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30.07.2013

10:22 Uhr

Goldpreis-Verfall

Schweizerische Nationalbank erleidet massive Verluste

Die Talfahrt des Goldpreises schlägt sich in der Bilanz der Schweizerischen Nationalbank nieder. Die Zentralbank der Schweiz muss eine zweistellige Milliarden-Summe abschreiben. Der Bundesbank bleibt dies jedoch erspart.

Goldbarren im Tresor: Der Verfall des Goldpreis drückt auf die Bilanz der schweizerischen Notenbank. dpa

Goldbarren im Tresor: Der Verfall des Goldpreis drückt auf die Bilanz der schweizerischen Notenbank.

Bern/Zürich/FrankfurtDer Absturz des Goldpreises hat der Schweizer Notenbank in der ersten Jahreshälfte einen Verlust von 7,3 Milliarden Franken (5,9 Milliarden Euro) eingebrockt. Auf die gut 1000 Tonnen des Edelmetalls resultierte ein Bewertungsverlust von 13,2 Milliarden Franken, wie die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Dienstag mitteilte. Der Goldbestand der Notenbank verlor seit Jahresanfang ein Viertel an Wert. Vor allem im zweiten Quartal hatten die Anleger das Edelmetall unter anderem wegen der Rally an den Aktienmärkten aus ihren Portfolios geschmissen und Gold das größte Quartalsminus seit vielen Jahrzehnten beschert.

Zentralbanken passen die Bewertung ihrer Goldreserven von Zeit zu Zeit an die Marktpreise an - dadurch können hohe Buchgewinne oder -verluste entstehen. Die Deutsche Bundesbank bewertete ihre Goldbestände und -forderungen Ende Juni auf 100,3 Milliarden Euro - nach 136,5 Milliarden Euro zum Ende des ersten Quartals. Allerdings wirken sich Bewertungsunterschiede bei der Bundesbank nicht auf den Überschuss aus, Abschreibungen gibt es nicht. Vielmehr werden Bilanzpositionen, die Marktpreisschwankungen unterliegen, auf der Passivseite der Bilanz in einem „Ausgleichsposten aus Neubewertung“ ausgewiesen.

Die Goldreserven der Staaten

USA

Goldschatz: 8.133,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 75,7 Prozent

Stand: Januar 2014

Deutschland

Goldschatz: 3.387,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,8 Prozent

Internationaler Währungsfonds (IWF)

Goldschatz: 2.814 Tonnen

Italien

Goldschatz: 2.451,8 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,1 Prozent

Frankreich

Goldschatz: 2.435,4 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 70,5 Prozent

China

Goldschatz: 1.054,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 1,7 Prozent

Schweiz

Goldschatz: 1.040,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 10,6 Prozent

Russland

Goldschatz: 1.015,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,5 Prozent

Japan

Goldschatz: 765,2 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 3,2 Prozent

Niederlande

Goldschatz: 612,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 59,7 Prozent

Indien

Goldschatz: 557,7 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,9 Prozent

Türkei

Goldschatz: 506,3 Tonnen

Europäische Zentralbank (EZB)

Goldschatz: 502,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 32,9 Prozent

Mit ihren Devisen-Beständen verdiente die SNB dagegen gut: Die Fremdwährungspositionen warfen in den ersten sechs Monaten 5,8 Milliarden Franken ab. Dazu trugen die Aufwertung der beiden wichtigsten Währungen Euro und Dollar ebenso bei wie Beteiligungsgewinne, Zins- und Dividendenerträge.

Die SNB hat ihre bei der Verteidigung des Frankenkurses erworbenen Devisen-Milliarden im Gegenwert von rund 440 Milliarden Franken im Ausland angelegt. Im September 2011 ist für den Euro ein Mindestkurs von 1,20 Franken festgelegt worden, der mit Eurokäufen am Devisenmarkt verteidigt wird. Das Gros ist in Staatsanleihen investiert. 15 Prozent entfallen auf Aktien, die besonders gut rentierten. Kursgewinne und Dividenden brachten der SNB 6,3 Milliarden Franken ein, während die Zins-Anlagen mit 2,9 Milliarden Franken Verlust zu Buche schlugen. Wechselkursgewinne beliefen sich auf 2,3 Milliarden Franken.

Die SNB hat jüngst in Singapur ihre erste ausländische Niederlassung eröffnet, um ihre in Fernost angelegten Devisenreserven zu verwalten. Die Notenbank hat im Zuge der Diversifizierung ihrer Anlagen auch in koreanische Won und Singapur-Dollar investiert. Zugleich übernimmt der Außenposten die Überwachung des Devisenmarktes, um intervenieren zu können, falls der Euro unter den Mindestkurs zu fallen droht. Diese Aufgabe musste bisher in Zürich in Nachtschichten erledigt werden.

Das Gros der SNB-Devisenbestände entfällt mit 48 Prozent auf Euro-Anlagen. 27 Prozent der Reserven sind in Dollar investiert, neun Prozent in Yen und sieben Prozent in Pfund Sterling.

Kommentare (24)

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30.07.2013, 10:46 Uhr


Über fast eine Dekade zwischen lag der Preis je Ounce um ca. 500 USD. Wo liegen da jetzt die Verluste ?

Account gelöscht!

30.07.2013, 10:49 Uhr

Am Goldrad drehen sie alle.

Dumm nur, wenn man versehentlich am Ast sägt, auf dem man sitzt.

Account gelöscht!

30.07.2013, 10:57 Uhr

Verehrter lensoes, so kann man das meiner Meinung nach nicht betrachten.
Ich habe die Unze zu 700.- Euro gekauft und habe jetzt (im Augenblick !!) einen "Gewinn" von 300.- Euro pro Unze. Hätte ich zu 1300.- Euro gekauft, säße ich auf einem Verlust von 300.- Euro pro Unze.
Es nützt also nichts, sich einen "angepaßten" Zeitraum (über 5, 10, 100 oder 1000 Jahre) herauszusuchen, in dem einem die Argumentation in den Kram paßt.
Im Vergleich zum Dollar-, Franken- oder Eurohöchststand sitzt die Bank jetzt auf einem gewaltigen "Verlust".

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