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27.05.2012

12:56 Uhr

Gloria von Thurn und Taxis

„Meine Lieblingsaktie ist Apple“

VonChristian Schnell

Die Fürstin ist weiß genau was sie besitzt - und das ist überschaubar. Gloria von Thurn und Taxis über die Geldprobleme des Adels, die Instinkte der Frau, und warum die Facebook-Aktie ihr nicht sympathisch ist.

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. dpa

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis.

Fürstin Gloria, Sie mussten nach dem plötzlichen Tod Ihres Mannes im Jahr 1990 sehr schnell die Verwaltung eines großen Vermögens übernehmen. Kann man die Rolle eines Großinvestors lernen?

Wir sind keine Großinvestoren, sondern wir betreiben in erster Linie Land- und Forstwirtschaft. Aber wie bei allen Dingen im Leben ist es wichtig, Expertenrat einzuholen. Dabei geht es darum, strukturierte Prozesse zu schaffen. Zuerst muss dabei eine Strategie bestimmt werden. Hernach müssen transparente Verwaltungsprozesse geschaffen werden, deren Verlauf kontrolliert und der Erfolg gemessen werden kann.

Sind Sie froh, dass Sie etwas nicht mehr besitzen?

Glücklicherweise besitzen wir seit vielen Jahren weder eine Bank noch eine Brauerei. Das sind äußerst schwierige Geschäftsfelder, aus denen wir uns rechtzeitig zurückgezogen haben.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Sie sagten mal: "Wer weiß, was er besitzt, ist nicht wirklich reich." Wissen Sie, was Sie besitzen?

Allerdings wissen wir das, und es ist durchaus überschaubar.

Und wie viele Tische besitzen Sie heute? Als Sie zur Begleichung der Erbschaftsteuer einen Großteil des Mobiliars versteigern ließen, sagten Sie den berühmten Satz: "Wer 150 Tische besitzt, kann bestimmt auch mit 100 überleben."

Wir hatten damals deshalb so viel Möbel, weil ja über die letzten Jahrzehnte viele Schlösser aus Kostengründen aufgegeben wurden, deren Mobiliar aber nach Regensburg verbracht wurde. Daher war es möglich, Möbel zu verkaufen, ohne anschließend auf dem Fußboden sitzen zu müssen.

Warum hat gerade der Adel in Deutschland heute so oft Geldprobleme?

Der Adel, dessen Besitz im ehemaligen Ostdeutschland war, ist von den Kommunisten enteignet worden. Dort wurde primär nichts falsch gemacht, sondern der Adel zum Sündenbock der Machthaber, die ideologische Feindbilder gebraucht haben. In einer Krise ist es leicht, auf die Besitzenden zu zeigen und die arme Bevölkerung gegen die Reichen aufzuhetzen. Ähnliche Phänomene können wir auch heute beobachten.

Kommentare (4)

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Wutbuerger

28.05.2012, 01:14 Uhr

http://www.myspace.com/music/player?sid=20275165&ac=now

ruesst

28.05.2012, 11:51 Uhr

Prinzessin von Thurn und Taxis mag, wie wir alle, alles Mögliche sein, Fürstin nicht -- die gibt es hier seit fast 100 Jahren schon nicht mehr ..

Baluba

28.05.2012, 12:19 Uhr

"Der Adel, dessen Besitz im ehemaligen Ostdeutschland war, ist von den Kommunisten enteignet worden..."

2/3 der DDR ist nach der Wiedervereinigung von der CDU enteignet worden. Für 1000 ha ist eine minimale Entschädigung von 200 000 € angesagt. Nur wann wird diese Entschädigung gezahlt? Vorerst ist das Geld wohl in den “Rettungsschirm” geflossen…. auf Nimmerwiedersehen.
Das ganze ist ein Betrugsszenarium.

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