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30.01.2012

19:49 Uhr

Goldman Sachs

Starökonom: Deutschland könnte die Weltwirtschaft stabilisieren

VonRalf Drescher

Der renommierte Ökonom Jim O'Neill sieht Chancen, dass sich die europäische Konjunktur besser hält als von vielen Experten erwartet.

Ökonom Jim O´Neill. Bernd Roselieb für Handelsblatt

Ökonom Jim O´Neill.

Düsseldorf„Die meisten Menschen gehen davon aus, dass Europa bereits in einer tiefen Rezession steckt und Deutschland ebenfalls in einen Abschwung hineinläuft. Die jüngsten Daten sprechen eine andere Sprache“, sagte der langjährige Chefvolkswirt von Goldman Sachs und jetzige Chef der Fondsgesellschaft Goldman Sachs Asset Management im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Die Angst, dass Europa die Welt in den Abgrund zieht, erscheint mir im Moment unbegründet.“

Eine entscheidende Rolle kommt O'Neill zufolge Deutschland zu: Die positiven Konjunkturdaten aus Deutschland seien für ihn bisher die interessanteste Entwicklung in diesem Jahr, immerhin stehe Deutschland für ein Drittel der Wirtschaftskraft der Euro-Zone. Er vergleicht die Situation Europas mit der Asien-Krise 1997. Damals hätten sich die Leute gesorgt, dass die Probleme in Thailand, Indonesien und Südkorea die anderen asiatischen Staaten und die Welt als Ganzes herunterziehen würden. „Doch China ist gut durch die Krise gekommen und das hat die Weltwirtschaft stabilisiert. Vielleicht kann diesmal Deutschland der stabilisierende Faktor sein.“

Das Verhalten von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Euro Krise bezeichnet O'Neill als „zurückblickend sehr richtig“. Deutschland bekomme jetzt womöglich das, was es immer gewollt habe: eine engere fiskalische und politische Union. Eine Alternative zu einem Fiskalpakt sieht er nicht. Sollte dieser kommen, sei allerdings die Europäische Zentralbank gefragt: „Wenn die Staaten zum Sparen verpflichtet werden, drückt das auf das Wachstum. Hier sollte die EZB gegensteuern. Sie muss mindestens so großzügig sein wie im Moment, womöglich die Finanzierungsbedingungen sogar noch weiter erleichtern. Geht sie diesen Weg, werden die Märkte mit spürbarer Erleichterung reagieren“, sagte O'Neill dem Handelsblatt.

Um den Anschluss an die anderen großen Wirtschaftsräume nicht zu verlieren, müsse sich Europa allerdings verändern, fordert O'Neill: „Europa muss, dynamischer werden, echtes Führungsverhalten zeigen. Europas Politiker müssen endlich anerkennen, dass sie in einer sich verändernden Welt leben und nicht in einer statischen.“

Der Goldman-Sachs-Experte, der als erster den Begriff der Bric-Staaten verwendete, warnt zudem davor, die Bedeutung der Euro-Krise für die Weltwirtschaft zu überschätzen. „Europa ist nicht die Welt“, sagte er. So sei davon auszugehen, dass Deutschland bereits 2011 mehr in die Bric-Staaten exportiert habe als nach Frankreich. In 18 Monaten könnten allein die deutschen Ausfuhren nach China die nach Frankreich übertreffen.

Am Dienstag veröffentlichen wir das ausführliche Interview mit Jim O'Neill.

Kommentare (17)

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30.01.2012, 20:14 Uhr

Alles was die deutsche Volkswirtschaft erwirtschaftet und im Gesamtergebnis an Wertschöpfung monetär generiert hat substanziell ausschließlich und nur in Deutschlands hohen Wohnstandart und dessen Sozialsytemen refinaziert zu werden. Insofern kein Geldfluss für Dritt- und Viertinteressen. Ganz klar. Die sollen selber klarkommen. Und wenn nicht. Pech!

Peter.Mueller

30.01.2012, 20:17 Uhr

Warum sollte man irgendeinem „Ökonomen“ noch glauben schenken?
Für mich sind fast alle bezahlte Wirtschafts- und Banksterlobbyisten.
Diese Berufsgruppe hat in der Vergangenheit gnadenlos versagt.

puk

30.01.2012, 20:23 Uhr

Ein Statement der Beliebigkeit hilft gar nicht weiter und springt viel zu kurz. Deutschland ist zwar im Export stark. Betrachtet man Deutschland jedoch in Verbindung mit dem Rest der Eurozone, ist Deutschland alles andere als vorbildlich. Deutschland will bis heute nicht erkennen, dass der Fiskalpakt nicht an monetären Kriterien endet, um eine echte Fiskalunion zu vermeiden. Die Schuldenbremsen sind nicht nur kontraproduktiv, es verhindert nicht nur die volkswirtschaftlich unabdingbare antizyklische Aufgabe des Staates in Krisenzeiten, sondern ebenso die notwendigen Ausgaben des Staates in wirtschaftlichen Boomzeiten für infrastrukturelle Verbesserungen und Maßnahmen für Wissenschaft und Bildung. Auch die vorliegende Situation in Europa zeigt, dass mit restriktiven Sparapellen ganze Volkswirtschaften in den Ruin getrieben werden, weil insbesondere Deutschland die Zeichen der Zeit nicht erkennt oder nicht erkennen will. Insofern ist die Lobhudelei von O'Neill nicht ganz nachvollziehbar. Möglich ist, dass Goldman Sachs mit dieser Strategie destabilisierend auf die Akteure der Eurozone einwirken will, um deren Niedergang zu beschleunigen.

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