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26.02.2015

00:44 Uhr

Griechen-Anleihen

EZB-Chef Draghi stellt Bedingungen

Die Geldflut wirkt: EZB-Chef Mario Dragi ist mit dem angekündigten Anleihenkaufprogramm zufrieden. Gegenüber Griechenland will der Notenbanker dagegen bei seiner harten Linie bleiben.

Griechenland und der Euro: Die EZB stellt für die Annahme griechischer Staatsanleihen Bedingungen. dpa

Griechenland auf Ramschstatus

Griechenland und der Euro: Die EZB stellt für die Annahme griechischer Staatsanleihen Bedingungen.

Brüssel/FrankfurtDas angekündigte gewaltige Anleihenkaufprogramm beginnt nach Einschätzung von EZB-Chef Mario Draghi schon jetzt zu wirken. „Tatsächlich haben wir bereits einige positive Auswirkungen unserer Maßnahmen gesehen“, sagte Draghi am Mittwoch im Europaparlament. Das sei etwa auf den Geld- und Anleihenmärkten zu sehen, auch seien Kreditzinsen für Haushalte und Firmen gesunken.

Von den Euro-Ländern forderte der Notenbankchef allerdings entschiedene Reformen. Noch sei die Währungsunion nicht widerstandsfähig genug, um gegen größere Schocks gefeit zu sein. Das erfordere von den Ländern tragfähige öffentliche Haushalte und gerade jetzt auch „entschlossene Reformen ihrer Wirtschaftsstrukturen“, sagte Draghi.

Notenbanken lockern ihre Geldpolitik

Kampf gegen fallende Preise

Der Kampf gegen einen gefährlichen Abwärtssog aus fallenden Preisen und schrumpfenden Investitionen hat in diesem Jahr weltweit bereits 20 Notenbanken auf den Plan gerufen. Es folgt ein Überblick über ihre Schritte 2015.

Australien

3. Februar:
Die australische Zentralbank RBA senkt den Leitzins auf ein Rekordtief. Der Schlüsselzins liegt damit nun bei 2,25 Prozent. Mit dem Schritt wollen die Währungshüter unter anderem die Konjunktur ankurbeln.

China

4. Februar:
Die Zentralbank von China kündigt an, dass die Finanzinstitute künftig nicht mehr so viel Kapital als Mindestreserve bereithalten müssen. Damit will sie für mehr Liquidität im Finanzkreislauf der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft sorgen und die Kreditvergabe anschieben.

Dänemark

5. Februar/29. Januar/22. Januar/19. Januar:
Die dänische Zentralbank setzt vier Mal innerhalb weniger als drei Wochen ihre Leitzinsen herab. Sie interveniert zudem regelmäßig am Devisenmarkt, um die Koppelung der Krone an den Euro zu verteidigen.

EZB

22. Januar:
Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigt eines der bislang größten Anleihe-Kaufprogramme aller Zeiten an. Insgesamt wollen die Währungshüter Staatsbonds sowie andere Wertpapiere im Volumen von 1,14 Billionen Euro erwerben. Mit den Käufen soll im März begonnen werden.

Indien

15. Januar:
Die indische Notenbank setzt den Leitzins um 0,25 Punkte auf 7,75 Prozent nach unten und deutet mögliche weitere Senkungen an. Die Wirtschaft des Landes durchläuft derzeit eine Phase schwachen Wachstums.

Indonesien

17. Februar:
Die Zentralbank von Indonesien setzt überraschend die Zinsen um 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent herab. Es ist die erste Senkung seit drei Jahren. Volkswirte hatten dies nicht erwartet.

Israel

23. Februar:
Die Bank von Israel kappt ihren Leitzins auf 0,1 von bislang 0,25 Prozent. Es ist die erste Senkung seit sechs Monaten. Hintergrund ist unter anderem der Kampf gegen Deflationsgefahren und die Aufwertung der Landeswährung Schekel.

Russland

30. Januar:
Russlands Notenbank kappt den Schlüsselzins für die Versorgung der Banken mit Geld auf 15 von 17 Prozent. Das ist eine scharfe Kehrtwende, da die Notenbank 2014 die Zinszügel erst kräftig angezogen hatte. Die westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts und der Ölpreisverfall haben eine Kapitalflucht aus Russland ausgelöst und den Rubel auf Talfahrt geschickt.

Schweden

12. Februar:
Schwedens Zentralbank senkt ihren Leitzins für Wertpapier-Rückkaufgeschäfte mit den Geschäftsbanken - den sogenannten Repo-Satz - auf minus 0,1 Prozent von zuvor null Prozent. Zugleich kündigt sie an, für zehn Milliarden Kronen Staatsanleihen zu kaufen.

Schweiz

15. Januar:
Die Schweizer Notenbank (SNB) vollzieht eine radikale Kehrtwende und schafft den Mindestkurs des Franken zum Euro ab. Die Währungshüter begründen ihre überraschende Entscheidung mit dem immer stärker werdenden Dollar und dem anhaltend fallenden Euro. Gleichzeitig wird der Strafzins auf Einlagen von Banken bei der Notenbank auf 0,75 Prozent von 0,25 Prozent angehoben.

Türkei

24. Februar/20. Januar:
Die Zentralbank der Türkei senkt ihren Schlüsselzins in zwei Schritten um insgesamt 0,75 Punkte auf 7,5 Prozent. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu forderte nach der zweiten Zinslockerung die Notenbank auf, noch größere Schritte einzuleiten, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Der Notenbankchef stellte den Parlamentariern in Aussicht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Käufe von Staatsanleihen solange fortführen wird, bis sich die Inflation wieder in Richtung der Zielmarke von mittelfristig knapp unter zwei Prozent bewegt.

Es werde solange dauern, bis der EZB-Rat eine nachhaltige Veränderung der Inflationsentwicklung in Richtung dieses Ziels erkenne, sagte der EZB-Chef. Die Teuerungsrate in der Eurozone war im Januar auf minus 0,6 Prozent gesunken, nach minus 0,2 Prozent im Dezember.

Die EZB hatte im Januar Käufe von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren im Umfang von gut 1,1 Billionen Euro angekündigt. Damit will sie verhindern, dass die Euro-Zone in einen Preisverfall auf breiter Front abrutscht, der der Wirtschaft schaden würde. Das Vorhaben sieht ab März Wertpapierkäufe im Volumen von rund 60 Milliarden Euro pro Monat vor.

Die Konjunkturaussichten in der Euro-Zone haben sich Draghi zufolge zuletzt aufgehellt. „Alles in allem sind die Aussichten positiver als noch vor ein paar Monaten“, sagte der Italiener.

Nach Einschätzung des EZB-Präsidenten ist das Stadium einer wirklichen europäischen Währungsunion noch immer nicht erreicht. Es müssten nicht nur Haushalte saniert und Reformen vorangetrieben werden. Mittel- bis langfristig sollten auch die gemeinsamen Institutionen noch mehr gestärkt werden. „Eine gemeinsame Regel ist nur so stark wie die gemeinsame Institution, die sie erzwingen kann“, sagte der EZB-Chef.

Kommentare (20)

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Herr Ercole Domenico

26.02.2015, 07:12 Uhr

Menschen werden in der EU (besonders in Griechenland) gezwungen unter ihrer Bedürfnissen zu leben. Dies vorgehen ist, unmoralisch, verboten werden. Jedenfalls sprechen unsere Wertegefühle dafür dass dies verboten wird.
Die Selbstmordrate ist in Griechenland auf das dreifache gestiegen und circa 300.000 gut ausgebildete junge Griechen haben seit Beginn der Krise Europa den Rücken gekehrt. Das ist abgesehen von der menschliche Härte auch wirtschaftlich langfristig für die EU vom Nachteil. Es wäre höchste Zeit dass wir dies einsehen und entsprechend unser Vorgehen mit Griechenland ändern.

Herr Christoph Weise

26.02.2015, 07:17 Uhr

Alle Europäer zahlen einen hohen Preis für die EU und Europolitik, auch die Deutschen. Es ist jedoch nicht so offensichtlich. Denn die Deutschen zahlen langfristig mit dem Verlust ihrer Renten und Pensionen. Auf die Dauer wird sich der Lebensstandard nach Deutschland in der EU deutlich nach unten anpassen müssen. Eine unabdingbare Folge des Transfermechanismus unter den EU-Ländern, welcher derzeit mehr oder weniger im Verborgenen eingerichtet wird.

Herr Andreas Hobi

26.02.2015, 07:36 Uhr

Hier sind ja alle ziemlich auf Linie und eines ist klar - Der Grieche ist das verlotterte Kind.
Dabei hat Schäuble & Co. ihren Freunden, den Banken, nur einen Gefallen getan und gegen Besseren Wissen, die Griechen zu Grunde gehen lassen.
Alles nur um die hohen Renditen der Banker, die wussten, dass diese Investitionen unter normalen Umständen schlecht gewesen sind, zu sichern. Egal, ob jetzt andere verrecken. Und Schäuble, Junker, das ganze G.... wollten wiedergewählt werden, da kamen sinnvolle Schuldenschnitte nicht in Frage. Klar, die damaligen Regierenden in Griechenland haben es gerne genommen und teils eingesackt, bzw. in sinnlose Bauten gesteckt. Passiert das in Deutschland, fällt das weniger auf, weil hier mehr Kapital floriert und verbrannt werden kann. Wir sind aber nicht besser. Wir machen hier den Ebenezer Scrooge und die Menschen werden die Deutschen eines Tages dafür hassen. Zu recht, die die so Hartleibig sind. Auch die Reformprogramme der Troika in Irland und Portugal haben nur verbrannte Erde hinterlassen und werden von unserer abgehobenen Mischpoke als Erfolg verkauft. In diesen Ländern soll der Arbeitnehmer entrechtet werden, was irgendwann dann auch auf Deutschland zukommt. Es muss doch jedem deutschen Arbeitnehmer klar sein, dass er auch immer weiter weniger entlohnt werden soll. Das ist das Ziel. Die ganzen Privatisierungsforderungen, entstanden aus neoliberalen Hirnen, entrechten am Ende die Menschen, nehmen ihnen alle Sicherheit und führen die Erträge wenigen Individuen zu. Wenn hier jemand gebrochen werden soll, sind das die Brüsseler Beamten und Technokraten, die uns, die Europa zerstören werden. Alles hängt miteinander zusammen.
Wer sich für die Wahrheit interessiert kann sich eine spannende, erleuchtende Doku auf Arté ansehen: Macht ohne Kontrolle – Die Troika
https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=E6aNwBwEm6U

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