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18.12.2015

10:17 Uhr

Geldpolitik in Japan

Zentralbank behält Billiggeld-Kurs bei

Während die US-Kollegen erstmals seit Jahren wieder die Zinsen anheben, bleibt Japans Notenbank auf ihrem Billiggeld-Kurs. Die aggressive Lockerung dürfte - wie in Europa - vorerst nicht aufhören.

Die Geldschleusen bleiben offen. dpa

Japans Zentralbank-Chef Haruhiko Kuroda

Die Geldschleusen bleiben offen.

TokioJapans Zentralbank hält die Geldschleusen weit geöffnet. Die Bank von Japan (BoJ) beschloss am Freitag nach dem Abschluss zweitägiger Beratungen, die Geldmenge unverändert um jährlich 80 Billionen Yen (rund 602 Milliarden Euro) auszuweiten.

Zugleich wurde der Aufkauf von Staatsanleihen durch neue Maßnahmen ergänzt. So legte Tokioter Notenbank ein Programm auf, um Käufe von Papieren börsengehandelter Investmentfonds - sogenannten ETF (Exchange-traded funds) - um 300 Milliarden Yen pro Jahr zu erhöhen. Bisher wurden für ETF rund drei Billionen Yen jährlich aufgewendet.

Zudem verlängerte die BoJ die Laufzeit ihrer Bestände an Staatsanleihen ab dem kommenden Jahr auf sieben bis 12 Jahre. Bislang haben sie eine Laufzeit von sieben bis 10 Jahren. Auf diese Weise sollen die langfristigen Zinsen niedrig gehalten werden, damit Unternehmen leichter Kredite aufnehmen können.

Die drei Säulen der Abenomics

Säule 1: Geldpolitik (1)

Die Bank of Japan folgt dem Beispiel der Federal Reserve. Mit einem sogenannten „Quantitative Easing“ will die BoJ mittels Anleihenkäufen 80 Billionen Yen beziehungsweise 673 Milliarden Dollar pro Jahr in die Märkte pumpen. Ziel der Anleihenkäufe ist es, die Inflationsrate mittelfristig auf die als stabil geltende Zwei-Prozent-Marke zu treiben.

Geldpolitik (2)

Die Maßnahmen wirken sich auf die Teuerung aus, allerdings nur mit Verzögerungen. Jüngst erst musste Japans Regierung unter Shinzo Abe ihr Inflationsziel von zwei Prozent auf die erste Hälfte des Haushaltsjahres 2016/2017 verschieben. „Ausschlaggebend wird sein, ob die Erhöhung der Löhne den privaten Konsum antreiben kann und damit die Preise erhöht“, erklärt Daiju Aoki von der Schweizer Grioßbank UBS. „Wir sehen bisher eine klare Kluft zwischen dem optimistischen Ausblick der BoJ und den aktuellen Preisen.“

Säule 2: Fiskalische Maßnahmen (1)

Die Bank of Japan nimmt im Unterschied zur EZB und der Fed direkten Einfluss auf die öffentlichen Ausgaben. Mit kreditfinanzierten Konjunkturprogrammen werden Infrastrukturprojekte, wie zum Beispiel der Bau von Brücken, Tunneln und erdbebensicheren Straßen unterstützt. An den Gesamtausgaben der öffentlichen Hand in Höhe von 20,2 Billionen Yen beziehungsweise 210 Milliarden Dollar beteiligt sich die japanische Notenbank mit rund 10,3 Billionen Yen.

Fiskalische Maßnahmen (2)

Die Ausgaben sollen das Bruttoinlandsprodukt Japans 2015 auf 2,0 Prozent anheben. Allerdings wurde auch diese Prognose nach unten korrigiert. Ursprünglich ist die japanische Regierung von einem BIP-Wachstum von 2,1 Prozent ausgegangen. Die fiskalischen Maßnahmen sollen außerdem auf dem Arbeitsmarkt für frischen Wind sorgen. Schätzungen der Notenbank zufolge sollen die direkten Investitionshilfen mittelfristig circa 600.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Säule 3: Strukturreformen (1)

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe setzt sich für eine Liberalisierung der Märkte ein. Dafür wurden die Besteuerung der Unternehmen und die Regulierungen gesenkt. Um die geringen Einnahmen zu kompensieren und die Staatsverschuldung zu reduzieren, soll allerdings die Mehrwertsteuer von fünf auf zehn erhöht werden. Unklar ist, wie sich diese Erhöhung langfristig auf das Konsumverhalten der Japaner auswirken wird. Kurzfristig hatte die Anpassung auf acht Prozent die Konsumausgaben spürbar gesenkt.

Strukturreform (2)

Darüber hinaus soll es künftig flexiblere Beschäftigungsmodelle geben. Unter anderem verspricht sich die Regierung, so auch die Erwerbsquote der Frauen zu erhöhen. Außerdem soll die Attraktivität Japans als Finanzplatz erhöht werden. Dafür wird der Finanzsektor weiter liberalisiert. Hier geht Japan einen anderen Weg als die Europäische Union oder die USA.

Nach Einschätzung von Experten will die Notenbank mit der Verlängerung der Anleihe-Laufzeiten demonstrieren, dass man vorerst beim Ankurbeln der Wirtschaft nicht nachlassen will. Das Vorgehen der Bank von Japan steht im Gegensatz zur Strategie der US-Zentralbank, die kürzlich erstmals seit 2006 die Zinsen wieder angehoben hatte. Ähnlichkeiten gibt es zum Verhalten der Europäischen Zentralbank (EZB), die die Märkte ebenfalls weiterhin mit billigem Geld flutet.

Ob es zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik in Japan im Januar kommt, wie in Marktkreisen zuletzt spekuliert worden war, bleibt abzuwarten. Die Wirtschaft des Landes habe sich moderat erholt, befanden die Notenbanker. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Dank der Investitionsbereitschaft vieler Firmen konnte die japanische Wirtschaft im dritten Quartal ein Abrutschen in eine erneute Rezession vermeiden.

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Seit gut zwei Jahren pumpt Japans Premier Abe billiges Geld in den Markt. Mit Erfolg. Preise und Konjunktur ziehen an. Auch der Aktienmarkt erreicht einen Rekord nach dem anderen. Wo Vermögensverwalter jetzt investieren.

Nach Berechnungen der Regierung legte die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt zwischen Juli und September um eine hochgerechnete Jahresrate von 1,0 Prozent zu. Dennoch kommt Japans Konjunktur nicht richtig in Schwung, unter anderem weil die Verbraucher sparsam bleiben. Hinzu kommt der Verfall der Ölpreise, der es der BoJ erschwert, ihr Inflationsziel von 2 Prozent zu erreichen.

Die Tokioter Börse reagierte zunächst mit kräftigen Kursgewinnen auf die überraschende Entscheidung der BoJ. Der Nikkei-Index für 225 führende legte kurzzeitig um mehr als zwei Prozent zu, sackte danach aber in Folge von Gewinnmitnahmen wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 19.000 Punkten ab. Am Ende notierte er einen deutlichen Abschlag von 1,90 Prozent bei 18 986,80 Punkten.

Von

dpa

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