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18.04.2012

00:00 Uhr

Geldanlage

Profis bringen ihr Geld in Sicherheit

Die jüngsten Kursverluste lassen Profianleger aufhorchen. Führende Vermögensverwalter setzten wieder auf Sicherheit. Welche Aktien Anleger loswerden sollten - und wo es jetzt noch Chancen gibt.

Börsianer in Frankfurt: Der Blick geht nach vorn, trotz des aktuellen Abwärtstrends. dpa

Börsianer in Frankfurt: Der Blick geht nach vorn, trotz des aktuellen Abwärtstrends.

Frankfurt

Die große Party scheint erst mal vorbei zu sein: Die Euphorie, die am Jahresanfang noch die Märkte angetrieben hatte, ist inzwischen einer gewissen Ernüchterung gewichen. An den Börsen geht es inzwischen nicht mehr nur nach oben, die Aussichten für die Konjunktur sind vielleicht doch nicht so rosig und die Euro-Krise schwelt immer noch. Seit Jahresbeginn hat der Dax rund 15 Prozent zugelegt, die Luft wird dünner. Viele Analysten trauen dem Markt nach der Rally keine allzu großen Sprünge mehr zu und äußern sich vorsichtiger. Sie setzen verstärkt auf Aktien, die zwar keine exorbitanten Renditen versprechen, dafür den Anlegern aber einen ruhigeren Schlaf bescheren sollen.

„Wir befinden uns schon in einem fortgeschrittenen Konjunkturzyklus, ein Ende des Abschwungs könnte eingeleitet werden. Daher sollte man jetzt eher auf defensive Aktien setzen“, rät Jörg Rahn vom Vermögensverwalter Marcard, Stein & Co. Vor allem einige Konjunkturindikatoren hätten zuletzt bei den Anlegern die Alarmglocken schellen lassen. Er empfiehlt dabei Pharmawerte, aber auch Aktien aus dem Konsumgüterbereich. Der Experte warnt allerdings vor allzu großem Pessimismus: „Es spricht nicht viel für einen Abschwung, eher für eine Delle.“

Darauf müssen Anleger achten

Wie hoch sind die Erträge?

In den Anzeigen für Rohstoffinvestments mit Megarendite werden häufig die Renditeprognosen des Best Case-Szenarios genannt oder die Spitzenwerte einzelner Jahre.

Wann werden die Erträge gezahlt?

Hinter der angeblichen jährlichen Rendite verbirgt sich oft die IRR (Internal Rate of Return). Dabei handelt es sich aber nur um eine theoretische mittlere jährliche Rendite. Diese Angabe bedeutet nicht, dass der Anleger tatsächlich jedes Jahr eine Auszahlung bekommt.

Wie lange läuft die Beteiligung?

Investments in Holz laufen häufig zwanzig Jahre. Aber auch bei Genussscheinen sind Laufzeiten von mindestens fünf Jahren üblich. Eine frühzeitige Kündigung ist häufig nicht möglich oder mit finanziellen Einbußen verbunden.

Welche Erfahrungen haben die Initiatoren?

Ein Anhaltspunkt um die Seriosität eines Anbieters zu beurteilen, sind die bereits umgesetzten Projekte.

Wie qualifiziert ist die Geschäftsführung?

Wenn die Geschäftsführer in der Vergangenheit in Branchen tätig waren, die nichts mit dem beworbenen Projekt gemein haben, ist besondere Skepsis angebracht. Seriöse Unternehmen sollten die Vita ihrer Führungskräfte veröffentlichen.

Wie entwickelt sich die Branche?

Trotz Energiewende gibt es keinen durchgängigen Aufwärtstrend bei Erneuerbaren und ökologischen Energien. Vor einem Investment sollten sich Anleger genau über die entsprechende Branche informieren.

Diese Meinung herrscht auch auf der anderen Seite des Atlantiks vor. „Die Aktienmärkte werden ihren Höhenflug nach einer schwächeren Phase fortsetzen“, sagt Bob Doll, Chefstratege beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Hier könne es durchaus Gelegenheiten geben. Es ist somit die Zeit angebrochen, die sich viele nach dem immensen Kursfeuerwerk zu Jahresbeginn gewünscht haben. Eine Konsolidierung, die keine übergroßen Sorgen bereitet, sondern mehr Chancen als Risiken birgt.

Nach Einschätzung der Analysten der Schweizer Großbank UBS ist der Wechsel raus aus dem Risiko und rein in die Sicherheit schon in vollem Gange: Die Zuflüsse im Ernährungssektor seien zuletzt die höchsten seit 15 Monaten gewesen. Gefragt seien auch Pharma- und Telekomwerte. „Die Anleger sind zurück in 'Sicherheit' geflohen, und das so schnell wie seit September vorigen Jahres nicht mehr“, schreiben die Experten. Abgestoßen wurden vor allem Versicherungsaktien. Ihnen sei zum Verhängnis geworden, dass die Anleger sich wieder mehr Sorgen wegen der Euro-Schuldenkrise machten.

Das zeigt auch eine monatliche Umfrage unter institutionellen Investoren der Bank of America Merrill Lynch (BofA). Anfang April wurden 256 Fondsmanager mit verwaltetem Vermögen von 706 Milliarden US-Dollar befragt. Unter ihnen hat sich eine abwartende Haltung wegen der zunehmenden Sorge um die Verschuldungslage südeuropäischer Staaten, allen voran Spanien, durchgesetzt. Die Vermögensverwalter haben ihre Liquiditätsquote im April um rund ein Zehntel auf knapp fünf Prozent erhöht, Aktien und Rohstoffe verkauft und warten auf neue Anlagechancen.

Kommentare (3)

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BaehringBoeSERVerleger

19.04.2012, 17:56 Uhr

Alles Betrüger in einem ruinösn Preiskmapf weil selber von der Technik keine Ahnung! So läuft zum Beispiel auch der Kostenairbag nicht mehr. +++Beitrag von der Redaktion editiert+++

http://www.myup.ir/images/93616927993856496515.jpg

Lengsfeld

20.04.2012, 09:36 Uhr

Ich ärgere mich immer, wenn die Überschrift eines Artikels von dessen Quintessenz abweicht. Da werden Sorgen generiert und wird die Flucht ins Cash propagiert, doch dann wird auf einmal nur von einer Delle, gesprochen, die man nutzen solle, gehe es doch generell weiter aufwärts. - Wen will denn der Autor ansprechen ? Sind wir denn alle day-trader ? Eine mittel- und erst recht langfristig eher positive Sicht sollte nicht mit düsterer Scenerie als Leseanreiz überschrieben werden. MiGe

Account gelöscht!

20.04.2012, 10:26 Uhr

„Wir befinden uns schon in einem fortgeschrittenen Konjunkturzyklus, ein Ende des Abschwungs könnte eingeleitet werden. Daher sollte man jetzt eher auf defensive Aktien setzen“

Was denn nun? Ende des Abschwungs oder Ende des Aufschwungs????

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