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08.04.2016

15:35 Uhr

Geldpolitik

EZB warnt vor Abwertungswettlauf bei Währungen

Erst im Februar hatten sich die G20-Staaten zugesichert, sich keinen Abwertungswettlauf zu liefern. Die EZB hat im März die Strafzinsen verschärft und muss sich nun vorwerfen lassen, so den Euro schwächen zu wollen.

Mersch wies die Vorstellung zurück, mit der erneuten Verschärfung der Strafzinsen wolle die EZB den Euro schwächen. AFP; Files; Francois Guillot

EZB-Direktor Yves Mersch

Mersch wies die Vorstellung zurück, mit der erneuten Verschärfung der Strafzinsen wolle die EZB den Euro schwächen.

FrankfurtEZB-Direktor Yves Mersch hat davor gewarnt, sich über die Abwertung der Währung Vorteile im Handel zu verschaffen. Es sollte keine Abwertungen aus Wettbewerbsgründen geben, sagte Mersch dem Fernsehsender CNBC in einem am Freitag ausgestrahlten Interview.

„Und die Regionen, die sich bereits mehr auf der sicheren Seite befinden, was sowohl Wachstum als auch Inflation betrifft, sollten nicht versuchen, ihre Währungen herunter zu reden.“ Es dürfe keine Politik geben, den Nachbar zum Bettler zu machen.

Das Mitglied des sechsköpfigen Führungsgremiums der Europäischen Zentralbank (EZB) wies zudem die Vorstellung zurück, mit der erneuten Verschärfung der Strafzinsen wolle die Notenbank den Euro schwächen. „Aber wir zielen darauf ab, dass jeder sich an die Versprechen hält, wie das internationale Währungssystem geführt werden soll“, sagte Mersch.

Beschlüsse der EZB am 10. März 2016

Niedrigerer Leitzins

Die EZB senkt den Leitzins von 0,05 auf 0,00 Prozent. Der Schritt selbst hat wenig direkte Auswirkungen. Hierbei geht es vor allem um das damit verbundene Signal, dass die EZB entschlossen handelt.

Höherer Strafzins

Die EZB senkt den Einlagenzins im Euro-Raum von minus 0,3 auf 0,4 Prozent. Das heißt: Banken, die über Nacht Geld bei der EZB parken, zahlen dafür eine noch höhere Strafe. Damit will die Notenbank die Geldhäuser dazu animieren, mehr Kredite zu vergeben, statt überschüssige Liquidität bei ihr zu horten. Je höher die Strafe, desto stärker der Anreiz, so das Kalkül. Allerdings belastet dies den labilen Bankensektor. Deshalb war im Vorfeld der Ratssitzung auch über eine Staffelung des Einlagezinses diskutiert worden, ähnlich wie in der Schweiz. Dabei würde der negative Einlagenzins erst dann greifen, wenn die bei der Notenbank geparkte Liquidität einer Bank eine bestimmte Obergrenze überschreitet.
Draghi hat sich aber gegen ein solches Modfell entschieden. Dies sei in einer Währungsunion mit sehr unterschiedlichen Banken nur schwer umzusetzen, sagte er.

Mehr Anleihenkäufe

Die EZB weitet das Volumen ihrer monatlichen Anleihekäufe von 60 auf 80 Milliarden Euro aus. Dadurch erhöht sich Gesamtvolumen bis März 2017 um 240 Milliarden auf 1,74 Billionen Euro. Anleihekäufe seien ein Signal, das der Markt versteht, hatte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding im Vorfeld gesagt.

Dieser Schritt galt aber als durchaus umstritten. Für die Deutsche Bundesbank, die eine weitere Lockerung der Geldpolitik kritisch sieht, ist diese Pille schwerer zu schlucken, als die Senkung des Einlagenzinses. Draghi sagte jedoch, der EZB-Rat habe die Maßnahmen mit einer „überwältigenden Mehrheit“ beschlossen. Durch das höhere Volumen stößt die EZB bei ihren Käufen schneller an Grenzen: Ihren selbst auferlegten Regeln zufolge darf sie keine Bonds kaufen, deren Zinsen unter dem Einlagesatz liegen (jetzt minus 0,4 Prozent). Und sie darf auch nicht mehr als 33 Prozent der ausstehenden Anleiheschulden eines Landes erwerben.

Bei Anleihen von internationalen Organisationen oder Entwicklungsbanken wie der Europäischen Investitionsbank (EIB) weitet sie dieses Limit nun auf 50 Prozent der ausstehenden Anleihen aus.

Firmenanleihen

Um Knappheit zu verhindern, weitet die EZB außerdem die Auswahl der von ihr gekauften Anleihen aus. Im Dezember hat sie das Sortiment bereits um Anleihen von Regionen und Kommunen im Euro-Raum erweitert. Nun kauft sie außerdem auch von in Euro notierenden Unternehmensanleihen mit gutem Rating (Investment Grade).

Kredite zum Traumtarif

Die EZB weitet ihr Programm aus, mit dem sie Banken zu sehr günstigen Konditionen langfristig Geld leiht, wenn sie mehr Kredite vergeben. Ab Juni sollen vier spezielle Kreditlinien – im Fachjargon TLTRO II genannt – für die Finanzinstitute mit einer Laufzeit von vier Jahren aufgelegt werden. Die Kosten orientierten sich am Einlagenzins, den die EZB jetzt auf minus 0,4 Prozent gesenkt hat. Banken können also Geld damit verdienen, sich Geld zu leihen.

Bereits seit 2014 bieten die Währungshüter gezielte Geldspritzen an. Sie sollen Geschäftsbanken dazu bewegen, mehr Kredite an Firmen zu vergeben. Allerdings brauchen viele Banken gar nicht mehr Liquidität. Dies hilft deshalb wohl lediglich einigen angeschlagenen Instituten.

Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) hatten Ende Februar in Shanghai ihre Zusage erneuert, sich gegenseitig keine Abwertungswettläufe zu liefern. Die EZB hatte im März den sogenannten Einlagensatz auf minus 0,4 von zuvor minus 0,3 Prozent weiter nach unten gesetzt. Damit müssen Banken höhere Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der EZB über Nacht Geld parken.

Von

rtr

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