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12.11.2015

13:51 Uhr

Geldpolitik

Bundesländer können bei EZB-Anleihenkäufen sparen

Die Europäische Zentralbank prüft die Ausweitung ihres Anleihen-Kaufprogramms. Sowohl Gemeinden als auch Bundesländer könnten offenbar davon profitieren - und könnten Millionen sparen.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, denkt offenbar darüber nach, noch mehr Anleihen zu kaufen. Das bisherige Kaufprogramm bis September 2016 umfasst Anleihen im Wert von 1,14 Billionen Euro. Reuters

Expansionspläne?

Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, denkt offenbar darüber nach, noch mehr Anleihen zu kaufen. Das bisherige Kaufprogramm bis September 2016 umfasst Anleihen im Wert von 1,14 Billionen Euro.

BerlinDie Bundesländer können Experten zufolge im Falle einer Ausweitung des EZB-Anleihenkaufs hunderte Millionen Euro sparen. Trete die Europäische Zentralbank (EZB) als Käufer von Länderanleihen auf, dürften deren Renditen im Vergleich zu Bundesanleihen je nach Laufzeit zwischen fünf und zehn Punkten sinken, sagte NordLB-Analyst Fabian Gerlich am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Wenn die Bundesländer 2016 rund 80 Milliarden Euro zu refinanzieren haben, entspräche dies einer Zinsersparnis von 40 bis 56 Millionen Euro pro Jahr", rechnete Gerlich vor. Bei einer durchschnittlichen Laufzeit der Bonds von sieben bis acht Jahren könnten die Länder in dieser Zeit 280 bis 448 Millionen Euro sparen.

"Die Zinskosten werden tendenziell fallen", sagte auch Oliver Haas von der DZ Bank. "Denn tritt die EZB als Käufer auf, führt das zu einer Verknappung von Angebot und Nachfrage." Einen sehr kräftigen Rückgang der Renditen erwartet der Experte allerdings nicht. "Das absolute Niveau ist schon recht tief, da geht es nicht mehr signifikant nach unten", sagte Haas. Die Marktrendite zehnjähriger Anleihen von Nordrhein-Westfalen etwa liegt bei 0,8 Prozent - das ist rund ein Drittel mehr, als der Bund Investoren bieten muss.

Die Macht und die Mittel der EZB

Ziele

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Preisstabilität wahren, die Wirtschaftspolitik unterstützen und Finanzstabilität sichern.

Leitzinsanpassung

Leitzinsanpassungen sind das traditionelle Mittel, um die Wirtschaft und die Arbeitsnachfrage zu dämpfen oder zu stimulieren, und so die Lohnentwicklung und die Inflation stabil zu halten.

Negativzinsen

Negativzinsen von 0,1 Prozent berechnet die EZB den Banken für deren Guthaben bei der Notenbank. Jede Bank will ihre überzähligen Guthaben zu einer anderen Bank schieben, indem sie Wertpapiere kauft oder Kredite vergibt.

Langfristkredite

Langfristkredite vergibt die EZB seit Ende 2011 und ergänzt damit die normalen kurzfristigen Kredite. Das hilft den Banken bei der Finanzierung, da Bankanleihen teurer und für manche gar nicht mehr zu haben waren.

Pfandbriefe

Pfandbriefe und Kreditverbriefungen kauft die EZB den Banken seit Herbst 2014 ab. Auch das hilft bei der Refinanzierung und sorgt für mehr Bankguthaben bei der EZB, was die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöhen soll.

Käufe von Staatsanleihen

Käufe von Staatsanleihen als Mittel der Geldpolitik setzte die EZB erstmals 2010 ein, um die Renditen von Anleihen der Peripherieländer zu drücken, die damals kräftig nach oben schossen. Das gelang mit dem relativ kleinen Programm nur bedingt. Im September 2012 ersetzte die EZB dieses SMP-Programm durch das OMT-Programm. Sie erklärte sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Bisher kam das Programm nicht zum Einsatz. Seit März 2015 erwirbt sie mit einem erweiterten Kaufprogramm im großen Stil Staatsanleihen. Der Gegenwert landet als Bankguthaben bei den Verkäufern, zum Beispiel Fonds, und als überschüssiges Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken. Das treibt vor allem die Kurse von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und Immobilien in die Höhe. Indirekt soll das die Wirtschaft ankurbeln.

Notkredite

Notkredite (ELA) können nationale Zentralbanken des Euro-Raums ihren heimischen Banken gewähren, wenn diese nicht mehr genug gute Sicherheiten für normale EZB-Kredite haben. Die EZB muss diese ELA-Kredite genehmigen. Untersagt sie sie, etwa wenn Griechenland sich nicht mit den Gläubigern einigen kann, haben die Banken keinen Zugang zu Euro-Guthaben und Euro-Bargeld mehr, was zur Schließung und letztlich zum erzwungenen Austritt aus der Währungsunion führen kann.

Kommunen und Regionen im Euro-Raum können auf Schützenhilfe der EZB hoffen. Diese prüft eine Ausweitung ihres bereits großangelegten Anleihen-Kaufprogramms auf Bonds von Gemeinden und Bundesländern, wie mehrere mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Aktuell ist das Anleihen-Kaufprogramm - Pfandbriefe und Hypothekenpapiere eingeschlossen - auf 1,14 Billionen Euro angelegt. Die EZB pumpt seit acht Monaten mit den Anleihenkäufen Woche für Woche Milliarden in das Bankensystem, um Konjunktur und Inflation anzuschieben. Bei der Teuerung fiel das Ergebnis bislang aber mager aus. EZB-Präsident Mario Draghi hatte deshalb die Tür für eine weitere Lockerung der Geldpolitik zuletzt weit aufgestoßen.

Von

rtr

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