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07.11.2016

14:14 Uhr

Gelpolitik der EZB

Ökonomen teilen Kritik der Wirtschaftsweisen nicht

VonReuters

Die Wirtschaftsweisen haben in ihrem Jahresgutachten die weit offenen Geldschleusen der Europäischen Zentralbank als nicht mehr angebracht kritisiert. Die meisten Volkswirte sehen das allerdings anders.

Die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank wird schon länger kritisiert. Mario Draghi möchte den Kurs aber beibehalten. dpa

EZB-Präsident Mario Draghi

Die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank wird schon länger kritisiert. Mario Draghi möchte den Kurs aber beibehalten.

FrankfurtDie meisten Volkswirte teilen einer Umfrage zufolge nicht die scharfe Kritik der Wirtschaftsweisen an der ultra-lockeren Geldpolitik der EZB. 78 Prozent der befragten Ökonomen sehen dies anders, wie am Montag aus einer Erhebung des britischen Forschungsinstituts CFM hervorgeht. Die Wirtschaftsweisen hatten vergangene Woche in ihrem Jahresgutachten die weit offenen Geldschleusen der Europäischen Zentralbank (EZB) als nicht mehr angebracht kritisiert und ein vorzeitiges Ende der vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe gefordert. An der Umfrage des Centre for Macroeconomics (CFM) nahmen 64 Volkswirte teil.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Die EZB hat den Leitzins auf das Rekordtief von 0,0 Prozent gesenkt. Die Währungshüter erwerben außerdem seit März 2015 Staatsanleihen der Euro-Länder. Das Gesamtprogramm ist auf 1,74 Billionen Euro angelegt und soll zusammen mit den Niedrigzinsen die Konjunktur ankurbeln und für mehr Inflation sorgen. Denn die Notenbank strebt als Idealwert für die Wirtschaft eine Teuerungsrate von knapp zwei Prozent an. Davon ist sie aber weit entfernt: Im Oktober zogen die Verbraucherpreise im Euro-Raum gerade einmal um 0,5 Prozent an.

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