Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.01.2016

09:44 Uhr

Geldanlage

„Junge Anleger sind anspruchsvoller“

VonJens Hagen

Junge Anleger profitieren von guter Ausbildung und üppigen Erbschaften. Bei ihrer Vermögensplanung sind jung Vermögende anspruchsvoll. Ein Vermögensverwalter erklärt, was dem Nachwuchs bei der Geldanlage wichtig ist.

Junge Anleger stehen auf Tagesgeld.

Junge Anleger stehen auf Tagesgeld.

Herr Baums, ist die neue Generation der Geldanleger anspruchsvoller als die vorherige?
Ja, die junge Generation ist unserer Einschätzung nach anspruchsvoller als frühere Generationen. Dazu tragen zum einen die Finanz- und Euroschuldenkrise der vergangenen Jahre mit den bekannt gewordenen Exzessen in der Finanzindustrie, zum anderen aber auch die dadurch losgetretene stärkere Regulierung und Kostendiskussion zu Themen rund um die Vermögensanlage bei.

Geschäftsführer von BHF Trust.

Wolfgang Baums

Geschäftsführer von BHF Trust.

Sind die Jungen besser informiert?
Der schnelle technologische Wandel und insbesondere das Internet wirken sich aus: Anleger sind heute immer besser informiert und damit anspruchsvoller. Vermögende junge Anleger erwarten umfassende, transparente Dienstleistungen im Bereich Vermögensstrukturierung und -verwaltung. Und sie suchen Beratungskompetenz mit einer internationalen Perspektive.

Sind gut ausgebildete Anleger besser als Anleger ohne Finanz-Bildungshorizont?
Es ist davon auszugehen, dass Anleger mit einer Ausbildung im Finanzbereich gängige Fehler in der Vermögensanlage eher zu vermeiden wissen und auch im Vorfeld der Vermögensanlage eher die richtigen Fragen stellen und wesentliche Fallstricke vermeiden können. Ob sich dies langfristig in einer nach Kosten und unter Berücksichtigung der eingegangenen Risiken besseren Rendite für den durchschnittlichen Anleger bezahlt macht, müssen empirische Studien belegen.

Welche Finanzprodukte Yuppies lieben

Edelmetalle

16 Prozent der Privatanleger investierten in diesem Jahr ihr Geld in Edelmetalle. Im Jahr 2014 lag der Anteil bei 19 Prozent. Quelle: FOM Hochschule, Rechtsanwälte Baum, Reiter & Collegen.

Immobilien

Immobilien standen bei 22 Prozent der Befragten in diesem Jahr auf dem Kaufzettel. Im Vorjahr lag der Anteil bei 20 Prozent.

ETF

21 Prozent der privaten Anleger investieren ihr Geld im Jahr 2014 in Exchange Traded Funds.

Termin- , Festgeld , Sparbrief

Im Jahr 2014 investierten 20 Prozent der Privatinvestoren in mindestens eine der drei Anlageformen. Der Anteil sinkt kontinuierlich im Jahr 2013 waren es noch 25 Prozent.

Kapitallebensversicherung

Für 24 Prozent der Privatanlegern stellten Kapitallebensversicherungen in diesem Jahr eine attraktive Anlagemöglichkeit dar.

Riester- und Rürup-Renten

Riester- und Rürupprodukte haben in der Gunst der Anleger deutlich verloren. 36 Prozent der Befragten investierten in die staatlich geförderten Sparscheine. 2013 waren es noch 48 Prozent gewesen.

Sparbuch

Das Sparbuch gehört für 35 Prozent der privaten Anlegern auch in diesem Jahr in ein ausgewogenes Depot. Im Jahr 2013 betrug der Wert noch 43 Prozent.

Fonds

41 Prozent der Umfrageteilnehmer investierten ihr Geld in Fonds.

Bausparvertrag

Fast die Hälfte (48 Prozent) der Privatinvestoren bevorzugten haben einen Bausparvertrag.

Aktien

Im Jahr 2014 gehörten Aktien für 47 Prozent der Privatanleger zu den favorisierten Anlageprodukten.

Tagesgeld

Das Tagesgeld ist nach wie vor das Finanzprodukt Nummer Eins in Deutschland. 77 Prozent der Nachwuchs-Anleger legten ihr zu niedrigen Zinsen flexibel an.

Wie wichtig sind die Kosten für diese Zielgruppe?
Wie bereits eingangs beschrieben ist das Kostenbewusstsein in den vergangenen Jahren noch einmal gestiegen. Die Kosten sind für die Wahl eines Verwalters, oder die Selektion eines Fonds sehr wichtig geworden.

Wie sieht die Renditeneigung aus?
Die junge Generation ist von den sehr positiven Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit, in der wir eine Hausse an den Renten- und Aktienmärkten erlebt haben, etwas „verwöhnt“. Die Performance lässt sich jedoch keinesfalls in die Zukunft fortschreiben. Tendenziell ist aber auch hier weiterhin zu beobachten, dass Anleger mit einem längeren Anlagehorizont und einer höheren Risikotoleranz eine entsprechend höhere Renditeerwartung haben - und bei temporär schlechten Ergebnissen schnell unruhig werden.

Wie lassen Sie sich in finanziellen Angelegenheiten beraten?

Banker, nein danke

Die Studie zeigt, wie junge High Potentials ihr Geld anlegen. Die Ergebnisse dürften klassische Hausbanker beunruhigen. Immerhin 62 Prozent der Umfrageteilnehmer treffen ihre Anlageentscheidungen ohne jede Beratung. Quelle: FOM Hochschule, Rechtsanwälte Baum, Reiter & Collegen.

Banker des Vertrauens

Nur 22 Prozent wenden sich in finanziellen Angelegenheiten an die Hausbank.

Hausbank

Immerhin acht Prozent vertrauen Freunden oder Verwandten in Geldfragen.

Ohne Provision

Sieben Prozent der Befragten nutzen die Dienste eines unabhängigen Finanzberaters.

Wie viel verstehen die jungen Vermögenden von der Geldanlage?
Dies lässt sich schwer verallgemeinern. Die zunehmende Transparenz in der Vermögensanlage, das Internet und der Boom an den Renten- und Aktienmärkten haben in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass breite Bevölkerungsschichten etwas besser informiert sind als früher. Auf der anderen Seite ist auch ein klarer Trend dahin zu sehen, dass sich gerade junge Vermögende um die Themen Altersvorsorge und Vermögensaufbau eher weniger selbst Gedanken machen möchten und sich diesbezüglich lieber den Rat eines professionellen Anbieters einholen.

Bemerken Sie einen Verdruss gegenüber klassischer, provisionsorientierter Beratung in den Filialbanken?
Aus unserer Erfahrung hat auch die jüngere Generation einen hohen Anspruch daran, ganzheitlich und nachhaltig zu ihrer Vermögenssituation beraten zu werden. Das können auf Vermögensverwaltung spezialisierte Häuser aus langjähriger Erfahrung sicherlich besser als andere.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×