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15.09.2016

11:24 Uhr

Geldpolitik

Schweizer Notenbank hält trotz Kritik an Negativzins fest

Die Schweizerische Nationalbank hat ihre Bereitschaft zu Stützungskäufen am Devisenmarkt bekräftigt. Der Franken solle für die Exportindustrie geschwächt werden. Von den Negativzinsen weicht sie nicht ab.

Die SNB lässt ihre Zinsen unverändert. Reuters

Schweizer Notenbank

Die SNB lässt ihre Zinsen unverändert.

ZürichDie Schweizerische Nationalbank (SNB) weicht trotz zunehmender Kritik nicht von ihren rekordtiefen Negativzinsen ab. Damit will sie den aus ihrer Sicht deutlich überbewerteten Franken für Anleger weniger attraktiv machen und die Wirtschaft ankurbeln, wie die Währungshüter am Donnerstag nach ihrer vierteljährlichen Zinsentscheidung erklärten. Das Zielband für den Referenzzins Dreimonats-Libor beließen sie unverändert bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent. Die Sichteinlagen der Banken bei der SNB werden weiterhin mit 0,75 Prozent belastet.

Allerdings warnte die Zentralbank vor Risiken für die Entwicklung der Weltwirtschaft: „Die Entscheidung Großbritanniens für einen Austritt aus der Europäischen Union hat beachtliche Unsicherheit ausgelöst und macht die Einschätzung der globalen Konjunkturaussichten schwieriger.“ Daher habe die SNB ihre Konjunkturprognose für Großbritannien und die Euro-Zone nach unten revidiert.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

In der Schweiz gewinnt die Wirtschaft hingegen zunehmend an Fahrt: Die SNB erhöhte ihre Schätzung für das Wachstum im laufenden Jahr auf rund 1,5 Prozent. Zuvor war sie von einer Bandbreite zwischen einem und 1,5 Prozent ausgegangen.

In der Schweiz sind die Zinsen so tief wie nirgends sonst in größeren Volkswirtschaften. In den vergangenen Wochen haben sich Stimmen von Politikern und Ökonomen gemehrt, die ihre Abschaffung fordern. Denn Pensionskassen und Versicherungen haben angesichts der tiefen Zinsen Probleme, die versprochenen Erträge für die Kunden zu erzielen.

Die Negativzinsen sind nicht das einzige Instrument der SNB, um die Währung zu schwächen. Sie verkauft darüber hinaus Franken, um dieses Ziel zu erreichen. Die Zentralbank sei „bei Bedarf weiterhin am Devisenmarkt aktiv“, bekräftigte die SNB. Ein starker Franken macht Produkte der Schweizer Exportindustrie auf den Weltmärkten teurer.

Experten hatten mit einer unveränderten Geldpolitik der SNB gerechnet. Der Zins habe nun wahrscheinlich seine Talsohle erreicht, erklärte Andreas Ruhlmann, Experte vom Broker IG Bank. Die Analysten des Anleihemanagers Bantleon halten hingegen eine weitere Zinssenkung zum Jahresende für möglich. „Dies dürfte vor allem dann geschehen, wenn sich die Konjunktur in der Euro-Zone weiter abschwächt und die EZB als Konsequenz daraus im Dezember 2016 ein klares geldpolitisches Signal setzen muss.“

Besonderes Augenmerk schenkt die SNB dabei dem Wechselkurs zum Euro. Am Donnerstag kostete die Gemeinschaftswährung beinahe unverändert 1,0955 Franken. Der Franken gilt bei Investoren als sicherer Hafen in Krisenzeiten.

Von

rtr

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