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18.07.2017

14:40 Uhr

Geldpolitik

Investoren erwarten griechische Bondemission

Investoren bereiten sich auf eine mögliche Rückkehr Griechenlands an den Bondmarkt vor. Damit könnte eine beinahe dreijährige Abwesenheit zu Ende gehen, in der das Land sich seinen Weg vom Beinahe-Grexit zurück kämpfte.

Das Land habe es nicht eilig, bald an den Kapitalmarkt zurückzukehren, sagte der griechische Finanzminister. Reuters

Euclid Tsakalotos

Das Land habe es nicht eilig, bald an den Kapitalmarkt zurückzukehren, sagte der griechische Finanzminister.

AthenDie Regierung zahlte am Montag einen dreijährigen Bond über 2,1 Milliarden Euro zurück, ohne sich dabei des Kapitalmarkts zu bedienen, sagen mit dem Vorgang vertraute Personen. Die Rückzahlung der Anleihe erfolgte aus Mitteln des Rettungsfonds, sagen die Personen, die nicht namentlich genannt werden möchten, da sie sich nicht öffentlich äußern dürfen. Zwar hat Griechenland bisher nicht signalisiert, ob und wann das Land bereit ist erneut Anleihen zu platzieren. Auch lassen griechische Offizielle verlautbaren, dass das Land über ausreichend Mittel aus den jüngsten Rettungspaketen verfügt, um fällige Schulden zu bezahlen. Indes sind Investoren ganz aufgeregt über ein mögliches Comeback an den Markt.

„Es sieht so aus, als stünde es unmittelbar bevor und wäre ein positives Signal an den Markt, dass die Krise vorbei ist“, sagt Diego Ferro, Co-Chief Investment Officer bei Greylock Capital Management in New York via E-Mail. Greylock investiert in unterbewertete, problembehaftete und Hochzins-Anlagen und verwaltet 1 Milliarde Euro.

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Tsipras hat sich durchgesetzt: Auf den Straßen protestieren Bürger, Streiks legen Teile des Landes lahm – aber er hofft, dass Griechenlands Gläubiger den Schuldenberg verringern, wenn seine Regierung spart.

Zuletzt emittierte Griechenland im Juli 2014 Anleihen, während sich das Land unter dem damaligen Ministerpräsidenten Antonis Samaras einer kurzen Periode des Marktzugangs erfreute. Es blieb das einzige Mal seit der Rettung des Landes durch die Eurozone und den Internationalen Währungsfonds 2010.

Griechenlands Finanzbedarf ist bis August 2018 über das Rettungspaket gedeckt und das Land habe es nicht eilig, bald an den Kapitalmarkt zurückzukehren, sagte Finanzminister Euclid Tsakalotos im vergangenen Monat. Dennoch wären die günstigen Marktbedingungen eine Möglichkeit, Zugriff auf private Geldgeber herzustellen, um zu vermeiden, dass Griechenland ein weiteres Rettungspaket - es wäre dann das vierte - benötigt, sobald das aktuelle ausläuft.

Griechenland könnte möglicherweise einen 5-jährigen Bond im Volumen von zwei bis vier Milliarden Euro emittieren, was den Rückzahlungen im Laufe dieser Woche entspricht, schrieben die UBS-Strategen um Norbert Aul in einer Kundenmitteilung am Montag.

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Der Kraftakt von Luxemburg

Nach sieben Jahren Dauerkrise hofft Griechenland, bald wieder auf eigenen Füßen zu stehen. Aber noch ist es auf frische Milliarden seiner Partner angewiesen. Seit Monaten währte das Gefeilsche, und am Ende wurde die Zeit mal wieder knapp. Aber letztlich schaffte die Eurogruppe am Donnerstatabend in Luxemburg den Kraftakt und wendete eine neue Krise ab. Griechenland bekommt frisches Geld, und zwar rechtzeitig, bevor wieder das Schreckgespenst der Staatspleite umgeht. Schon im Juli soll die Auszahlung von 8,5 Milliarden Euro beginnen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zeigte sich am Donnerstagabend zufrieden mit den Beschlüssen. „Ich glaube, wir haben insgesamt eine vernünftige Linie erreicht“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Quelle: dpa

Worum geht es?

Für den völlig überschuldeten Eurostaat Griechenland wurde 2015 kurz vor der Staatspleite ein Rettungspaket von bis zu 86 Milliarden Euro geschnürt, das bis 2018 läuft. Knapp 32 Milliarden Euro sind bereits ausgezahlt, nun ging es um die nächste Tranche. Etwas mehr als sieben Milliarden Euro muss die Regierung in Athen im Juli bei internationalen Gläubigern abzahlen. Das übrige Geld soll Außenstände decken, die die Regierung bei Auftragnehmern im eigenen Land hat.

Was mussten die Griechen dafür tun?

Die Hilfsgelder sind an Sparprogramme, Privatisierungen und Strukturreformen geknüpft. Einzelne Tranchen fließen nur, wenn die beteiligten Institutionen - die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank, der Eurorettungsschirm ESM und der Internationale Währungsfonds (IWF) - Reformfortschritte beglaubigen. 140 Forderungen musste Athen erfüllen. Zuletzt wurde ein weiteres hartes Sparprogramm im Umfang von knapp fünf Milliarden Euro beschlossen. Die Renten sollen vom 1. Januar 2019 an um bis zu 18 Prozent gekürzt werden. Vom 1. Januar 2020 an soll der jährliche Steuerfreibetrag von 8636 Euro auf 5700 Euro sinken. Damit sind die Gläubiger zufrieden. „Griechenland hat geliefert“, betonte die EU-Kommission.

Wo lag dann das Problem?

Die Beteiligten waren zerstritten über eine grundsätzliche Frage: Kann Griechenland seinen Schuldenberg von derzeit 180 Prozent der Wirtschaftsleistung ohne zusätzliche Hilfe jemals wieder abtragen? Die Prognose dazu hängt von vielen Faktoren ab, vor allem vom Wirtschaftswachstum und von der Haushaltsdisziplin. Der IWF geht von nur einem Prozent Wachstum im Schnitt der nächsten Jahre aus und kommt zu dem Schluss: Die Schuldenlast ist nicht tragfähig. Ergo verlangt die Washingtoner Institution Erleichterungen für Athen, bevor sie frisches Geld gibt. Schäuble glaubt an höheres Wachstum und will erst 2018 prüfen, ob gegebenenfalls Erleichterungen nötig sein könnten. Allerdings wollte Schäuble den IWF für das Programm unbedingt mit an Bord haben. Und das erreichte er am Ende auch.

Wie sieht die Lösung aus?

Gefunden wurde eine Kompromissformel: Der IWF sagt offiziell seine Beteiligung zu, zahlt aber erst, wenn der Schuldenstreit beigelegt ist - also erst 2018, wenn klarer wird, welche Prognosen eintreffen. Schäuble hofft, dass es Griechenland dann so gut geht, dass weitere Schuldenerleichterungen nicht nötig sind. Gemeint sind die Stundung von Zinsen oder die Streckung der Tilgung.

Ist das Problem damit gelöst?

Zumindest vorerst. Zwar wollte auch Griechenland dringend Erleichterungen beim Schuldendienst, kam damit aber nicht wesentlich weiter. Die Interessenlage ist klar: Jede Milliarde an Zinsen oder Tilgung, die Athen nicht oder erst später zahlen muss, gibt dem Land mehr Spielraum. Für die Bundesregierung verhält es sich umgekehrt: Jede Milliarde, die nicht zurückgefordert wird, schürt innenpolitisch Unmut. Schäubles Ministerium hat neulich gerechnet und ließ durchsickern, dass eine Stundung von Zinsen die Schuldner bis 2040 bis zu 120 Milliarden Euro kosten könnte. Vor der Bundestagswahl sollte es keine Festlegung mehr geben. Und genau so ist es gekommen.

Was wurde vereinbart?

Die Euro-Finanzminister einigten sich nun lediglich darauf, etwas genauer zu sagen, was sie 2018 an Erleichterungen ins Auge fassen könnten, wenn es denn nötig würde. Aufgenommen wurde dabei eine sogenannte Wachstumsklausel, die der neue französische Finanzministers Bruno Le Maire ins Spiel gebracht hatte: Sollte die griechische Wirtschaft, wie von Berlin erwartet, in den kommenden Jahren deutlich wachsen, zahlt Athen mehr Schulden zurück. Kommt es zu der vom IWF befürchteten Flaute, dann erhält Athen Erleichterungen.

Die Bundesregierung ist mit dem Vorschlag einverstanden. Und auch der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras war angetan, obwohl nicht sofort Schuldenerleichterungen in Aussicht stehen. Denn Tsipras steht wegen der harten Reformen innenpolitisch unter starkem Druck. Er brauchte einen Erfolg und ein positives Signal, um die Wirtschaft anzukurbeln und die Arbeitslosigkeit abzubauen.

Die Aussicht auf eine Emission in dieser Woche schwinden, nachdem Kathimerini am Dienstag berichtete, die Regierung habe beschlossen abzuwarten, bis der IWF seine neuste Schuldentragfähigkeitsanalyse veröffentlicht hat. Der IWF, der sich regelmäßig für weitere Schuldenerleicherungen ausgesprochen hat, wird seinen Bericht am Donnerstag, nach dem Treffen des Executive-Board, veröffentlichen.

“Der Markt würde ein Comeback begrüßen" sagt, Alberto Gallo, Leiter Makro-Strategie bei Algebris Investments in London. “Es ist ein kleiner Schritt, aber symbolisch und ein Zeichen dafür, dass das Land langsam wieder auf eigenen Beinen steht”.

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