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16.01.2011

10:00 Uhr

Geldpolitik

"Wir sind wie ein Alkoholkranker"

VonPhilip Faigle
Quelle:Zeit Online

Durch die Abkehr von der Goldpreisbindung hat sich die Menge des Geldes seit den siebziger Jahren stark vermehrt. Diese Geldschwemme führt zu immer neuen Krisen, warnt der Schweizer Ökonom Hans Christoph Binswanger im Interview und fordert radikale Reformen.

Bündel von Euro-Noten: Die Geldschwemme führt zu immer neuen Krisen, warnt der Ökonom und Wachstumskritiker Hans Christoph Binswanger. dpa

Bündel von Euro-Noten: Die Geldschwemme führt zu immer neuen Krisen, warnt der Ökonom und Wachstumskritiker Hans Christoph Binswanger.

ZEIT ONLINE: Herr Binswanger, hat man es als Wachstumskritiker in einer Zeit, in der die Welt nur knapp einer Depression entkommen ist, leichter oder schwerer als sonst?

Hans Christoph Binswanger: Ich fürchte schlicht, dass es noch ein, zwei Krisen braucht, bis wir erkannt haben, dass wir auf ernste Probleme zusteuern.

Was kritisieren Sie?

Der moderne Kapitalismus basiert in immer stärkerem Maße auf dem Prinzip der Geldschöpfung. Durch die Abkehr von jeglicher Goldbindung Ende der siebziger Jahre wurde der Geldvermehrung freier Lauf gelassen. Die Banken können fast unbegrenzt Kredite in die Welt setzen und damit Buchgeld schaffen, also Guthaben auf den Girokonten, über die heute jeder verfügt. Die Geldmenge ist dadurch rapide gewachsen. Gegenwärtig sind nur noch rund fünf Prozent des Geldes Banknoten der Zentralbank, rund 95 Prozent ist Buchgeld der Banken. Das Geld wandert um den Globus und führt zu Spekulation, Rivalität und Krisen...

... und es dient dazu, Unternehmen zu finanzieren, die mit ihrer Idee an den Markt wollen.

Teilweise. Ein immer größerer Teil fließt heute in die Finanzwirtschaft. Deshalb entstehen die spekulativen Blasen, die, wenn sie platzen, Wirtschaftskrisen zur Folge haben. In der Finanzwirtschaft sitzen auch die Profiteure. Noch im Jahr 1980 lag das Verhältnis der Einkommen eines Arbeiters zu den höchsten Einkommen in den USA bei 1:41. Heute beträgt es 1:560. Die uferlose Geldschöpfung hat vor allem jenen genutzt, die im Finanzsektor engagiert waren.

Die Zentralbanken erschaffen seit der Krise noch mehr Geld, um die Wirtschaft zu stützen.

Ja. Eine gefährliche Entwicklung. Es mag uns kurzfristig vor dem Absturz bewahren, langfristig aber bringt es uns immer größere Probleme.

Warum?

Weil unsere Abhängigkeit vom Geld weiter wächst. Wir sind wie ein Alkoholkranker. Der bekommt qualvolle Entzugserscheinungen, wenn man ihm den Alkohol entzieht. Würden die Zentralbanken die Zinsen stark erhöhen und die Geldschöpfung plötzlich bremsen, würde es uns ähnlich ergehen. Das System würde kollabieren. Deshalb sieht sich die Zentralbank gezwungen, immer mehr Geld bereitzustellen. Das aber macht das System noch krisenanfälliger. Ein Teufelskreis. Es werden sich weitere Blasen bilden, die irgendwann platzen und großen Schaden anrichten.

Kommentare (31)

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Ludwig von Mises

16.01.2011, 11:52 Uhr

Exzellenter beitrag. Die Wurzeln des Übels gehen aber aus nationalökonomischer Sicht weiter zurück:

-Politiker brauchen Geld und Kredit, um Wahlversprechen einzulösen sowie ihre Staatsbediensteten mitsamt Pensionsansprüchen und Gesundheitskosten alimentieren zu können
- Geld und Kredit können nur von banken zur Verfügung gesstellt werden.

Daher muss jede Verflechtung zwischen politischen Machtstrukturen und banken (auch Zentralbanken) durchbrochen werden, um die von Herrn binswanger dargestellte Krankheit zu eliminieren. Am krassesten ist diese Verflechtung in den USA zu sehen, jedoch im April 2010 hat die EZb sich erstmals einem politischen Diktat zur Rettung eines Pleitestaates unterworfen, was den EUR nunmehr zum Status einer Weichwährung wie GbP und USD verdammt hat. Wer das nicht glaubt, sollte den Goldpreis in EUR im Zeitverlauf der letzten 8 Jahre betrachten.


herbert

16.01.2011, 12:07 Uhr

Guter beitrag , aber was soll es nutzen? Die Ganoven sitzen immer noch in den banken und in der Politik. Geschützt werden diese Leute durch unser Gesetz. Motto - Es ist vollkommen egal welchen Schaden du anrichtest , das Gesetz stellt eines sicher - gehe niemals für das was du anstellst vor den Kadi oder in das Gefängnis.

analytiker

16.01.2011, 12:09 Uhr

• Die Finanzpolitik des Wohlfahrtstaates macht es erforderlich, dass es für Vermögensbesitzer keine Möglichkeit gibt, sich zu schützen. Dies ist das schäbige Geheimnis, dass hinter der Verteufelung des Goldes durch die Vertreter des Wohlfahrtstaates steht. Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für die "versteckte" Einteignung von Vermögen. Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess. Es beschützt Eigentumsrechte.
Wenn man das einmal verstanden hat, ist es nicht mehr schwer zu verstehen, warum die befürworter des Wohlfahrtstaates gegen den Goldstandard sind. (Allan Greenspan 1966 Gold und Wirtschaftliche Freiheit)

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