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02.09.2016

14:34 Uhr

Geldpolitik

Banken parken über eine Billion Euro bei der EZB

Die Banken im Euro-Raum lagern trotz Strafzinsen immer mehr Geld bei der Europäischen Zentralbank. Erstmals haben die Guthaben bei der EZB eine Billion Euro überschritten. Grund sind die Anleihekäufe der Notenbank.

Die nach Westen gerichtete Fassade der Zentrale der Europäischen Zentralbank: Die Banken lagern immer mehr Geld bei der Notenbank. dpa

EZB im letzten Tageslicht

Die nach Westen gerichtete Fassade der Zentrale der Europäischen Zentralbank: Die Banken lagern immer mehr Geld bei der Notenbank.

FrankfurtDie Guthaben der Banken im Euroraum bei der Europäischen Zentralbank haben erstmals die Marke von einer Billion Euro überschritten. Wie aus Zahlen der EZB vom Freitag hervorgeht, lagen die sogenannten Überschussreserven, die die Geldhäuser bei der Notenbank unterhalten, bei rund 1022 Milliarden Euro. Das ist ein Rekordniveau.

Der Betrag ist ein Spiegelbild der gewaltigen Wertpapierkäufe der Notenbank, mit denen sie die Konjunktur und letztlich die schwache Inflation anschieben will. Durch die Käufe von Staatsanleihen pumpt die Notenbank Geld in die Wirtschaft. Banken halten besonders viele Staatsanleihen, weil sie diese als Sicherheiten für Refinanzierungsgeschäfte bei der Notenbank hinterlegen können. Deshalb gehören sie auch zu den größten Verkäufern von Anleihen. Dadurch wird Kapital freigesetzt und die umlaufende Geldmenge steigt. Das durch die Anleihekäufe in die Wirtschaft gepumpte Geld muss jedoch irgendwo hin - und erhöht deshalb letztlich die Überschussreserven.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Die Überschussreserven geben das Guthaben der Banken bei der EZB an, das über die sogenannte Mindestreserve hinausgeht, mit der die Notenbank das Zinsniveau und die Kreditvergabe der Banken grob steuern kann. Normalerweise ist der Überschuss über die Pflichtreserve hinaus sehr gering.

Aufgrund der massiven Wertpapierkäufe der EZB sind die Guthaben der Banken aber angeschwollen. Die Notenbank will die Banken mit ihrer Geldflut dazu bringen, mehr Kredite zu vergeben. Einerseits pumpt sie durch ihre Anleihekäufe Geld in die Wirtschaft.

Die EZB hatte ihre Wertpapierkäufe, auch quantitative Lockerung genannt, im März 2015 gestartet. Seither hat sie Wertpapiere von öffentlichen Schuldnern wie Staaten im Wert von 990 Milliarden Euro gekauft. Darüber hinaus erwirbt sie weitere Vermögenswerte wie Unternehmensanleihen, besicherte Bankanleihen und Kreditverbriefungen.

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