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10.07.2015

19:24 Uhr

Geldpolitik der Fed

Kein Signal für rasche Zinswende

Die US-Notenbank hält den Leitzins schon seit Jahren auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent. Fed-Chefin Yellen will die Gelpolitik noch in diesem Jahr straffen. Doch der Zeitpunkt der Zinswende bleibt offen.

Die US-Notenbank Federal Reserve in Washington, DC. Unter den Notenbankern herrscht Uneinigkeit über den Zeitpunkt der Zinswende. AFP

US-Notenbank Federal Reserve in Washington, DC.

Die US-Notenbank Federal Reserve in Washington, DC. Unter den Notenbankern herrscht Uneinigkeit über den Zeitpunkt der Zinswende.

ClevelandUS-Notenbankchefin Janet Yellen hält den Zeitpunkt der Zinswende trotz jüngster Fortschritte am Arbeitsmarkt in der Schwebe. Es sei wohl angemessen, die Geldpolitik in diesem Jahr zu straffen, sagte Yellen am Freitag auf einer Veranstaltung in Cleveland. Allerdings ließ sie nicht durchblicken, ob sie einen Zinsschritt oder eher zwei Schritte für 2015 befürwortet. Viele Fed-Beobachter rechnen für September oder zum Jahresende mit einer Anhebung.

Yellen verwies zugleich darauf, dass der jüngste Rückgang der Arbeitslosenquote womöglich nicht die ganze Wahrheit über die Lage am Jobmarkt offenbart. „Viele Personen suchen keine Arbeit, da es in ihren Augen an guten Jobmöglichkeiten mangelt. Ich denke, eine stärkere Wirtschaft könnte manche von ihnen wieder in Arbeit bringen.“ Die Federal Reserve werde weiter sehr genau darauf achten, ob sich die Bedingungen am Arbeitsmarkt weiter verbesserten. Sie rechnet für den weiteren Jahresverlauf mit moderatem Wirtschaftswachstum. Doch der noch immer nicht rund laufende Immobilienmarkt und auch die Griechenland-Krise könnten belastend wirken, mahnte Yellen.

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

Auch die Führungsspitze der Fed ist derzeit uneins über den geeigneten Zeitpunkt für die Zinswende, wie aus den Protokollen der jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses hervorgeht. Einige Mitglieder halten angesichts der nahenden Vollbeschäftigung die Zeit für eine geldpolitische Straffung für bald gekommen, andere verweisen auf die Gefahren für die US-Wirtschaft – etwa durch die Griechenland-Krise oder das Börsenbeben in China. Der Leitzins liegt seit dem Höhepunkt der Welt-Finanzkrise Ende 2008 auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent.

Von

rtr

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