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14.09.2016

08:47 Uhr

Geldpolitik

EZB-Direktorin gegen weitere Lockerung

EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger will derzeit den geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank nicht verändern. Es sei jetzt wichtig, das Wertpapierankaufprogramm wirken zu lassen.

Die EZB-Direktorin will die Geldpolitik zunächst wirken lassen. dpa

Sabine Lautenschläger

Die EZB-Direktorin will die Geldpolitik zunächst wirken lassen.

BerlinEZB-Direktorin Sabine Lautenschläger sieht derzeit keinen Bedarf für Veränderungen am geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank. An Schlüsselelementen des Wertpapierankaufprogramms müsse zurzeit nichts geändert werden, sagte die deutsche Währungshüterin am Dienstagabend auf einer Veranstaltung in Straßburg. „Jetzt ist es wichtig, die Maßnahmen wirken zu lassen.“ Die negativen Zinsen seien derzeit zwar gerechtfertigt: „Doch was an weiteren Zinssenkungen darüber hinausgehen würde, sehe ich skeptisch.“

Die Bedingungen an den Finanzmärkten haben sich nach ihrer Ansicht deutlich verbessert. Und auch das Wirtschaftswachstum sei wieder in der Spur. „Der geringe Brexit-Effekt zeigt, wie robust die Erholung ist“, sagte Lautenschläger. Dennoch will die Zentralbank zum Ankurbeln der Konjunktur bei Bedarf weitere geldpolitische Maßnahmen ergreifen, wie EZB-Chef Mario Draghi nach der jüngsten Zinssitzung deutlich machte.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Die zuständigen Ausschüsse sind vom EZB-Rat mit der Bewertung von Optionen beauftragt worden, um die reibungslose Umsetzung des Wertpapier-Kaufprogramms sicherzustellen. Es soll bis Ende März 2017 oder bei Bedarf sogar darüber hinaus laufen. Die EZB und die nationalen Notenbanken der Euro-Länder dürfen derzeit nur Papiere mit einer Rendite oberhalb des Einlagenzinses von aktuell minus 0,4 Prozent erwerben. Analysten warnen, dass für die EZB in Frage kommende Papiere in einigen Bereichen knapp werden könnten.

Das Programm ist aktuell auf 1,74 Billionen Euro angelegt. Monat für Monat pumpen die Währungshüter so rund 80 Milliarden Euro in das Finanzsystem. Und Geldhäuser müssen bereits seit 2014 Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht bei der EZB Geld parken. Diese hatte den Satz im März auf minus 0,4 von zuvor minus 0,3 Prozent gesetzt. Damit sollen die Banken vom Horten des Geldes abgehalten werden, das stattdessen nach dem Willen der Währungshüter in die Kreditvergabe fließen sollte.

Von

rtr

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