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25.09.2011

11:05 Uhr

Geldanlage

Was jeder Anleger im Depot haben sollte

VonMichael Brächer

Eine breite Streuung des Vermögens hat sich nicht nur in Krisenzeiten als gute Strategie bewährt. Ein Portfolio sollte sich aus fünf Teilen zusammensetzen - dabei sind Aktien auch in Krisenzeiten kein Tabu.

Kundenberater empfehlen eine breite Streuung des Vermögens - auch Aktien gehören dazu. dpa-tmn

Kundenberater empfehlen eine breite Streuung des Vermögens - auch Aktien gehören dazu.

FrankfurtHardy Rössner staunte nicht schlecht, als ihm eine seiner Stammkundinnen verkündete, dass sie ihr ganzes Geld an die Börse bringen will. Schließlich hatte die 82-Jährige ihr Vermögen, das auf 100.000 Euro gewachsen war, stets verantwortungsvoll verwalten lassen. Und nun stand sie mitten in der Finanzkrise vor seinem Schreibtisch und wollte alles in Aktien investieren.

Der Abteilungsleiter für das Privatgeschäft der Frankfurter Sparkasse hatte seine liebe Mühe, der Dame zu erklären, dass sie sich für die falsche Anlagestrategie entschieden hatte. Dabei ist das kein Einzelfall. Viele Deutsche wissen nicht, wie sie in Krisenzeiten investieren sollen. Zwar legen sie etwa elf Prozent ihres Einkommens beiseite. Doch häufig vernachlässigen sie eine einfache Grundregel. „Die Streuung der Investition ist entscheidend“, sagt Chris-Oliver Schickentanz, Anlageexperte der Commerzbank. „Anleger sollten ihr Portfolio aus fünf Teilen zusammensetzen: Rohstoffe, Immobilien, Aktien, Anleihen und Liquidität.“

Als sicher gilt den Deutschen vor allem eines: Gold. Viele Anleger lassen sich dabei vom mittlerweile rasant gestiegenen Preis nicht abschrecken und steigen ein. „Edelmetalle dürfen auf keinen Fall fehlen“, sagt Schickentanz. „Aber es sollte nicht nur Gold sein.“ Platin und Silber gehörten ebenfalls ins Depot. Das Problem: Zinsen gibt es dafür nicht.

Besser sind in dieser Hinsicht Immobilien in guten Lagen. Sie werfen auch in Krisenzeiten stabile Mieteinnahmen ab und gehören in jedes größere Portfolio, sagt Schickentanz. Dabei hängt es von den Bedürfnissen des Anlegers ab, ob offene oder geschlossene Fonds, eine Beteiligung oder eine komplette Immobilie die richtige Wahl ist.

Trotz der Unruhe an den Börsen sind auch Aktien kein Tabu. Das gesamte Vermögen darin zu investieren, sei jedoch die falsche Strategie. Konservativen Anlegern empfiehlt Schickentanz derzeit einen Aktienanteil im einstelligen Prozentbereich. „Man sollte erst wieder verstärkt in Aktien investieren, wenn sich der Index stabilisiert hat.“

Wer trotzdem zu Aktien greifen möchte, sollte genauer hinschauen. Ulrich Stephan, Global Chief Investment Officer der Deutschen Bank, rät zur Vorsicht bei zyklischen Werten. „Alles, was mit Konjunktur zu tun hat, kann gefährlich volatil werden.“ Sicherer als Automobil- oder Industriewerte seien Aktien aus der Pharma-, Energie- und Telekommunikationsbranche. „Entscheidend ist jedoch auch der Blick auf die nachhaltige Dividende. Sie kann mehr Rendite bringen als manche Staatsanleihe“, sagt Stephan.

Bei den derzeitig niedrigen Zinssätzen für sichere Anlagen ist das kein Kunststück. Bundesanleihen erfreuen sich anhaltender Beliebtheit, weil sie als krisensicher gelten. „Doch auch sie sind nicht völlig frei von Risiken“, sagt Stephan. „Die Inflation ist relativ hoch, die Zinsen gering.“ Auch Chris-Oliver Schickentanz warnt vor Staatsanleihen: „Die geringe Rendite wird von der Inflation aufgefressen und man erleidet einen realen Vermögensverlust.“

Der letzte Baustein im krisensicheren Portfolio ist die Liquidität: Wer flexible Reserven behält, kann auf plötzliche Entwicklungen am Kapitalmarkt reagieren – und bekommt zudem höhere Zinsen als bei mancher Anleihe. „Derzeit schlagen die kurzfristigen Tagesgeldkonten die Renditen der langfristigen Anlagen“, sagt Hardy Rössner von der Frankfurter Sparkasse.

Die Dame mit der plötzlichen Begeisterung für Aktien konnte der Anlageexperte in letzter Sekunde von ihren Plänen abbringen – kurz darauf rauschte der Dax in die Tiefe. Die Idee mit den Aktien hatte die Tochter. „Wenn sie das getan hätte, hätte sie einen Verlust von 30.000 Euro gemacht“, sagt Rössner. Das Beispiel zeigt: Egal, für welche Anlagestrategie man sich entscheidet – ein Gespräch mit dem Kundenberater kann nie schaden.

Kommentare (11)

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fenfir

25.09.2011, 12:55 Uhr

Wenn man für 100.000 € Aktien kauft,
und dann nach einem weiteren Kurseinbruch
nur 300€ ins Minus geht von kann man dann
von einem Verlust reden?

Mal sehen wie das in 2-3 Jahren aus sieht,
ob dann ihr wunsch voll in Aktien zu gehen
nicht richtig gewesen währe.

Wie ist den der Vergleich, wenn sie in die 10 Dax
werte mit der Höchsten Dividenden Rendite Investiert
hätte? Dividende gegen Zinsen?

Wenn man in Aktien Investiert,
dann sollte man das für Jahrzehnte planen.

Man kauft nie zum Tiefstkurs.

Wenn Buffett kauft, dann gehen die Kurse von dem Wert
erst rauf und dann meistens noch mal runter.
Aber über die Jahre die er hält macht er große Gewinne.

Ich denke mal hier ist auch das Interesse der Bank entscheident.

Wenn jemand sein Geld über Jahrzehnte in den selben
Aktien läst verdient die Bank nichts.

Wie sieht die Rechnung den aus wenn jemand
über Jahrzehnte nur an der Dividende Interessiert ist.
Als Anleger kann man das tun, nicht jeder ist Spekulant.






Gast44

25.09.2011, 14:11 Uhr

Kundenberater der Bank verkaufen in erster Linie die Produkte, die der Bank den meisten Profit bringen und dem Kunden gerade noch so das Gefühl geben er wäre gut beraten worden.

Und wenn man Aktien kauft dann sollte man die Kurse täglich beobachten und notfalls reagieren.
Die alte Regel "kaufen und vergessen" wirkt nicht mehr.
Wer nicht die Zeit hat mindestens einmal die Woche seine Aktienkurse zu überprüfen sollte die Finger davon lassen.

Ausserdem sind langfristige Aktieninvestments häufig erfolglos weil nämlich Finanz Parasiten (High Frequenc Trading, Scalping, Front Running) am Werke sind, die die Wertschöpfung durch die AGs absaugen.

rvitus

25.09.2011, 14:39 Uhr

"Dividendenrendite", was für eine Volksverdummung!

Was passiert mit dem Aktienkurs am Tag der Dividendenausschüttung? Er fällt um den Betrag der Dividende. Also hat man (abgesehen von Aktienkursschwankungen) am Tag nach der Ausschüttung genausoviel im Depot bzw. auf dem Konto wie am Tag vor der Ausschüttung. Dies entspricht einer Gesamtrendite von? Richtig: Genau "null". Dass dividendenstarke Unternehmen i.d.R. eine bessere Langzeit-Performance aufweisen hat andere Gründe als die der hohen Dividenden Ausschüttung.

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