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02.12.2016

18:00 Uhr

Geldanlage und die Politik

Nicht von Italien verrückt machen lassen

VonJessica Schwarzer

Die Börsen im Höhenflug – weder ein US-Präsident Trump noch der Brexit können die Rally bremsen. Und das Italien-Referendum? Abwarten. Experten warnen. Die Börse reagiert auf Ereignisse, die noch nicht eingetreten sind.

Bankexperte analysiert

Italiens Referendum „ist eine große Gefahr für Europa, Europa bricht auseinander“

Bankexperte analysiert: Italiens Referendum „ist eine große Gefahr für Europa, Europa bricht auseinander“

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DüsseldorfBörse verrückt: Die Amerikaner wählen den Populisten Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten und die Wall Street markiert neue Höchststände. Dabei hatten doch so gut wie alle Investoren für diesen Fall mit massiven Einbrüchen an den Märkten gerechnet. Doch es kam anders. Aber ist das auch nachhaltig?

Und was ist mit der Brexit-Abstimmung? Das „Ja“ der Briten zum Ausstieg aus der Europäischen Union (EU) hatten die Märkte nicht erwartet und waren in den Tagen nach der Abstimmung kräftig eingebrochen. Schließlich ist die EU in Gefahr, oder nicht? Doch kaum war der erste Schock verdaut, ging die seit Jahren andauernde Rally an den Jahren munter weiter, die Verluste waren schnell wettgemacht. Nun droht das Verfassungsreferendum in Italien. Die Nervosität ist groß, wieder steht – wenn auch indirekt – die Zukunft der EU auf dem Spiel. Oder nicht?

Tops und Flops vor dem Referendum: Mit italienischen Luxusaktien überwintern

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Unter den Top-30-Aktien in Italien verlieren vor allem Bankaktien deutlich. Doch fünf Titel legen zu: Dazu zählen spezialisierte Industriekonzerne – und Luxusmarken. Ein Blick auf den Markt vor dem Verfassungsreferendum.

Die Börsen jedenfalls scheinen unlogisch zu reagieren. Weder Brexit noch Trump-Wahl konnten Investoren nachhaltig schockieren. Aber vielleicht ist das auch zu kurz gedacht. Der legendäre Benjamin Graham sagte einst: „Kurzfristig ist die Börse ein Abstimmungs-Mechanismus, langfristig ist sie ein Wäge-Mechanismus.“

Der Börsenweisheit des einstigen Professors und Lehrmeisters keines geringeren als Warren Buffett können Anlageprofis einiges abgewinnen. „Sie besagt, dass die Börse kurzfristig von der Psychologie getrieben wird, langfristig aber von den Fundamentaldaten“, erklärt Max Otte, Fondsmanager, Bestsellerautor und Börsenprofessor. „Das ist für mich die wichtigste Weisheit überhaupt.“

So sieht es auch Volker Engelbert. „Ohne Zweifel glauben wir fest daran, dass die fundamentalen Kennzahlen langfristig die Rendite der Unternehmen und damit auch die des Marktes bestimmen“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter und Chief Investment Officer bei Lingohr & Partner. „Kurzfristig spiegelt der Markt jedoch lediglich die Gefühlslage der Investoren wider – eine Abstimmung über die momentanen Hoffnungen, Ängste und Sorgen der Investoren, daher lohnt es sich auch nicht den kurzfristigen Marktschwankungen eine Ratio entnehmen zu wollen oder diese interpretieren zu wollen.“

Wie die Welt im Jahr 2015 ihr Geld anlegt

Nordamerika

Anlageklassen in Prozent des Brutto-Geldvermögens

Bankeinlagen: 14 Prozent

Wertpapiere: 51 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 32 Prozent

Sonstige Forderungen: 3 Prozent

Quellen: Allianz Wealth Report (Nationale Zentralbanken und Statistikämter, Allianz SE)

Westeuropa

Bankeinlagen: 30 Prozent

Wertpapiere: 27 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 40 Prozent

Sonstige Forderungen: 3 Prozent

Osteuropa

Bankeinlagen: 54 Prozent

Wertpapiere: 28 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 10 Prozent

Sonstige Forderungen: 8 Prozent

Asien

Bankeinlagen: 44 Prozent

Wertpapiere: 41 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 13 Prozent

Sonstige Forderungen: 2 Prozent

Hinweis: Japan ist in dieser Kategorie nicht gelistet

Japan

Bankeinlagen: 53 Prozent

Wertpapiere:18 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 28 Prozent

Sonstige Forderungen: 1 Prozent

Ozeanien

Bankeinlagen: 23 Prozent

Wertpapiere: 24 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 52 Prozent

Sonstige Forderungen: 1 Prozent

Lateinamerika

Bankeinlagen: 23 Prozent

Wertpapiere: 41 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 33 Prozent

Sonstige Forderungen: 3 Prozent

Auch Hendrik Leber ist davon überzeugt, dass Benjamin Graham recht hat. Kurzfristig reagiert die Börse auf Stimmungen, doch langfristig muss die Börse die ökonomische Realität widerspiegeln, und die ist zäher und langwieriger als die momentane Stimmung, glaubt der Acatis-Fondsmanager. „Aktuell reagiert die Börse auf Brexit und Trump, obwohl beide Ereignisse, also UK-Austritt und Trumps Amtsantritt noch gar nicht eingetreten sind“, sagt er. „Die wirklichen Kosten von Brexit und Trump sind noch gar nicht sichtbar, doch die Börse reagiert euphorisch.“ Und genau das könnte ein Fehler sein.

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