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08.01.2014

21:18 Uhr

Geldpolitik

US-Notenbank hat Lust auf Anleihekäufe verloren

Im Dezember hatte die US-Notenbank Fed beschlossen, ihre Anleihekäufe einzudämmen. Das Protokoll der Sitzung zeigt: Die Notenbanker zeigen sich darin besorgt über Risiken für die finanzielle Stabilität.

Das Gebäude der Fed in Washington, D.C. Im Dezember hatte der Offenmarktausschuss die monatlichen Aufkäufe von 85 Milliarden Dollar auf 75 Milliarden Dollar reduziert. AFP

Das Gebäude der Fed in Washington, D.C. Im Dezember hatte der Offenmarktausschuss die monatlichen Aufkäufe von 85 Milliarden Dollar auf 75 Milliarden Dollar reduziert.

WashingtonVertreter der US-Notenbank haben bei ihrem letzten Treffen im vergangenen Jahr abnehmende konjunkturelle Vorteile aus dem monatlichen Anleiheaufkaufprogramm gesehen und sich besorgt über Risiken für die finanzielle Stabilität gezeigt. Das geht aus dem Sitzungsprotokoll hervor, das am Mittwoch veröffentlicht wurde.

„Eine Mehrheit der Teilnehmer kam zu dem Schluss, dass die marginale Wirkungskraft der Aufkäufe wahrscheinlich abnimmt, wenn die Aufkäufe weitergehen“, heißt es in dem Protokoll zur Sitzung des Offenmarktausschusses vom 17. und 18. Dezember im vergangenen Jahr. Darüber hinaus waren die Teilnehmer „über die Grenzkosten zusätzlicher Asset-Aufkäufe besorgt, die sich aus den Risiken für die Finanzstabilität ergeben.“ Sie beriefen sich dabei auf das Potenzial für das „exzessive Eingehen von Risiken im Finanzsektor“.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

Offenbar gab es einzelne Forderungen aus dem Kreis der Notenbanker nach einem stärkeren Abbau der Geldspritzen und einem früheren Ausstieg aus dem Programm. Zugleich hatte sich ein Mitglied gegen eine Drosselung gestemmt. Viele Teilnehmer hätten sich aber dafür ausgesprochen, einen Mittelweg zu wählen, um die Märkte nicht zu verschrecken. Sie wollten damit verhindern, dass die Verringerung "als Signal fehlinterpretiert" würde, dass die Fed eine frühere Abkehr von der konjunkturstimulierenden Geldpolitik plane als bislang angenommen.

Der Ausschuss hatte im Dezember die monatlichen Aufkäufe von 85 Milliarden Dollar auf 75 Milliarden Dollar reduziert und dies mit der verbesserten Lage am Arbeitsmarkt begründet. Mit sieben Prozent war die Arbeitslosenquote auf ein Fünf-Jahres-Tief gefallen. Den Leitzins ließen die Notenbanker nahe null. Die Fed hat ein Mandat zur Wahrung der Preisstabilität und zur Förderung von Vollbeschäftigung, von der die USA bei einer Arbeitslosenrate von 7,0 Prozent aber noch weit entfernt sind.

Die Währungshüter werden sich das nächste Mal am 28. und 29. Januar treffen. Dabei wird es um die Frage gehen, inwiefern das Tempo der Anleiheaufkäufe weiter reduziert werden soll, während die Konjunktur an Kraft gewinnt. Das Sitzungsprotokoll enthält dafür keinen festgelegten Fahrplan.

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