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21.09.2016

16:16 Uhr

Global Wealth Report

Die fetten Jahre sind vorbei

VonAnke Rezmer, Susanne Schier

Das weltweite Geldvermögen steigt weiter – wenn auch langsamer als zuvor. Die gute Nachricht: Weltweit wächst vor allem die Mittelschicht. Die schlechte Nachricht: In Deutschland verschenken die Anleger viel Geld.

Vor allem in Südeuropa werden die Menschen nur langsam reich. In Asien dagegen wächst das Vermögen zweistellig. dpa

Vermögen wächst langsamer

Vor allem in Südeuropa werden die Menschen nur langsam reich. In Asien dagegen wächst das Vermögen zweistellig.

FrankfurtDas weltweite Geldvermögen wächst – allerdings so langsam wie seit 2011 nicht mehr. So ist das Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte im Jahr 2015 nur noch um 4,9 Prozent auf den Rekordwert von 155 Billionen Euro gestiegen, wie die Allianz in ihrem „Global Wealth Report“ mitteilt.

In den drei Vorjahren hatte der Zuwachs im Schnitt noch neun Prozent betragen. Chefvolkswirt Michael Heise betont: „Die fetten Jahre scheinen vorbei zu sein, das relativ geringe Wachstum wird sich fortsetzen.“ Für das Jahr 2016 erwartet der Versicherungskonzern einen Geldvermögenszuwachs von vier Prozent.

Die Gründe für die schwächere Entwicklung sind vielfältig: Vor allem die Kurse von Aktien und Anleihen legen nicht mehr so kräftig zu wie zuletzt. Lange hatten die Geldspritzen der großen Notenbanken den Börsenboom befeuert. Inzwischen haben die Schwankungen an den Finanzmärkten aber deutlich zugenommen. „Offensichtlich verliert die extrem expansive Geldpolitik auch als Treiber der Wertpapierpreise langsam an Wirkung“, sagt Heise.

Wo die Schulden auf der Welt am höchsten sind

Nordamerika

Schuldenwachstum 2014: 2,9 Prozent

Schuldenwachstum 2015: 2,7 Prozent

Schulden pro Kopf im Jahr 2015: 41.070 Euro

Quellen: Allianz Wealth Report (Nationale Zentralbanken und Statistikämter, Allianz SE)

Westeuropa

Schuldenwachstum 2014: 1,8 Prozent

Schuldenwachstum 2015: 1,9 Prozent

Schulden pro Kopf im Jahr 2015: 26.240 Euro

Osteuropa

Schuldenwachstum 2014: 5,1 Prozent

Schuldenwachstum 2015: 2,4 Prozent

Schulden pro Kopf im Jahr 2015: 1780 Euro

Asien

Schuldenwachstum 2014: 12,3 Prozent

Schuldenwachstum 2015: 13,1 Prozent

Schulden pro Kopf im Jahr 2015: 2070 Euro

Hinweis: Japan wird in dieser Kategorie nicht gelistet

Japan

Schuldenwachstum 2014: 2,6 Prozent

Schuldenwachstum 2015: 3,5 Prozent

Schulden pro Kopf im Jahr 2015: 24.770 Euro

Ozeanien

Schuldenwachstum 2014: 6,8 Prozent

Schuldenwachstum 2015: 6,6 Prozent

Schulden pro Kopf im Jahr 2015: 55.470 Euro

Lateinamerika

Schuldenwachstum 2014: 12,3 Prozent

Schuldenwachstum 2015: 9,1 Prozent

Schulden pro Kopf im Jahr 2015: 2120 Euro

Neue Mittel flössen nur noch in relativ geringem Umfang in Anleihen und Aktien. „Vor allem in Westeuropa gehen die Mittelzuflüsse zurück“, betont Heise. Rückflüsse aus Wertpapieren parkten die Deutschen zudem häufig auf Konten wegen der geringen Attraktivität von Wertpapieren. „Gleichzeitig rutschen die Zinsen immer tiefer, bis weit in den negativen Bereich. Die Sparer befinden sich in einem echten Dilemma“, resümiert er.

Während das Geldvermögen vor allem in den Industrieländern, aber auch in Emerging Markets wie Lateinamerika weniger wächst, setzt sich Asien – ohne Japan gelistet – von den übrigen Regionen ab. So wächst das Geldvermögen der Asiaten immer noch zweistellig – 2015 mit rund 14,8 Prozent.

Im vergangenen Jahr nahmen Vermögen und Schulden weltweit nahezu gleich stark zu. So spricht Heise denn auch von einem Schuldenwachstum auf „moderatem“ Niveau. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede: Während in Asien auch die Schulden zweistellig zunahmen – um gut 13 Prozent – stiegen die privaten Schulden in Westeuropa gerade mal um knapp zwei Prozent. Das globale Netto-Vermögen legte weltweit gut fünf Prozent zu auf 116,3 Billionen Euro.

Welche Anlageklassen wie wachsen

Bankeinlagen

- Durchschnittliches Wachstum 2012-2014: 6,2 Prozent
- 2015: 5,5 Prozent
- Prognose für 2016: 4,0 Prozent

Quelle: Allianz Global Wealth Report

Wertpapiere

- Durchschnittliches Wachstum 2012-2014: 13,8 Prozent
- 2015: 6,1 Prozent
- Prognose für 2016: 2,5 Prozent

Versicherungen und Pensionen

- Durchschnittliches Wachstum 2012-2014: 6,4 Prozent
- 2015: 3,3 Prozent
- Prognose für 2016: 5,5 Prozent

Der Zuwachs der Netto-Vermögen führt auch zu einer Verbesserung der Vermögensverteilung, wie die Allianz feststellt. „Immer mehr Menschen partizipieren am Wohlstand der Welt“, erklärt Heise. Mehr als eine Milliarde Menschen gehören demnach inzwischen zur Vermögensmittelschicht. „Im Vergleich zum Jahr 2000 gibt es heute dreimal so viele Asiaten, die zur Mittelschicht gehören.“ Insgesamt besitzen damit rund 600 Millionen Asiaten ein Netto-Vermögen zwischen 7000 und 42000 Euro pro Kopf.

Insgesamt hat sich der Anteil der Mittelklasse an der Gesamtbevölkerung seit der Jahrtausendwende von zehn auf 20 Prozent erhöht. Innerhalb der Regionen gibt es allerdings Verschiebungen: So hat der Anteil der Mittelklasse in vielen Industrieländern zuletzt verloren, etwa in Euro-Krisenländern wie Italien, Irland oder Griechenland, aber auch in den USA, Japan und Großbritannien. Dagegen nimmt die Zahl der Menschen in der Mittelklasse vor allem in Schwellenländern zu, etwa in der Türkei, Thailand oder Brasilien.

Kommentare (11)

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Herr Chris Woodley

21.09.2016, 14:36 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Herr Thomas Behrends

21.09.2016, 15:17 Uhr

Die armen Damen und Herren Multi-Millionäre und -Milliardäre !

Ihre Vermögen steigen nicht mehr so wie in den Jahren zuvor.

Ich hoffe inständig, dass wir nicht noch einen Hilfsfonds einrichten müssen 8-) ...

Baron v. Fink

21.09.2016, 15:29 Uhr

Geld nehme ich, Herr Thomas Behrends, immer entgegen.

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