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18.01.2016

10:17 Uhr

Geldpolitik

Billiges Öl bringt Draghi in Bedrängnis

EZB-Chef Mario Draghi muss seinen Einsatz möglicherweise erhöhen, um seinem Inflationsziel näher zu kommen. Grund dafür ist der immer weiter fallende Ölpreis.

Mario Draghi kämpft mit dem fallenden Ölpreis. ap

Braucht Inflation

Mario Draghi kämpft mit dem fallenden Ölpreis.

FrankfurtÜber 60 Prozent der von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Volkswirte rechnen damit, dass der Präsident der Europäischen Zentralbank in diesem Jahr weitere Maßnahmen zur Stimulierung der Konjunktur ankündigen wird. Im Dezember waren nur 40 Prozent dieser Meinung. Doch seither ist der Ölpreis weiter abgesackt, was eine Eintrübung des Ausblicks für die Inflation im Euroraum zur Folge hatte. Rund 57 Prozent derer, die mit einer Ausweitung der lockeren Geldpolitik rechnen, vermuten, dass er die Ankäufe von Anleihen über das derzeitige Volumen von 60 Milliarden Euro im Monat hinaus ausdehnen wird. Eine weitere Senkung des Einlagensatzes erwarten 53 Prozent.

Seit die EZB vor zehn Monaten mit der quantitativen Lockerung (Quantitative Easing (QE)) begann, sind die Preise kaum gestiegen. Wenn der Rat der Zentralbank, der sich in der Frage des richtigen geldpolitischen Ansatzes gespalten gezeigt hat, am Donnerstag in Frankfurt zusammentritt, werden skeptische Beobachter von Draghi Belege dafür sehen wollen, dass er sein Mandat erfüllen kann.

Rohstoffe: Öl kostet so wenig wie seit 2003 nicht mehr

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Nach dem angekündigten Ende der Iran-Sanktionen fällt der Preis für ein Barrel Brent zeitweise unter 28 Dollar. Beim Fall des Ölpreises ist kein Ende in Sicht. Einer bleibt trotzdem gelassen.

„Wenn die Ölpreise auf den derzeitigen extrem tiefen Niveaus verharren, wird die EZB wohl nicht einfach dasitzen, abwarten und sich in Hoffnung wiegen,“ sagte Holger Sandte, leitender Analyst Europa bei Nordea Markets in Kopenhagen. „Möglicherweise wird es schon im März eine weitere Lockerung geben.“

Im März wird die Notenbank aktualisierte Inflations- und Wachstumsprognosen vorlegen. Sollten sich dabei Korrekturen nach unten als nötig erweisen, könnten sie als Rechtfertigung für zusätzliche Maßnahmen dienen. Für die Sitzung dieser Woche erwarten Volkswirte in einer separaten Umfrage keine Änderungen bei den Zinssätzen.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Am 3. Dezember senkte Draghi den Einlagensatz auf minus 0,3 Prozent. Gleichzeitig weitete er den Ankauf von Vermögenswerten mindestens bis März 2017 aus und versprach, die Tilgungszahlungen für fällig werdende Anleihen aus dem QE- Programm wieder zu investieren, um zu verhindern, dass sich das niedrige Preiswachstum verfestigt. Das Maßnahmenpaket enttäuschte die Anlegererwartungen. Der Euro stieg, die Aktienkurse fielen, an den Bondmärkten kam es zu einer Rally.

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