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13.06.2014

13:39 Uhr

Geldpolitik

Britische Notenbank bereitet Zinserhöhung vor

Die EZB flutet die Wirtschaft mit Geld. Anders sieht es in Großbritannien aus. Die Bank von England heizt die Spekulation über eine baldige Straffung ihrer Geldpolitik an. Sie könnte schneller kommen, als erwartet.

Der Sitz der Bank von England in London. Reuters

Der Sitz der Bank von England in London.

LondonIm Gegensatz zur Euro-Zone dürften die Zinsen in Großbritannien schon bald wieder steigen. „Es könnte schneller gehen als von den Märkten derzeit erwartet“, sagte Notenbankchef Mark Carney vor Vertretern der Londoner Finanzwelt. Einen festen Zeitplan habe die Bank von Englang (BoE) aber nicht. Anleger erwarten den Schritt allerdings nun bereits im Dezember. Darauf deuteten am Freitag die Entwicklung der Terminkontrakte auf das Pfund Sterling und die Zinsen am britischen Interbanken-Markt hin. Bislang hatten sie eine Zinserhöhung im ersten Quartal 2015 signalisiert.

Die BOE setzt sich damit klar von der Europäischen Zentralbank ab. Die EZB hatte ihren Leitzins jüngst auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt und ein Bündel von Maßnahmen angekündigt, um der Euro-Wirtschaft weiter auf die Beine zu helfen. Die US-Notenbank Fed fährt ihre Konjunkturspritzen ebenfalls Schritt für Schritt zurück. „Seit gestern Abend scheint die BoE gegenüber der Fed, was Zinserhöhungen angeht, die Nase leicht vorn zu haben“, sagte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz.

Das Ende der Eurokrise?

Was bedeutet der Schritt Lissabons für die Eurozone?

Es ist ein Indiz, dass sich die Finanzlage im gemeinsamen Währungsgebiet erheblich beruhigt hat. Länder im Süden des Kontinents können sich zur Zeit zu sehr günstigen Konditionen an den Finanzmärkten Geld leihen.

Lissabon will keine Übergangshilfen mehr. Ist das realistisch?

Ja. Die EU-Kommission, die in der Troika vertreten ist, unterstützt den Beschluss für einen „sauberen Ausstieg“ ausdrücklich. „Das sorgt für eine bessere Stimmung und Vertrauen von (Finanz-)Investoren“, lautet die Devise des verantwortlichen EU-Vize-Kommissionspräsidenten Siim Kallas.

Das Vertrauen kehrt also in die Eurozone zurück?

Ja. Aber dies hat vor allem zwei Gründe. Da ist zunächst die Europäische Zentralbank (EZB). Die Notenbank versprach, den Euro um jeden Preis zu retten. EZB-Patron Mario Draghi ist auch bereit, gegen die niedrige Inflation sowie gegen die Deflation zu kämpfen. Deflation ist ein umfassender Preisverfall, der die Konjunktur ausbremsen kann.

Was ist der andere Grund?

Angesichts von Turbulenzen bei aufstrebenden Wirtschaftsriesen in Asien oder Südamerika gilt Europa wieder als ein „sicherer Hafen“ für Anleger. Aus Russland gibt es wegen der Annexion der Krim einen bedeutenden Kapitalabfluss. Nach Moskauer Schätzungen waren es allein im ersten Vierteljahr rund 50 Milliarden Euro. Von internationalen Kapitalströmen profitiert auch der krisengeschüttelte europäische Süden.

Wie ist die Lage in Griechenland?

Griechenland hat die schwere Rezession überwunden und wird wieder wachsen. Das soll auch dem angespannten Arbeitsmarkt zugutekommen. Jeder Vierte ist dort ohne Job. Athen erzielte 2013 erstmals seit langem einen Haushaltsüberschuss - ausgeblendet sind dabei jedoch der Schuldendienst und Kapitalspritzen an Banken.

Braucht Athen ein neues Rettungspaket?

Die griechische Koalitionsregierung ist dagegen. Finanzminister Ioannis Stournaras strebt aber an, Zahlungsfristen für die Hilfskredite weiter zu strecken, um dem Land Luft zu verschaffen. Entscheidungen der Eurogruppe wird es voraussichtlich erst im Herbst geben. Ende des Jahres läuft das Griechenland-Programm von europäischer Seite aus.

Wie sieht es in Zypern aus?
Viele wollen das Kapitel „Eurokrise“ abschließen. Ist das gerechtfertigt?

Nein. Es sind nach dem Willen der Brüsseler Währungshüter weitere Reformen in vielen Ländern der Eurozone nötig, um die Erholung dauerhaft abzusichern. Nach der Krise steigen die Schuldenberge der 18 Euro-Mitgliedstaaten im laufenden Jahr sogar weiter an - um einem Punkt auf 96 Prozent der Wirtschaftsleistung. In Griechenland wächst beispielsweise der staatliche Schuldenberg um zwei Punkte auf 177 Prozent. Erlaubt sind höchstens 60 Prozent. Für Entwarnung ist es also viel zu früh, sagen die Experten.

Carney begründete seine Einschätzung am Donnerstagabend damit, dass es bislang wenig Anzeichen für die eigentlich erwartete Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im zweiten Halbjahr gebe. Diese Äußerungen kommen überraschend. Denn bisher hatte er stets betont, die britische Wirtschaft sei noch weit davon entfernt, auf vollen Touren zu laufen. Daher gingen nur wenige Volkswirte davon aus, dass die Zinsen vor dem zweiten Quartal 2015 angehoben werden. Robert Wood von der Berenberg Bank erwartet nun gar eine Straffung bereits im November. „Die geänderte Tonlage ist spürbar, rekordniedrige Zinsen sind zunehmend unnötig.“ Zuletzt war die Arbeitslosigkeit auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren gefallen.

Die britische Währung profitierte von den Nachrichten und stieg um 0,3 Prozent auf ein Fünfeinhalb-Wochen-Hoch von 1,6987 Dollar. „Das war genau das, was das Pfund noch gebraucht hatte“, sagte Commerzbank-Experte Karpowitz zu Carneys Rede. Gleichzeitig gab der Euro 0,2 Prozent nach und war mit 0,7986 Pfund so billig wie zuletzt im November 2012.

Die Aussicht auf steigende Zinsen und strengere Regeln zur Kreditvergabe schickte zudem die Aktien britischer Baufirmen auf Talfahrt. Finanzminister George Osborne hatte angekündigt, er wolle der Notenbank mehr Macht geben, damit diese die Vergabe von Hypothekenkrediten begrenzen könne. Die britischen Immobilienpreise sind im vergangenen Jahr um elf Prozent gestiegen und haben damit die Furcht vor einer Blase genährt.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

13.06.2014, 12:18 Uhr

Hier zahlt sich die Eigenständigkeit und Selbstbestimmung der Briten aus, im Gegensatz zum korrupten Draghi-Clan.

Account gelöscht!

13.06.2014, 14:37 Uhr

"„Es könnte schneller gehen als von den Märkten derzeit erwartet“"

Na, wird das physische Gold langsam knapp oder kauft keiner mehr die nicht werthaltig rückzahlbaren Staatsjunkbonds? Volcker hatte Anfang der 80-er Jahre in der letzten vergleichbaren Gelddruck-Krise die US-Zinsen ja schnell auf bis zu sportlichen 20% hochgeschraubt, um den Vertrauensverlust in das hochinflationäre Papiergeld zu stoppen. Ob das bei der beispiellosen Bilanzverlängerung der FED und ihrer Satelliten diesmal noch hilft, ist fraglich.

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