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17.09.2013

15:26 Uhr

Geldanlage

Jung, geldverliebt, misstrauisch

VonJens Hagen

Sie haben beste Karrierechancen. Auch bei der Geldanlage lassen Young Professionals nichts anbrennen. Sie misstrauen ihren Bankern und halten sich selbst für Investment-Profis. Wie der Nachwuchs sein Geld anlegt.

Absolvent einer amerikanischen Elite-Uni: Der Nachwuchs weiß, wo es lang geht. ap

Absolvent einer amerikanischen Elite-Uni: Der Nachwuchs weiß, wo es lang geht.

Über so viel Chuzpe staunte selbst der altgediente Vermögensverwalter. Als das Ehepaar mit seinem gerade mal 21 Jahre alten Sohn vor ihm saß, und eine Summe von knapp einer halben Million Euro für die Altersvorsorge zurücklegen wollte, übernahm der Filius schnell das Kommando.

Nicht beeinträchtigt von allzu großer Lebenserfahrung und angespornt von einem betriebswirtschaftlichen Studium drängte er den Berater zu einer „breit diversifizierten Anlagestrategie mit langfristigem Horizont“. Der Vater kämpfte sichtlich mit seinem Ego, überließ aber seinem Zögling das Kommando. Der orderte beim Profi Aktien, festverzinsliche Wertpapiere - jeweils international diversifiziert -, Genussscheine und Wandelanleihen, Rohstoffe und Edelmetalle und Private Equity Investments.

Wie junge Bankkunden investieren

Die Umfrage

Eine empirische Analyse der FOM Hochschule hat das Anlageverhalten von jungen Bankkunden und Berufseinsteigern untersucht. Dazu wurden 322 Personen befragt. Mehrfachnennungen waren möglich.

Keine Geldanlage

Kaum einer der Befragten war nicht in irgendwelchen Anlagen investiert. Lediglich ein Prozent halten ihr Geld unter der Matratze.

Staatsanleihen

Obwohl das Zinsumfeld derzeit sehr unattraktiv ist, haben immerhin sechs Prozent ihr Geld in Staatsanleihen angelegt.

Zertifikate

Zertifikate gehören zu den komplizierteren Produkten. Sieben Prozent investieren in diese Anlageform. Die niedrige Zahl begründet sich durch die selbstkritische Haltung der jungen Leute gegenüber ihrem Finanzproduktverständnis. Ein Großteil der Befragten hält ihren Wissenstand über Finanzprodukte für unzureichend.

Edelmetalle

Der große Gold-Hype der vergangenen Jahre ist zu Ende. Auch bei den anderen Edelmetallen lässt die Entwicklung zu wünschen übrig. Nur noch 13 Prozent der Befragen halten ihr Geld in Edelmetalle.

ETF

Investitionen in ETFs haben sich in den vergangenen Jahren gelohnt. An den Profiten hatten 13 Prozent der jungen Berufseinsteiger einen Anteil.

Unternehmensanleihen

Unternehmensanleihen gehören mit 17 Prozent zu den weniger beliebten Anlageformen der Befragten.

Immobilien

Auch in Immobilien halten sich die Geldflüsse junger Menschen mit 19 Prozent in Grenzen. Wohl auch, weil diese Anlageform ein hohes Startkapital erfordert.

Kapitalversicherung

Je sicherer die Geldanlage, desto höher die Neigung in diese Produkte zu investieren. Dies gilt nicht nur für die älteren Bürger des Landes. Auch junge Menschen neigen dazu – selbst wenn diese Anlageformen, wie zum Beispiel die Kapitallebensversicherung (24 Prozent), kaum Renditen abwerfen.

Festgeld

Geld anlegen und sich darum nicht weiter kümmern. Sorglosigkeit spielt bei den jungen Anlegern eine große Rolle. 25 Prozent legen ihr Geld in Festgeldkonten an.

Fonds

Ein größere Sprung ist bei Fonds zu verzeichnen. 43 Prozent der jungen Bankkunden investieren ihr Geld in Fonds.

Sparbuch

Das gute alte Sparbuch. Selbst in Zeiten niedriger Inflation eigentlich eine Geldentwertungsmaschine. Dennoch halten rund 43 Prozent der Befragten ihr Geld in Sparbüchern.

Bausparvertrag

In diese konservative Anlageform sind immerhin 44 Prozent investiert.

Riester- und Rürupprodukte

Zur Vorsorge neigen 48 Prozent der jungen Menschen ihr Geld in Riester- und Rürupprodukte. Über den Nutzen dieser Anlageformen streiten sich die Ökonomen. Viele kritisieren die hohen Kosten und zugleich dürftigen Renditen für derartige Produkte.

Aktien

Auf Platz zwei schaffen es die Aktien. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl um gut 20 Prozent auf 49 Prozent. Die Daten zeigen, dass die Teilnehmer der Befragung versuchen an der positiven Kapitalmarktentwicklung zu partizipieren.

Tagesgeld

Was für die Sparbücher gilt, gilt auch für das Tagesgeld. Derzeit bieten die Banken kaum noch mehr als 1,5 Prozent Rendite an. Bei einer durchschnittlichen Inflation von 1,6 Prozent verliert das Geld also real an Wert. Dennoch halten die jungen Befragten an diese Anlageform fest. Mit großem Abstand (77 Prozent) ist das Tagesgeld die beliebteste Geldanlage.

Bei Marktschwankungen zeigte sich der Unterschied der Generationen. Während die nervösen Eltern in der Hausse mehr Aktien forderten und in der Baisse verkaufen wollten blieb der Sohn cool. Er behielt den roten Faden seiner Strategie und justierte lediglich einzelne Assets je nach Marktlage nach. „Dank des Sohnes ist es uns gelungen, dass das Vermögen unter geringen Schwankungen gewachsen ist und somit nun ein wichtiger Bestandteil der Altersvorsorge der Familie ist“, erklärt der Verwalter der Familie.

Jung, gut ausgebildet und selbstbewusst gibt sich die neue Generation der Geldanleger. Banker schildern, wie sie die jungen Vermögenden erleben: Demnach kommen sie oftmals von den besten Unis, verdienen oft schon in jungen Jahren so viel wie ihre Eltern und lassen sich von ihren Finanzberatern und Ratgebern aus der Familie oder dem Freundeskreis längst nicht mehr für dumm verkaufen. Bei den Kosten treiben sie ihre Berater gerne vor sich her und bei der Rendite lassen sie nichts anbrennen.

Wie selbstbewusst der Anlegernachwuchs agiert, zeigt eine Umfrage des Deutschen Institut für Portfolio-Strategien der FOM Hochschule unter mehr als 300 Nachwuchsanlegern mit guter beruflicher Perspektive. Knapp neun von zehn der im Schnitt 26 Jahre alten meist studierten Teilnehmer attestierten sich selbst ein gutes Finanzverständnis. Mit einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von rund 1800 Euro liegen sie bereits in jungen Jahren über dem Durchschnitt der Deutschen. Ein Viertel der Befragten spart in jungen Jahren bereits mehr als 500 Euro jeden Monat – zusätzlich zur privaten Altersvorsorge.

Kommentare (14)

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bjarki

17.09.2013, 15:54 Uhr

Sorry aber die Juppies haben uns schon seit den 70ern nichts als IT- Blasen, Lehmans und dergleichen gebracht. Das Zeitgeistproblem sind die im Artikel beschriebenen. Mit einem Bwl Studium in der Tasche gehen sie raus und runinieren die Wirtschaft. Tolle Zukunft, wenn man dann, wie bereits passiert, die Alten aus der Gruft heben muss.

Account gelöscht!

17.09.2013, 16:08 Uhr

Zunächst hieß es: die "Jungen" sind zu dumm, um die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Wenn sie es dann machen, paßt es auch wieder nicht! Heute muß man kein exzellentes BWL Studium absolviert haben, um per Internet, etc. auf dem laufenden bleiben zu können.

zu BJARKI:
die Juppies, die Sie ansprechen, agieren GESCHÄFTSMÄSSIG in den Banken; sie treten NICHT als Nachfrager wie im Artikel auf! Das ist etwas komplett anderes!

Gier

17.09.2013, 16:23 Uhr

Ein toller Artikel jung und viel Geld. Wieviele gibts denn
davon? Geiz ist geil ist doch bei jedem das Motto. Diesen Arktikel hätte sie sich auch spren können.

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