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20.10.2016

15:39 Uhr

Geldpolitik

EZB hält an Anleihekäufen fest

Wie erwartet lässt die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen unverändert. Über eine Fortsetzung des Anleihekaufprogrammes sei zwar nicht debattiert worden. Unendlich könne es aber nicht weitergehen.

Die Worte des EZB-Präsidenten auf der Pressekonferenz am Donnerstag haben Gewicht. Reuters

Mario Draghi

Die Worte des EZB-Präsidenten auf der Pressekonferenz am Donnerstag haben Gewicht.

DüsseldorfDie Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihren billionenschweren Anleihenkäufen fest. Über ein „Tapering“ – ein graduelles Herunterfahren der vor allem in Deutschland umstrittenen Transaktionen – sei nicht gesprochen worden, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Die monatlichen Wertpapierkäufe von 80 Milliarden Euro würden bis Ende März 2017 oder nötigenfalls darüber hinaus fortgesetzt. „Wir bleiben bei unserem Engagement, das sehr erhebliche Ausmaß an geldpolitischer Unterstützung beizubehalten.“

An der aktuellen Geldpolitik könne aber nicht ewig festgehalten werden – womöglich ein erster Hinweis auf bevorstehende Veränderungen an der extrem lockeren Linie.

Draghi lenkte den Blick auf die Dezember-Zinssitzung der Notenbank. Es sei klar, dass die EZB dann mitteile, was sie in den kommenden Monaten unternehmen werde. Ein abruptes Ende der Anleihenkäufe sei unwahrscheinlich, sagte der Italiener. Im Dezember werden den Euro-Wächtern nicht nur neue Inflations- und Wachstumsprognosen der hauseigenen Volkswirte vorliegen. Dann werden ihnen auch die Vorschläge der Ausschüsse zum Anleihen-Programm zur Verfügung stehen. Diese sollten prüfen, wie sich die Käufe auch künftig reibungslos umsetzen lassen.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Mit dem im März 2015 gestarteten und inzwischen auf 1,74 Billionen Euro angelegten Programm wollen die Euro-Wächter die maue Konjunktur im Währungsraum anschieben und die anhaltend niedrige Inflation nach oben treiben. Durch die Käufe sollen die Renditen der Anleihen sinken und Banken dazu bewegt werden, mehr Kredite an die Wirtschaft auszureichen und nicht so stark in Anleihen zu investieren.

An den Leitzinsen rüttelte die EZB erwartungsgemäß nicht. Sie werden laut Notenbank noch für längere Zeit auf dem aktuellen Niveau oder sogar tiefer liegen. Den Schlüsselsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld beließ die EZB auf dem Rekordtief von null Prozent, wo er bereits seit März liegt. Draghi & Co hielten auch die Strafzinsen für Banken auf dem bisherigen Niveau von minus 0,4 Prozent.

Was Draghi noch zu Inflation, Leitzinsen und Ungleichheit zu sagen hatten, können Sie in unserem Liveblog nachlesen.

Von

dpa

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