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29.03.2016

18:40 Uhr

Geldpolitik

EZB schaltet bei Anleihenkäufen einen Gang zurück

Mit Anleihenkäufen will die Europäische Zentralbank indirekt die Konjunktur stützen und die Inflationsrate nach oben treiben. Die liegt derzeit bei minus 0,2 Prozent – die EZB strebt allerdings knapp zwei Prozent an.

Mit Anleihenkäufen will die EZB Geschäftsbanken dazu bewegen, mehr Kredite an Firmen und Haushalte auszureichen statt in Anleihen zu investieren. dpa

Die Europäische Zentralbank

Mit Anleihenkäufen will die EZB Geschäftsbanken dazu bewegen, mehr Kredite an Firmen und Haushalte auszureichen statt in Anleihen zu investieren.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) hat bei ihren umstrittenen Anleihenkäufen das Tempo gedrosselt. In der Osterwoche bis zum 28. März nahmen die Euro-Wächter Staatsbonds im Volumen von 10,35 Milliarden Euro in ihre Bücher, wie die EZB am Dienstag mitteilte. In der Woche zuvor waren es noch 12,41 Milliarden Euro gewesen.

Die Euro-Zentralbank und die nationalen Notenbanken der Währungsgemeinschaft haben damit seit Programmstart im März 2015 Staatspapiere im Umfang von 643,26 Milliarden Euro erworben. Das gesamte Programm soll noch bis Ende März 2017 laufen und dann – Hypothekenpapiere, Pfandbriefe, Regional- und Firmenanleihen eingeschlossen – ein Volumen von 1,74 Billionen Euro haben.

Mit den Käufen will die EZB Geschäftsbanken dazu bewegen, mehr Kredite an Firmen und Haushalte auszureichen statt in Anleihen zu investieren. Denn das stützt die Konjunktur und treibt auch die aus Sicht der Notenbank viel zu niedrige Inflation nach oben.

Beschlüsse der EZB am 10. März 2016

Niedrigerer Leitzins

Die EZB senkt den Leitzins von 0,05 auf 0,00 Prozent. Der Schritt selbst hat wenig direkte Auswirkungen. Hierbei geht es vor allem um das damit verbundene Signal, dass die EZB entschlossen handelt.

Höherer Strafzins

Die EZB senkt den Einlagenzins im Euro-Raum von minus 0,3 auf 0,4 Prozent. Das heißt: Banken, die über Nacht Geld bei der EZB parken, zahlen dafür eine noch höhere Strafe. Damit will die Notenbank die Geldhäuser dazu animieren, mehr Kredite zu vergeben, statt überschüssige Liquidität bei ihr zu horten. Je höher die Strafe, desto stärker der Anreiz, so das Kalkül. Allerdings belastet dies den labilen Bankensektor. Deshalb war im Vorfeld der Ratssitzung auch über eine Staffelung des Einlagezinses diskutiert worden, ähnlich wie in der Schweiz. Dabei würde der negative Einlagenzins erst dann greifen, wenn die bei der Notenbank geparkte Liquidität einer Bank eine bestimmte Obergrenze überschreitet.
Draghi hat sich aber gegen ein solches Modfell entschieden. Dies sei in einer Währungsunion mit sehr unterschiedlichen Banken nur schwer umzusetzen, sagte er.

Mehr Anleihenkäufe

Die EZB weitet das Volumen ihrer monatlichen Anleihekäufe von 60 auf 80 Milliarden Euro aus. Dadurch erhöht sich Gesamtvolumen bis März 2017 um 240 Milliarden auf 1,74 Billionen Euro. Anleihekäufe seien ein Signal, das der Markt versteht, hatte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding im Vorfeld gesagt.

Dieser Schritt galt aber als durchaus umstritten. Für die Deutsche Bundesbank, die eine weitere Lockerung der Geldpolitik kritisch sieht, ist diese Pille schwerer zu schlucken, als die Senkung des Einlagenzinses. Draghi sagte jedoch, der EZB-Rat habe die Maßnahmen mit einer „überwältigenden Mehrheit“ beschlossen. Durch das höhere Volumen stößt die EZB bei ihren Käufen schneller an Grenzen: Ihren selbst auferlegten Regeln zufolge darf sie keine Bonds kaufen, deren Zinsen unter dem Einlagesatz liegen (jetzt minus 0,4 Prozent). Und sie darf auch nicht mehr als 33 Prozent der ausstehenden Anleiheschulden eines Landes erwerben.

Bei Anleihen von internationalen Organisationen oder Entwicklungsbanken wie der Europäischen Investitionsbank (EIB) weitet sie dieses Limit nun auf 50 Prozent der ausstehenden Anleihen aus.

Firmenanleihen

Um Knappheit zu verhindern, weitet die EZB außerdem die Auswahl der von ihr gekauften Anleihen aus. Im Dezember hat sie das Sortiment bereits um Anleihen von Regionen und Kommunen im Euro-Raum erweitert. Nun kauft sie außerdem auch von in Euro notierenden Unternehmensanleihen mit gutem Rating (Investment Grade).

Kredite zum Traumtarif

Die EZB weitet ihr Programm aus, mit dem sie Banken zu sehr günstigen Konditionen langfristig Geld leiht, wenn sie mehr Kredite vergeben. Ab Juni sollen vier spezielle Kreditlinien – im Fachjargon TLTRO II genannt – für die Finanzinstitute mit einer Laufzeit von vier Jahren aufgelegt werden. Die Kosten orientierten sich am Einlagenzins, den die EZB jetzt auf minus 0,4 Prozent gesenkt hat. Banken können also Geld damit verdienen, sich Geld zu leihen.

Bereits seit 2014 bieten die Währungshüter gezielte Geldspritzen an. Sie sollen Geschäftsbanken dazu bewegen, mehr Kredite an Firmen zu vergeben. Allerdings brauchen viele Banken gar nicht mehr Liquidität. Dies hilft deshalb wohl lediglich einigen angeschlagenen Instituten.

Im Februar waren die Preise im Währungsraum um 0,2 Prozent gesunken. Die EZB strebt aber knapp zwei Prozent Inflation als optimalen Wert für die Euro-Zone an. Auch deshalb beschloss der EZB-Rat unlängst, den Gesamtumfang der monatlichen Wertpapier-Käufe ab April auf 80 von bislang 60 Milliarden Euro aufzustocken.

Von

rtr

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