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11.02.2016

13:21 Uhr

Geldpolitik

Schweden senkt Leitzins auf Rekordtief

Die Inflation kommt nicht in Gang. So sieht die Riksbank keine andere Möglichkeit, als den Leitzins noch weiter ins Minus zu drücken. Kritiker fürchten eine steigende Gefahr einer Kreditblase.

Unter der Leitung ihres Präsident, Stefan Ingves, haben die Währungshüter der schwedischen Zentralbank den Leitzins weiter ins Minus gedrückt. Reuters

Stefan Ingves

Unter der Leitung ihres Präsident, Stefan Ingves, haben die Währungshüter der schwedischen Zentralbank den Leitzins weiter ins Minus gedrückt.

StockholmDie schwedische Zentralbank senkt ihren Leitzins im Kampf gegen die hartnäckig niedrige Inflation auf ein Rekordtief. Der Zinssatz werde von minus 0,35 auf minus 0,5 Prozent zurückgenommen, teilte die Riksbank am Donnerstag in Stockholm mit. Ökonomen hatten lediglich eine Senkung auf minus 0,45 Prozent erwartet. „Die Phase der niedrigen Inflation dauert länger“, begründeten die Währungshüter ihren Schritt. „Das erhöht die Gefahr, dass das Vertrauen in das Inflationsziel nachlässt.“ Seit mehr als fünf Jahren liegt die Teuerungsrate nun schon unter der angestrebten Zwei-Prozent-Marke – trotz rekordniedriger Zinsen und einem massiven Anleihekaufprogramm.

Die Riksbank, der Stefan Ingves als Präsident vorsitzt, will deshalb bei Bedarf in den Devisenmarkt eingreifen. Sollte die heimische Krone so stark aufwerten, dass dadurch die Inflation gedrückt werde, sei man zum Handeln bereit. Je stärker die Währung, desto günstiger können Waren importiert werden. Das wiederum dämpft den Preisauftrieb. Wie auch die Europäische Zentralbank (EZB) will die Riksbank der Gefahr eine Deflation begegnen – eines Preisverfalls auf breiter Front, bei dem Gewinne und Investitionen von Unternehmen sinken, was zu einer langen Wirtschaftskrise führen kann. Sie signalisierte deshalb „ein hohes Maß an Bereitschaft“, die Geldpolitik bei hartnäckig niedriger Teuerung weiter zu lockern.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Kritiker werfen der Riksbank vor, mit ihrer Politik die Gefahr einer Kreditblase zu erhöhen. Durch das billige Geld drohen vor allem am Immobilienmarkt übermäßige Preissteigerungen. Allein im Dezember wuchs die Kreditvergabe an schwedische Haushalte um 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Zinssenkung drückte die Landeswährung. Ein Euro verteuerte sich um bis zu 1,6 Prozent auf 9,61 Kronen. Damit kostete die Krone so wenig wie seit mehr als fünfeinhalb Monaten nicht mehr. „Der deutliche Zinsschritt kam überraschend und die Krone muss darauf reagieren“, sagte Experte Richard Falkenhall vom Geldhaus SEB. „Wenn sich der Rauch verzogen hat, werden große Investoren und einige Unternehmen wohl zugreifen und Kronen auf diesem günstigen Niveau kaufen.“

Am Bondmarkt fielen die Renditen der zweijährigen Staatsanleihen auf ein Rekordtief von minus 0,633 Prozent. Am schwedischen Aktienmarkt verlor der Leitindex in einem europaweit schwachen Umfeld knapp drei Prozent.

Von

rtr

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