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14.09.2012

09:22 Uhr

Geldschleusen geöffnet

US-Notenbank befeuert die Aktienmärkte

VonNils Rüdel

QE 3“ ist da: Die US-Notenbank hat ein weiteres Stützungsprogramm für die Wirtschaft beschlossen. Das hilft dem Euro und dem Goldkurs - und beflügelt weltweit die Börsen. Der Dax steigt auf ein Jahreshoch.

Die Reaktionen auf die dritte Welle an Stützungskäufen der US-Notenbank zugunsten der Konjunktur fallen unterschiedlich aus.

Die Reaktionen auf die dritte Welle an Stützungskäufen der US-Notenbank zugunsten der Konjunktur fallen unterschiedlich aus.

WashingtonMonate hatten die Märkte begierlich gewartet, und immer wieder spannte sie Ben Bernanke auf die Folter: Noch, sagte der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) dann regelmäßig, noch sei die Zeit nicht reif für ein neues, milliardenschweres Hilfspaket für die schwächelnde Konjuntur, für das so genannte „Quantitativ Easing 3“ (QE 3). Würde es also jemals kommen?

Es kommt. Und zwar in Form eines milliardenschweren Programms zum Ankauf von Anleihen. So will die Fed unter anderem bis Jahresende pro Monat für 40 Milliarden Dollar Immobilienpapiere ankaufen, um den schwächelnden Häusermarkt zu stärken, wie der Offenmarktausschuss am Donnerstag nach seiner Sitzung in Washington mitteilte.

Analysten-Reaktionen auf die Fed-Entscheidung

Jeff Savage, Wells Fargo Private Bank

„Die Märkte sind in einer anderen Situation zum Beginn von QE3 [dem dritten Lockerungsprogramm der Federal Reserve, Anm. d. Redaktion] im Vergleich zu QE2 und QE1. Es wird ein wenig schwieriger einen Schub nach oben zu geben mit demselben Werkzeug.“

Chris Jarvis, Caprock Risk Management

„Die Tatsache, dass die Fed nur Immobilienbonds kauft und keine zusätzlichen Staatsanleihen, wird einige Marktteilnehmer enttäuschen“

Anthony Valeri, LPL Financial

„Die Fed hat weniger geliefert als erwartet. Das ist kein vollständiges QE3-Programm. Sie haben nur ihren Zeh ins Wasser gehalten.“

William Larkin, Cabot Money Management

„[Der Schritt] schafft einen bedenklichen Inflationsausblick ... Meine größte Frage ist, was wird mit der Inflation passieren in zwei Jahren?“

Die Aktienmärkte in Amerika reagierten darauf bereits am Donnerstag mit deutlichen Kursgewinnen. Am Freitag beflügelte die Aktion die Börsen in Fernost. Der Nikkei-Index legte um mehr als zwei Prozent zu. Auch der Dax dürfte mit starken Kursgewinnen in den Präsenzhandel starten. Vorbörslich liegt das Marktbarometer bei 7.400 Punkten, zur Börseneröffnung erreichte der Index 7.428 Punkte. Das sind über 100 Punkte mehr als zum Schluss des Präsenzhandels am Donnerstag. Der Dax erreichte damit ein Jahreshoch - gleichzeitig ist dies das höchste Niveau seit dem ersten Halbjahr 2011.

Auch der Goldkurs und der Euro profitierten von der Fed-Entscheidung. Gold ist mit 1775 Dollar so teuer wie seit dem Frühjahr nicht mehr. Der Euro steigt erstmals seit Mai wieder über 1,30 Dollar.

US-Notenbank

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Neu an dem Fed-Programm ist: Anders als bei QE 1 und QE 2 soll das Programm theoretisch unbegrenzt weiterlaufen, sollte die Konjunktur Ende des Jahres nicht wieder deutlich an Fahrt aufgenommen haben. „Wir wollen erst mehr Jobs sehen, eine niedrigere Arbeitslosigkeit, mehr Wachstum“, sagte Bernanke auf einer Pressekonferenz auf die Frage, warum die Fed diesmal keine zeitliche Grenze gesetzt hat. Selbst wenn die Arbeitslosenrate zurückzugehen beginne, „werden wir es nicht eilig haben“, die Programme schnell zurückzufahren.

Zudem wollen die Notenbanker ihren bei faktisch null Prozent liegenden Leitzins bis Mitte 2015 nicht erhöhen. Die Wirtschaft erhole sich „in moderatem Tempo“, heißt es in der Mitteilung der Fed. Schneller sogar, als die Notenbanker zuvor angenommen hatten: Im kommenden Jahr werde die Wirtschaft statt um 2,2 bis 2,8 Prozent nun um 2,5 bis 3 Prozent wachsen. Für 2014 rechnet die Fed nun mit bis zu 3,8 Prozent (vorher 3 bis 3,5 Prozent).

Das sind die wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt

Platz 1

Hongkong

Platz 2

USA

Platz 3

Schweiz

Platz 4

Singapur

Platz 5

Schweden

Platz 6

Kanada

Platz 7

Taiwan

Platz 8

Norwegen

Platz 9

Deutschland

Platz 10

Katar

Quelle

IMD-„World Competitiveness Ranking“ 2012.

Die Schweizer Business-School IMD veröffentlich seit 1989 jährlich ihr Wettbewerbsranking. Dazu befragen die Wissenschaftler mehr als 4200 internationale Geschäftsleute. Die Länder werden nach über 300 Kriterien bewertet.

Dennoch könnte es sein, dass das Wachstum ohne Konjunkturspritze nicht stark genug ist, „um die Lage auf dem Arbeitsmarkt nachhaltig zu verbessern“, hießt es in der Mitteilung weiter. Der Beschluss des Ausschusses fiel mit nur einer Gegenstimme von Jeffrey Lacker, Gouverneur der Fed von Richmond.

Zur Enttäuschung vieler Investoren sparten sich die Notenbanker allerdings das ganz große Geschütz – weitere massive Staatsanleihenkäufe – noch auf. Schließlich droht zum Jahreswechsel die nächste Unsicherheit: Sollte sich der Kongress bis dahin nicht geeinigt haben, laufen Ende Dezember Steuererleichterungen für viele Amerikaner aus.

Kommentare (57)

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Account gelöscht!

13.09.2012, 18:51 Uhr

Warum reden wir von der Euro-Krise? Der Dollar ist im grunde wesentlich schlechter dran.

ohne_Worte

13.09.2012, 19:15 Uhr

Die [...] machen tatsächlich weiter.
Sie haben immer noch nicht geschnallt, daß das ganze Pumpen wirtschaftlich praktisch nichts gebracht haben.

Blinde Gier ist eine Krankheit. Hätte nie gedacht, daß sie so schlimm ausgeprägt sein könnte ...

+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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Heinrich

13.09.2012, 19:17 Uhr

Und was soll das letztendlich bewirken? N I X ! ! !

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