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15.03.2017

16:41 Uhr

Geldpolitik

Die Folgen der US-Zinserhöhung

Die US-Notenbank Federal Reserve dürfte in der März-Sitzung wieder an den Leitzinsen drehen - mit enormen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur US-Geldpolitik im Überblick.

Die Fed-Chefin steigt aus der lockeren Geldpolitik aus. AP

Janet Yellen

Die Fed-Chefin steigt aus der lockeren Geldpolitik aus.

WashingtonDie Produktion brummt, die Börse galoppiert, der Arbeitsmarkt boomt: Die US-Wirtschaft kennt im Moment nur eine Richtung: Es geht nach oben. Was sich Donald Trump wenig verwunderlich auf die Fahnen schreibt, dürfte in Wahrheit vielmehr Ergebnis einer längerfristigen Entwicklung sein. Die Notenbank sieht sich wohl zu einem weiteren Zinsschritt veranlasst. Die wichtigsten Fragen zur US-Geldpolitik.

Wie wahrscheinlich ist eine Zinserhöhung in den USA schon im März?

Sie gilt als praktisch sicher. Die Chefin der US-Notenbank Federal Reserve, Janet Yellen, hat klar gesagt, dass die Zinserhöhung sehr wahrscheinlich ist, sollten Arbeitsmarkt und Inflation weiter stabil bleiben. Das ist nach neuesten Zahlen der Fall. Würde sie jetzt nicht kommen, hätte Yellen die Märkte geradezu getäuscht. In einer Umfrage für den US-Wirtschaftssender CNBC waren sich alle 50 befragten Wirtschaftsführer sicher, dass es zu einer Zinserhöhung kommt.

Was bedeutet dies für die US-Wirtschaft?

Die größte Volkswirtschaft der Welt soll mit der Zinsanhebung vor einem Überhitzen bewahrt werden. Kommt Geld zu billig, also mit zu niedrigen Zinsen auf den Markt, drohen Blasen zu entstehen - etwa bei Immobilien, die künstlich immer teurer werden. Platzt die Blase, ist der Wertverfall umso größer. Das will die Fed verhindern. Schließlich war es eine US-Immobilienblase, die 2008 in die tiefste Wirtschafts- und Finanzkrise der neueren Geschichte geführt hat.

Kann der US-Präsident Donald Trump mit der Geldpolitik der Fed leben?

Teils, teils. Einerseits will Trump Amerika „Great Again“ machen. Eine schwache Währung käme ihm dabei gelegen, weil die US-Firmen exportieren könnten - und von Trump ungeliebte Importe tendenziell teurer würden. „Die langfristige Stärke des Dollar ist sehr wichtig“, sagt zwar der Finanzminister und frühere Investmentbanker, Steven Mnuchin. Trump verfolgt aber eigentlich ganz andere Ziele: Er will das immense Handelsdefizit der USA vor allem gegenüber China, aber auch Ländern wie Japan und Deutschland, dezimieren. Ein zu starker Dollar verteuert US-Exporte ins Ausland und macht sie somit auf dem Weltmarkt weniger wettbewerbsfähig. Ferner muss Trump auch die enormen Staatsschulden der USA abbauen und will ein riesiges Infrastrukturpaket auflegen - auch dafür wäre eher ein schwächerer Dollar hilfreich.

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Bis vor kurzem wurde Fed-Chefin Yellen als zu weich kritisiert. Kaum aber hat die US-Notenbank einen entschiedenen Kurs zur Normalisierung der Geldpolitik eingeschlagen, kochen Ängste vor der nächsten Rezession hoch.

Lässt sich die Notenbank vom Weißen Haus beeinflussen?

Offiziell ist die Federal Reserve unabhängig und trifft ihre Entscheidungen ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten - nicht nach politischen. Andererseits: Viele Experten gehen davon aus, dass Janet Yellen, die von Trumps Vorgänger Barack Obama eingesetzt worden war, nicht eine weitere Amtszeit vergönnt sein wird. Ihr Vertrag läuft 2018 aus. Dann könnte Trump jemanden ins Amt holen, auf den er zumindest hinter den Kulissen mehr Einflussmöglichkeiten besitzt. Das gilt besonders für den Fall, dass die Fed Grund zu einem aggressiveren Zinskurs sieht und dieses Jahr noch mehrere Erhöhungen ankündigt.

Was bedeutet die bevorstehende US-Zinserhöhung für Deutschland und Europa?

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist abgekoppelt von der US-Notenbank, wenngleich die USA natürlich ein nicht zu übersehender Signalgeber sind. Vor allem auf dem Finanzsektor in Deutschland mehreren sich die Stimmen, die fordern, dass EZB-Chef Mario Draghi nicht allzu lange abwartet. Dann hätten Sparer wieder mehr von ihrem Geld, aber Häuslebauer müssten mehr Zinsen für ihre Hypotheken zahlen. Die Banken in der Eurozone leiden unter den niedrigen Zinsen. Allerdings ist die Wirtschaft mit der massiven Arbeitslosigkeit in Südeuropa eigentlich noch nicht so weit. Draghi kündigte erst vergangene Woche an, dass die Anleihekäufe der EZB zunächst weitergehen sollen - das Gegenteil einer Zinserhöhung.

Von

dpa

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