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06.01.2016

12:23 Uhr

Geldpolitik der EZB

„Wenn man genügend Geld druckt, bekommt man immer Inflation“

Gibt es eine Alternative zur ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB)? Peter Praet, Chefvolkswirt der EZB, hat auf diese Frage eine deutliche Antwort.

Die EZB wird weiter Geld in die Märkte pumpen. dpa

Geldbündel

Die EZB wird weiter Geld in die Märkte pumpen.

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet sieht die in Deutschland umstrittene ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) als alternativlos an. „Einen Plan B gibt es nicht, es gibt nur einen Plan“, sagte Praet dem belgischen Wochenmagazin „Knack“.

Die EZB sei bereit, alle nötigen Schritte zu unternehmen, um die Inflation in Richtung zwei Prozent zu bringen. „Wenn man genügend Geld druckt, bekommt man immer Inflation. Immer“, betonte Praet. Es sei aber schwieriger, die Teuerung anzuheizen, wenn wie momentan die Preise für Öl und Rohstoffe fallen.

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Die EZB pumpt seit März über ihr Anleihenkauf-Programm Monat für Monat Milliarden in das Finanzsystem. Das Programm wurde zuletzt sogar um sechs Monate bis mindestens Ende März 2017 verlängert, es ist inzwischen auf 1,5 Billionen Euro angelegt. Trotz der immensen Geldflut der Euro-Wächter zogen die Preise im Euro-Raum im Dezember erneut nur um 0,2 Prozent an. „Ich akzeptiere, dass unsere Politik bislang noch nicht erfolgreich war“, sagte Praet.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

In Deutschland wird der Kurs der EZB kritisch gesehen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann warnt etwa vor Nebenwirkungen, wenn das billige Geld im Finanzsystem zu lange zirkuliert und zu Übertreibungen führt. Manche Wirtschaftsprofessoren hatten als Alternative etwa die Idee ins Spiel gebracht, den Verbrauchern im Euro-Raum direkt Geld zu überweisen, um die Konjunktur und damit auch die Inflation anzukurbeln.

Von

rtr

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