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15.02.2016

14:44 Uhr

Geldpolitik

Draghis Macht wird zunehmend bezweifelt

Was kann die Europäische Zentralbank noch bewirken? Wenn EZB-Präsident Mario Draghi heute Nachmittag vor dem Europäischen Parlament spricht, wird sich zeigen, welches Gewicht das Wort des Notenbankers noch hat.

Wie viel Macht hat Mario Draghi noch? ap

Europäische Zentralbank

Wie viel Macht hat Mario Draghi noch?

FrankfurtEs gab eine Zeit, da brauchte Mario Draghi nur den leisesten Hinweis auf bevorstehende Stimulierung fallen zu lassen und schon bewegten sich die Märkte in die von ihm gewünschte Richtung. Am heutigen Montag werden die Investoren herausfinden, ob die Marktkräfte ihm immer noch gehorchen.

Nach einer Woche, in der Bankaktien die Aktien weltweit auf zuletzt 2013 gesehene Tiefstände zogen, könnte ein zweistündiger Auftritt des Präsidenten der Europäischen Zentralbank vor Mitgliedern des Europäischen Parlaments am Nachmittag einen Hinweis geben darauf, welche geldpolitischen Schritte Draghi für März im Sinn hat. Darüber hinaus wird sich vielleicht auch zeigen, inwieweit Währungshüter weltweit in der Lage sind, Vertrauen in wirtschaftliches Wachstum und in die Finanzbranche zu vermitteln.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Zu einem Zeitpunkt, an dem das Gespenst einer weltweiten Rezession die amerikanische Notenbank Federal Reserve veranlasst, ihren Zinsanhebungskurs für 2016 zu überdenken, haben es Draghi und seine Kollegen mit einer aufwertenden Währung und einem fallenden Ölpreis zu tun, die zusammen wieder einmal dafür sorgen könnten, dass die Preisentwicklung im Euroraum sich Richtung Deflation bewegt. Da andererseits die Nachteile einer Politik der niedrigen Zinsen und der Anleihekäufe immer deutlicher zutage treten, dürften etwaige Hinweise Draghis auf seinen Kurs auf weniger Begeisterung stoßen als in der Vergangenheit.

EZB und Geldpolitik: Im März könnte es noch mehr Zentralbank-Geld geben

EZB und Geldpolitik

Im März könnte es noch mehr Zentralbank-Geld geben

EZB-Präsident Mario Draghi hat auf der Sitzung der Notenbanker weitere Schritte für März angekündigt. Wenn nötig, werde man die Geldpolitik anpassen. Die Börsen legten daraufhin zu, der Euro verlor zum Dollar.

Aus Sicht der Zentralbanken sei die Situation im Augenblick alles andere als eindeutig, sagt Gilles Moec, leitender Volkswirt Europa bei Bank of America Merrill Lynch in London. „Es hat den Anschein als verlange der Markt eine Menge von ihnen, als verlange er, dass sie aktiv werden; und als glaube er gleichzeitig nicht daran, dass sie mit ihren Aktionen Entscheidendes bewirken können.“

Draghi will sich ab 15 Uhr den Fragen der Abgeordneten stellen.

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