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06.07.2015

13:20 Uhr

Griechenland-Krise

Alle Augen auf die EZB

Das Schicksal Griechenlands in der Eurozone liegt in den Händen der Europäischen Zentralbank. Am Montag tagt der EZB-Rat. Er muss entscheiden, ob er griechische Banken weiter am Leben hält. Es droht eine Hängepartie.

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AthenDer Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) will sich wohl nicht bereits am Vormittag sondern erst am späten Nachmittag in einer Telefonschalte mit der Lage in Griechenland nach der dortigen Volksabstimmung befassen. Das verlautete aus Notenbankkreisen. Nach Einschätzung eines Zentralbankers kann die EZB die Nothilfen nach dem „Nein“ der Griechen nicht leichtfertig verändern.

„Die EZB ist hier an Regeln gebunden. Das prüfen wir jeweils genau. Ich bin überzeugt, dass das, was wir bis jetzt gemacht haben, richtig ist und auch den Regeln entspricht“, sagte EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny am Montag im ORF-Radio. „Aber das muss man jedes Mal neu beurteilen. Und die Entwicklung in Griechenland macht uns das - fürchte ich - leider nicht leichter.“

Griechenland-krise: Droht den Banken der Kollaps?

Griechenland-krise

Droht den Banken der Kollaps?

Seit einer Woche sind die Banken in Griechenland geschlossen. Die Menschen kommen kaum noch an Bargeld. Doch das schiebt die Lösung der eigentlichen Probleme nur auf: Den Instituten droht die Pleite.

Die meisten Beobachter rechnen damit, dass die EZB die Notkredite für Griechenlands Banken aufrechterhalten wird, solange auf politischer Ebene weiter verhandelt wird. Für diesen Dienstag ist ein Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der 19 Euroländer in Brüssel angesetzt.

ELA-Notkredite („Emergency Liquidity Assistance“) sind seit Monaten die einzige Geldquelle der griechischen Banken. Dreht die EZB diesen Geldhahn zu, ist ein Pleite der Institute nach Einschätzung von Ökonomen nicht mehr abzuwenden. Kritiker sind längst der Ansicht, über Ela würden marode Banken künstlich am Leben gehalten, die EZB müsse diese Gelder daher stoppen.

ELA und die griechischen Banken

Was heißt „ELA“?

Ela steht für „Emergency Liquidity Assistance“, also Notfall-Liquditätshilfe.

Wer vergibt die Kredithilfen?

Die Hilfe wird nicht von der EZB direkt, sondern von der jeweiligen nationalen Notenbank vergeben, die auch für mögliche Verluste haftet. Der EZB-Rat muss der Gewährung aber zustimmen.

Welche Regeln gelten?

Streng genommen dürfen Ela-Kredite nur an Banken vergeben werden, die nur einen vorübergehenden finanziellen Engpass haben. Grundsätzlich müssen die Geldhäuser aber solide aufgestellt, also solvent sein. Kritiker bezweifeln, dass dies auf griechische Banken noch zutrifft.

Wie wichtig sind die Hilfen für griechische Banken?

Sollte die EZB die Ela-Hilfen einstellen, müssten die griechischen Banken die bereits gewährten Milliarden relativ schnell zurückzahlen - was sie faktisch nicht können. Seit Monaten hängen die Hellas-Banken am Ela-Tropf: Von der üblichen Versorgung mit frischem Zentralbankgeld sind sie überwiegend abgeschnitten. Denn ein Großteil ihrer Sicherheiten - griechische Staatsanleihen - werden von der EZB zurzeit nicht als Pfand akzeptiert, weil sie zu schlecht bewertet sind.

Nicht nur vor den Wahllokalen in Griechenland hatten die Menschen am Sonntag Schlange gestanden, sondern auch vor den Geldautomaten der seit einer Woche geschlossenen Banken. Sie wollten dort ihre „Tagesration“ von 60 Euro abheben. Auf diesen Höchstbetrag sind Auszahlungen seit Montag vergangener Woche gedeckelt. Für zusätzliche Unruhe unter den Menschen sorgte am Wochenende das Eingeständnis der Präsidentin des griechischen Bankenverbands, Louka Katseli, das Liquiditätspolster der Banken reiche nur noch bis Montagabend. Wenn bis dahin kein frisches Geld fließt, seien die Automaten leer.

Ohne die Einführung der Kapitalverkehrskontrollen, mit denen Abhebungen begrenzt und Auslandsüberweisungen praktisch verboten wurden, wären die griechischen Banken bereits am Ende. Nun richten sich die Blicke auf die EZB.

Frankreichs Finanzminister pocht auf Verlängerung

Auch von politischer Seite gab es die Forderung, die Ela-Kredite nicht zu kappen. „Derzeit gibt es ein Niveau an Liquidität, das nicht verringert werden kann“, sagte Frankreichs Finanzminister Michel Sapin am Montag dem Rundfunksender Europe 1. Allerdings entscheide die Europäische Zentralbank (EZB) in völliger Unabhängigkeit, fügte er hinzu. Die ELA-Hilfen summieren sich auf 88,8 Milliarden Euro. Das entspricht fast 50 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts.

Kommentare (22)

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Herr Holger Narrog

06.07.2015, 10:00 Uhr

Die Annahme dass es grössere Guthaben auf griechischen Banken gibt erscheint unrealistisch.

Es ist davon auszugehen, dass die meisten Griechen nur mehr das Guthaben auf der Bank haben welches zur Begleichung von Zahlungen im laufenden Monat benötigt wird. Unternehmen parken nur das zur Bezahlung der Rechnungen unmittelbar erforderliche Geld in GR.

Insofern hätte ein Kapitalschnitt nur dann irgendeinen Sinn wenn man auch kleine Guthaben einbezieht.

Herr J.-Fr. Pella

06.07.2015, 10:02 Uhr

Auch in der EZB müßten etliche, aufgrund der gemachten Fehler zu Lasten der Steuerzahler, zurücktreten. Ich weiß, vergebliche Liebesmühe.

Frau Ich Kritisch

06.07.2015, 10:06 Uhr

Varoufakis hat doch den Bürgern Griechenlands versprochen, dass die Banken an Dienstag wieder öffnen.

Nun soll er mal selbst dafür haften. Zieht sein gesamtes Vermögen (das in der Schweiz nicht vergessen) ein und verteilt es auf die Banken am Dienstag.

3 Minuten werden die damit sicherlich öffnen können.

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