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29.08.2014

11:06 Uhr

Geldpolitik

Europäischer Interbanken Zinssatz erstmals negativ

Der Interbanken-Zinssatz Eonia ist wegen der lockeren Geldpolitik der EZB erstmals in den negativen Bereich gerutscht. Der Eonia-Zinssatz ist für kurzfristige Geschäfte von Banken wichtig.

Die Euro-Skulptur vor der EZB in Frankfurt am Main: Der Eonia ist seit der Entscheidung der EZB gesunken, Geschäftsbanken mit einem Strafzins zu belegen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. dpa

Die Euro-Skulptur vor der EZB in Frankfurt am Main: Der Eonia ist seit der Entscheidung der EZB gesunken, Geschäftsbanken mit einem Strafzins zu belegen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken.

LondonWegen der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist der Interbanken-Zinssatz Eonia erstmals in den negativen Bereich gerutscht. Das für kurzfristige Geschäfte zwischen Banken wichtige Barometer notierte am Donnerstagabend mit minus 0,004 Prozent so niedrig wie noch nie. Das bedeutet, dass Banken, die Geld übrig haben und es anderen Instituten auf dem Geldmarkt zur Verfügung stellen wollen, dafür nun bezahlen müssen. Umgekehrt muss eine Bank, die kurzfristig von einer anderen Geld benötigt, erstmals keine Zinsen zahlen - sie kommt also billiger an Geld zum Ausgleich kurzfristiger Engpässe.

Der Eonia ist seit der Entscheidung der EZB gesunken, Geschäftsbanken mit einem Strafzins zu belegen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Mit der Maßnahmen will die EZB die Banken dazu bringen, mehr Geld an Unternehmen und Verbraucher zu verleihen. So soll die Wirtschaft vor allem in Südeuropa in Schwung gebracht werden. Noch am Mittwoch hatte der Eonia bei 0,011 Prozent gelegen - hauchdünn im positiven Bereich.

So kann die EZB den Euro drücken

Verbale Intervention

Die einfachste Möglichkeit um den Euro zu schwächen, sind Worte. Wenn Draghi spricht, hat das durchaus Gewicht. Zeigt er sich besorgt über den starken Euro, reagiert der Wechselkurs sofort. Allerdings ist die Frage, ob den Worten nicht irgendwann Taten folgen müssen, damit sie ihre Wirkung nicht verlieren.

Devisenmarktintervention

Die EZB kann auch direkt am Devisenmarkt intervenieren. Sie kann ihre Währungsreserven nutzen und zum Beispiel US-Dollar und amerikanische Staatsanleihen kaufen. Früher waren Interventionen am Devisenmarkt durchaus üblich. Allerdings haben sie häufig nicht viel gebracht.

Wobei die EZB zum ersten und bisher einzigen Mal im Herbst 2000 offen an den Währungsmärkten eingriff. In einer gemeinsamen Aktion kauften EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cents.

Zielmarken

Die EZB könnte auch ein Wechselkursziel definieren. Ähnliches hat die  Schweizer Notenbank in der Euro-Krise gemacht. Sie legte sich fest: Für einen Euro dürfe nicht weniger als 1,20 Franken gezahlt werden. Der Vorteil eines Zielkorridors liegt darin, dass manchmal allein die Ankündigung ausreicht, um das Ziel zu erreichen. Eine Intervention ist gar nicht zwingend nötig.

Zinssenkung

Das klassische Mittel der Notenbanken ist der Leitzins. Wenn die EZB ihn senkt, steigt die Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen. Anlagen außerhalb des Euroraumes werden dadurch attraktiver. Dadurch steigt die Nachfrage nach anderen Währungen wie etwa dem US-Dollar und deren Wechselkurs steigt.

Negativer Einlagenzins

Die EZB verlangt von Banken, die ihr Geld über Nacht bei der EZB parken, eine Strafgebühr. Einerseits will sie die Banken damit zur Kreditvergabe anregen. Andererseits kann das auch dazu führen, dass ein Teil der Guthaben in andere  Währungsräume fließt.

Anleihekäufe

Durch großangelegte Anleihekäufe kann die EZB die Geldmenge im Euroraum erhöhen und die langfristigen Zinsen senken. Dadurch steigt tendenziell die Nachfrage nach anderen Währungen wie dem US-Dollar.

Kapitalverkehrskontrollen

In der Euro-Zone stehen sie nicht zur Debatte. Dennoch sind Kapitalverkehrskontrollen ein mächtiges Mittel, um den Wechselkurs zu beeinflussen. Durch Steuern auf Kapitalimporte oder Exporte und durch Beschränkungen für Kapitaltransfers lässt sich der Kapitalverkehr ins Ausland beschränken.

Mit Spannung verfolgen die Märkte nun die Veröffentlichung der Inflationsraten um 11 Uhr. Wenn sie niedriger als erwartet ausfallen, könnte die EZB stärker unter Druck geraten, ihre Geldpolitik weiter zu lockern. Ökonomen rechnen damit, dass die Teuerungsrate in den Euro-Ländern im August 0,3 Prozent betragen hat.

Von

rtr

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