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19.06.2015

16:21 Uhr

Griechenland

Der Daumen geht nach unten

VonIngo Narat

Viele Finanzprofis glauben an eine Pleite Griechenlands und einen Austritt aus der Währungsunion. Während Bankkunden in Athen bereits ihre Konten plündern, warten Investoren auf günstige Kaufkurse.

Notkredite als Rettung?

Griechischen Banken steht Wasser bis zum Hals

Notkredite als Rettung?: Griechischen Banken steht Wasser bis zum Hals

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FrankfurtDie Situation in Griechenland spitzt sich weiter zu. Ein wichtiges Krisensymptom: Bankkunden heben immer mehr Geld von ihren Konten ab. Investmentexperten gehen jetzt mit großer Mehrheit von einer Pleite Griechenlands aus. Rund drei Viertel erwarten eine Insolvenz, das zeigt eine Umfrage der DVFA, der Standesorganisation der Finanzexperten, vom Freitag. Auch den „Grexit“, einen Austritt des Landes aus der Euro-Zone, hält die Mehrheit der Befragten für realistisch.

Eine Insolvenz wäre für die Europäische Union zwar fiskalisch teuer, aber letztendlich zu bewältigen, glaubt über die Hälfte der Experten. Im Falle eines Austritts aus dem Euro rechnet fast jeder Zweite damit, dass dies Klarheit schaffe und dadurch Märkte, Währung und Wirtschaft beflügele.

Ulrich Kater zur Lage in Athen - 19. Juni

Wie bewertet die Dekabank die Lage?

Wir verlassen langsam das Stadium, in dem die Verhandlungen überwiegend von Taktik und Ideologie geprägt sind. Das griechischen Bankensystem wird in Kürze aufhören zu funktionieren. Daraufhin wird es beim europäischen Sondergipfel eventuell nochmals neue Vorschläge geben. Dann muss Griechenland handeln: Entweder sich politisch bewegen oder ein Ersatzzahlungsmittel bereit stellen.

Was wäre Ihr Szenario?

Wie es auch ausgeht: An den Finanzmärkten werden diese Entscheidungswochen hohe Wellen schlagen, mit Schwankungen an Aktien- und Rentenmärkten, aber diese Wellen werden sich wieder legen. Griechenland ist wirtschaftlich zu klein, um die europäische Konjunktur zu beeinflussen. Griechische Wertpapiere sind kaum mehr in privatem Besitz.

Der Grexit ist also kaum ein Thema?

Die Hauptwirkungen eines Grexit finden in Griechenland selbst statt. Außerhalb sind sie hauptsächlich politischer Natur, nämlich ob und wie das europäische politische Integrationsprojekt einen solchen Rücksetzer vertragen würde.

Was erwartet die Dekabank für Reaktionen an den Finanzmärkten?

Wir erwarten in den kommenden Wochen nervöse Finanzmärkte, allerdings keine Panik, da durch die EZB und die politischen Umstände in den anderen Mitgliedstaaten der Euro ausreichend gefestigt ist. Im Zuge der dramatischen Verhandlungen können allerdings Aktienkurse günstiger werden, Renditen von Bundesanleihen fallen, Spreads von Peripheriestaaten oder europäischen halbstaatlichen Institutionen oder anderen Anleihen steigen.

Was wird in Athen passieren?

Am stärksten sind die Auswirkungen allerdings an den griechischen Finanzmärkten, die bereits jetzt heftig reagiert haben. Wir haben es hier mit ausschließlich politischen Märkten zu tun. Erfahrungsgemäß ist ein Ausnutzen solcher Ereignisse an den Finanzmärkten extrem schwierig.

Zur Person

Ulrich Kater ist Chefvolkswirt der Dekabank. Der studierte Volkswirt promovierte an der Universität Köln. Seit 1999 baute er die volkswirtschaftliche Abteilung bei der Dekabank mit auf. Kater veröffentlichte zahlreiche Beiträge zur Geldpolitik, zu internationalen Kapitalmärkten und zur Alterssicherung.

Martin Stürner, Vorstand beim Vermögensverwalter PEH Wertpapier, teilt diesen Optimismus. „Sollten Kapitalverkehrskontrollen eingeführt werden, gehe ich davon aus, dass die Kapitalmärkte positiv reagieren“, sagt er, „erste Indikationen dafür sind die Börsentendenzen am Donnerstag und Freitag“. An beiden Tagen tendierten viele europäische Märkte freundlich.

Die griechische Finanzwelt steht allerdings nahe am Abgrund. „Das griechische Bankensystem wird in Kürze aufhören zu funktionieren“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Das dürfte seiner Meinung nach noch einmal negativ auf die Wertpapiermärkte durchschlagen.

Kommentare (1)

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Herr Stephan Fischer

19.06.2015, 19:15 Uhr

Griechenland kann über Nacht reich werden, indem die griechische Notenbank noch schnell vor dem Grexit Geld druckt, dieses in Russische Rubel tauscht und auf Konten in Russland überweist. Wer könnte dies verhindern?

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