahlen zurück. Portugal, Spanien und Griechenland steigerten zudem ihre Exporte. Und die Griechen konnten ihre Neuverschuldung mehr als halbieren.

Kommentare (71)

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04.09.2013, 10:48 Uhr

Fehlt nur noch die Bildzeitungsschlagzeile: "Hilfe, alle werden reich - nur ich nicht!" Dann wissen wir wieder, was die Stunde geschlagen hat.

holyowly

04.09.2013, 10:50 Uhr

Is schon 1. April? *g* Das kann ja wohl nur ein Scherz sein!

Account gelöscht!

04.09.2013, 11:02 Uhr

Wir werden mit dem Euro ins Paradies kommen. Und ich werde Tag und Nacht blaue EU-Flaggen wählen. Endlich werden wir alle glücklich. Und Millionär. Es ist so wunderbar. Schön, das die Handelsprawda diese geradezu zudröhnenden Worte verbreitet. Endlich wird alles gut! Vielen herzlichen Dank!

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