Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.01.2013

16:59 Uhr

Geldanlage

Jung, begabt, renditegeil – und erfolglos

VonJens Hagen

Junge Aufsteiger sind besonders anspruchsvoll bei den Vorgaben für ihre Banker. Eine Studie zeigt jedoch: Der Nachwuchs besitzt kaum Finanzwissen. Wie High Potentials ihr Geld anlegen und welche Fehler sie dabei machen.

Geschäftsfrau: Junge Aufsteiger sind bei der Vermögensplanung anspruchsvoll. dpa

Geschäftsfrau: Junge Aufsteiger sind bei der Vermögensplanung anspruchsvoll.

Wenn man mit Vermögensverwaltern über den Anlegernachwuchs spricht, zeigen sich mache beeindruckt. Die Aufsteiger, Erben und baldige Clan-Oberhäupter seien besonders fordernd, heißt es. „Diese Zielgruppe ist deutlich besser informiert und wesentlich anspruchsvoller in dem was sie erwartet“, sagt etwa Manfred Schlumberger, Geschäftsführer von BHF Trust. Sie verlangen Transparenz und eine über lange Jahre gute Wertentwicklung.

„Flexibilität, Transparenz, Risiko, Rendite“ seien dem Nachwuchs besonders wichtig, erklärt Heiko Löschen, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Packenius, Mademann und Partner. Ihnen gehe es um Preis und Leistung. „Grundsätzlich besteht ein hohes Kostenbewusstsein bei diesen Anlegern“, sagt Löschen. Der Nachwuchs sei bereit, für die erbrachte Beratungsleistung zu bezahlen. Aber auch nicht mehr.

Was Young Professionals im Depot haben

Umfrage

Das deutsche Institut für Vermögensstrategien hat mehr als 600 jungen Geldanleger mit Karrierepotenzial befragt, in welche Anlageklassen sie investieren. Das Ergebnis überrascht: Der Nachwuchs legt sein Geld relativ konventionell an und nimmt bei hohe Kosten in Kauf.

Platz 11

In Kostengünstige börsennotierte Indexfonds (ETFs) investieren nur 3,2 Prozent der Nachwuchs-Anleger.

Platz 10

Die zweitschlechteste Quote erzielen renditeschwache Bundeswertpapiere.

Platz 9

Ein gutes Gewissen spielt bei der Geldanlage offenbar nicht die entscheidende Rolle. Nur 4,5 Prozent investieren in nachhaltige Finanzprodukte.

Platz 8

In Zertifikate investieren nur rund fünf Prozent.

Platz 7

Gold und Edelmetalle stehen nur bei 5,3 Prozent der Aufsteiger auf dem Einkaufszettel.

Platz 6

Beliebter sind Immobilien.15,9 Prozent investieren in Stein und Beton.

Platz 5

Trotz Zinstief schafft es die kapitalbildende Lebensversicherung unter die Top fünf. 19 Prozent schließen eine Police ab.

Platz 4

Jeden fünfte Jung-Anleger kauft Aktien.

Platz 3

Fonds schaffen es mit 33,3 Prozent aufs Treppchen der beliebtesten Investments.

Platz 2

37,8 Prozent der Aufsteiger investieren in Bausparverträge.

Platz 1

Die meisten Nachwuchsanleger besitzen Zinskonten. 42,9 Prozent setzen auf Tages- Fest- oder Termingelder.

Jung, anspruchsvoll, renditegeil und ein wenig geizig: So ticken die jungen Anleger. Sie sind jung, talentiert und mancher dürfte in Zukunft in die Chefetage einziehen. Aber so aussichtsreich ihre Perspektiven im Job sein mögen und so sehr sie ihren Banker oder Verwalter zu Höchstleistungen antreiben, so wenig verstehen die Young Professionals anscheinend vom Geld.

Diese Annahme bestätigt zumindest eine Umfrage des Deutschen Instituts für Portfolio-Strategien unter rund 400 potenziellen Aufsteigern. „Jeder Autokäufer ist besser informiert als ein Bankkunde“, sagt Julius Reiter, Fachbereichsvorsitzender des Instituts und prominenter Anlegeranwalt. Selbst bei dieser hochwertigen Zielgruppe sei das Finanzwissen nicht ausreichend, um unabhängige Kaufentscheidungen zu treffen.

Musterdepot für Yuppies

Einleitung

Die BHF Bank hat für Handelsblatt Online beispielhaft ein Musterdepot für junge Berufseinsteiger zusammenzugestellt, die in Zukunft die Aussicht auf hohe Gehälter oder eine Erbschaft haben und dieses Geld nachhaltig, aber durchaus risikofreudig anlegen wollen. Das Institut empfiehlt folgenden Mix: 70 Prozent Aktien, 20 Prozent Renten, 10 Prozent Rohstoffe. Alle Einzeltitel sind in den jeweiligen Kategorien in etwa gleich gewichtet.

Aktien

Anteil jeweils zwischen 2,3 am Gesamtportfolio

Industrie: ABB Ltd., Experian, Orkla ASA, Rheinmetall, Rotork, Vinci
Energie und Rohstoffe: Royal Dutch Shell, Fuchs Petrolub
Konsumgüter: British American Tobacco, L'Oreal, Reckitt Benckiser Group, Südzucker, Gerry Weber, McDonald's, Next, Panera Bread, Sodexo, Tod's
Gesundheitswesen: Becton Dickinson and Co., Cie Generale d'Optique Essilor, Sanofi Gesundheitswesen
Finanzwerte: Sampo, Zurich Insurance Group
Informationstechnologie: Bechtle, Ebay, Microsoft, United Internet

Aktienfonds

Anteil jeweils zwischen 2,6 und 2,7 Prozent am Gesamtportfolio

Emerging Markets: FT Emerging Consumer Demand, Aberdeen - EM Small Caps
Japan: iShares MSCI Japan

Unternehmensanleihen

Anteil jeweils 2,0 Prozent am Gesamtportfolio

Telefónica, Snam, Vivendi, Carrefour, Davide Campari, Rémy Cointreau, Luxottica, SAP

Rentenfonds

Anteil jeweils zwischen 2,0 Prozent am Gesamtportfolio

JB - Local Emerging Bond Fund, Raiffeisen - Europa High Yield

Alternative Investments

Anteil jeweils zwischen 5,0 Prozent am Gesamtportfolio

Xetra Gold, ETFS Industrial Metals DJ-UBSCI

Zwar schätzen mehr als 83 Prozent der Befragten ihr Finanzwissen als gut ein. Trotzdem investieren die Aufsteiger vor allem in traditionelle Anlageklassen. 43 Prozent der Befragten besitzen ein Zinskonto, 38 Prozent einen Bausparvertrag, 19 Prozent eine Kapitallebensversicherung.

Angesichts des allgemeinen Zinstiefs, der guten Aussichten im Job und der langfristigen Anlageperspektive raten Vermögensverwalter dieser Zielgruppe zu anderen Anlageklassen. „Für diese Zielgruppe empfehlen wir einen hohen Anteil an risikotragenden Assets, sofern nicht in näherer Zukunft ein Immobilienkauf vorgesehen ist“, sagt etwa Manfred Schlumberger, Geschäftsführer von BHF Trust. Er empfiehlt dieser Zielgruppe einen Aktienanteil von 70 Prozent, einen Rohstoffanteil von 20 Prozent sowie zehn Prozent Rentenanlagen.

Kommentare (33)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Irgendwas_2013

29.01.2013, 17:22 Uhr

Ist doch super für die Anlageberater... irgendwelchen verwöhnten Schnöseln und Töchterchen das Geld aus der Nase ziehen. Ich glaube ich mach auch mal einen auf Anlageberatung, Schwerpunkt: Erben und High Potentials.

Was mir Sorgen macht: Wie kann man eigentlich in einem Wirtschaftsunternehmen irgendwas zu sagen haben, wenn man nichtmal privat was von der Kohle versteht?...

Umverteilung von den Erben zu den Anlageberatern find ich gut... besser als wenn es bei den eh schon zu fetten Erben versauert. Da soll der Anlageberater doch lieber einen deutschen Luxuswagen konsumieren, da haben mehr Leute was davon.

Account gelöscht!

29.01.2013, 17:29 Uhr

... und warum denn bloß werden zinskonto und bausparverträge von den "asset managern" als falsches portfolio angesehen???

Account gelöscht!

29.01.2013, 17:43 Uhr

ich arbeite SEHR eng mit der Bankenwelt zusammen und könnte wie schon mal gesagt ein Buch darüber schreiben und viele würden nicht mal glauben was sie da lesen.

Was da in den Banken wie auch in der Politik sitzt, würde ich teilweise nicht mal bei McDonalds die Fritten machen lassen...Ebenso zum Witz mutiert sind die Bachelor und Master-Geschichten...man sollte es in keinem Lebenslauf mehr ernst nehmen.

Sorry aber das ist nur die spitze des Eisbergs

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×