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15.07.2013

06:51 Uhr

Geldentwertung

Das Märchen von der Inflationsangst

VonJessica Schwarzer

ExklusivDas Vertrauen in den geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank ist intakt, die Furcht vor der Geldentwertung nimmt ab. Das zeigt eine exklusive Umfrage. Warum es die viel zitierte Inflationsangst nicht mehr gibt.

Die Deutschen haben  davor, dass ihr mühsam Verdiente und Ersparte an Wert verliert. Doch wie Rotkäppchen ist die Geschichte von der Angst nur ein Märchen. Getty Images

Die Deutschen haben davor, dass ihr mühsam Verdiente und Ersparte an Wert verliert. Doch wie Rotkäppchen ist die Geschichte von der Angst nur ein Märchen.

DüsseldorfEs war einmal ein Volk, das hatte Angst. Angst davor, dass das mühsam Verdiente und Ersparte an Wert verliert, Angst vor Inflation. Es war ein bisschen wie bei Rotkäppchen und dem bösen Wolf. Die Gefahr lauerte überall: Während die Löhne kaum stiegen und die Anlagezinsen auf Rekordtiefs verharrten, wurde gefühlt alles, wirklich alles teurer. Aber eben nur gefühlt. Der böse Wolf entpuppte sich nämlich als Schaf.

Die Inflation lag im Juni gerade mal bei 1,8 Prozent – vor allem Energie und Nahrungsmittel machten das Leben teuer. Das ist zwar der höchste Stand seit Dezember 2012, aber historisch betrachtet ein sehr niedriger Wert. Zum Vergleich: In der ersten Hälfte der 1980er-Jahre lag die durchschnittliche Inflationsrate in den Industriestaaten bei neun Prozent. Rund 20 Jahre später war sie auf zwei Prozent gesunken und stieg auch nicht mehr nennenswert an.

Trotzdem hieß und heißt es immer wieder, die Deutschen hätten Angst vor Inflation. Doch die Furcht der Bundesbürger ist lange nicht so groß, wie gemeinhin angenommen: Nur 36 Prozent der Privatanleger erwarten für die kommenden zwei Jahre eine deutlich höhere Inflation als heute. Das hat eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa unter Privatanleger mit mindestens 50.000 Euro Geldvermögen für Handelsblatt Online ergeben. 61 Prozent der befragten Investoren gehen davon aus, dass die Inflationsrate in etwa so bleibt wie heute.

Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

Für Bert Rürup ist das Ergebnis nicht überraschend. „Die Inflationsangst der Deutschen ist zu einem Mythos geworden, der durch die ständige Wiederholung nicht wahrer wird“ sagt der ehemalige Wirtschaftsweise und heutige Präsident des Handelsblatt Research Instituts. „Wahrscheinlich hatten die Deutschen vor 30 oder 40 Jahren tatsächlich mehr Angst vor einer Inflation als andere Nationen.“ Von den heute in Deutschland Lebenden habe aber kaum noch jemand die Hyperinflation des Jahres 1923 erlebt, die die Sozialstruktur in unserem Land zertrümmerte und die immer wieder als Begründung für die ausgeprägte Furcht der Deutschen vor einer Inflation herhalten muss. „Und selbst die Währungsreform von 1948 nehmen immer weniger Deutsche noch bewusst wahr“, sagt Rürup. „Zudem dürften die Befragten wissen, dass diese beiden Geldentwertungen die Folge verlorener Kriege waren.“

Als Augenöffner bezeichnet Ökonom und Crashprophet Max Otte das Ergebnis der Umfrage. „Auf der einen Seite ist die Unsicherheit auf den Märkten sehr hoch. Auf der anderen Seite sind aber die Renditen von Anleihen sehr niedrig – es gibt also eine große Nachfrage nach diesen Papieren zu sehr niedrigen Zinssätzen“, sagt er. „Das heißt auch, dass viele Anleger eben nicht mit einer Inflation rechnen. Die Umfrage ist also letztlich eine Bestätigung dieser Tatsache.“

Kommentare (107)

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BesorgterFamilienvater

15.07.2013, 07:00 Uhr

Den Artikel hab ich "Satire" abgelegt.
Stichwort: Nebelkerzen + Volksverdummung

Peter

15.07.2013, 07:14 Uhr

Im Dezember 2011 hat ein Inlay rechts unten beim meinem Zahnarzt 800Euro gekostet. Im Februar 2012 kostete das gleiche Inlay links unten beim gleichen Zahnarzt 1200Euro.
Aber halt:
Diese Art von "Kostenanpassung" findet sich vermutlich nicht in dem Warenkorb, mit dem die Inflation gemessen wird....

pinoccio

15.07.2013, 07:35 Uhr

Mein Lieblingsmärchen: "Unter 2% Inflation in Deutschland". Von den Bestsellerautoren des Statististischen Bundesamtes.

Aktuell leider vergriffen. Nächsten Monat kommt die nächste Auflagen mit neuen märchenhaften Zahlen.

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