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22.06.2015

17:25 Uhr

Griechische Banken

EZB erhöht Kredithilfen – bis Montagabend

Mehr Geld für Athen: Die EZB hat den Kreditrahmen für Griechenland erhöht. Während die Banken aufatmen können, dürften die EU-Regierungschefs umso mehr aufhorchen. Heute steht eine Entscheidung bevor.

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AthenDie Europäische Zentralbank hat am Montagmorgen den finanziellen Spielraum für die griechischen Banken erneut erweitert. Allerdings nur – wie jetzt erst bekannt geworden ist – bis Montagabend. Wie aus Bankenkreisen in Athen verlautete, erhöhte die EZB den Rahmen für die sogenannten ELA-Notkredite, eine erneute Erweiterung sei „jederzeit“ möglich. Es ist bereits das dritte Mal seit vergangenem Mittwoch, dass der Kreditrahmen angehoben wird, um der massiven Abhebung von Bargeld durch griechische Bankkunden zu begegnen, die wegen der weiterhin ungelösten Schuldenkrise besorgt sind. Ob der Kreditrahmen darüber hinaus erhöht wird, hängt laut Ökonom Ewald Nowotny von den Verhandlungen ab.

Die Obergrenze der Hilfen soll auf 87,8 Milliarden Euro aufgestockt werden, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Verweis auf Kreise. Das habe der Rat in einer Telefonkonferenz beschlossen. Binnen 24 Stunden soll die Grenze erneut evaluiert werden, hieß es weiter.

Die EZB hatte in der vergangenen Woche die Obergrenze zunächst um 1,1 Milliarden Euro auf 84,1 Milliarden Euro erhöht. Wegen der hohen Geldabflüsse bei den Banken stockte sie das Limit dann am Freitag einem Regierungsvertreter zufolge um weitere 1,8 Milliarden Euro auf. Bankkunden hatten in der vergangenen Woche mehr als vier Milliarden Euro von ihren Konten abgeräumt.

Die Höhe der Anhebung wurde wie bereits beim vorherigen Mal am Freitag nicht bekannt gegeben. Das ELA-Programm ist derzeit die zentrale Finanzierungsquelle für die Banken in Griechenland. Die ELA-Kredite werden zu deutlich schlechteren Konditionen vergeben als die üblichen EZB-Darlehen. Am Montagabend wird es spannend. Es kommen in Brüssel die Staats- und Regierungschefs der Eurozone zusammen, um einen Ausweg aus der griechischen Schuldenkrise zu suchen. Gelingt ihnen keine Einigung auf weitere Finanzhilfen bis zum Ende des aktuellen Hilfsprogramms Ende Juni, droht Griechenland die Zahlungsunfähigkeit und damit das Ausscheiden aus dem Euroraum.

ELA und die griechischen Banken

Was heißt „ELA“?

Ela steht für „Emergency Liquidity Assistance“, also Notfall-Liquditätshilfe.

Wer vergibt die Kredithilfen?

Die Hilfe wird nicht von der EZB direkt, sondern von der jeweiligen nationalen Notenbank vergeben, die auch für mögliche Verluste haftet. Der EZB-Rat muss der Gewährung aber zustimmen.

Welche Regeln gelten?

Streng genommen dürfen Ela-Kredite nur an Banken vergeben werden, die nur einen vorübergehenden finanziellen Engpass haben. Grundsätzlich müssen die Geldhäuser aber solide aufgestellt, also solvent sein. Kritiker bezweifeln, dass dies auf griechische Banken noch zutrifft.

Wie wichtig sind die Hilfen für griechische Banken?

Sollte die EZB die Ela-Hilfen einstellen, müssten die griechischen Banken die bereits gewährten Milliarden relativ schnell zurückzahlen - was sie faktisch nicht können. Seit Monaten hängen die Hellas-Banken am Ela-Tropf: Von der üblichen Versorgung mit frischem Zentralbankgeld sind sie überwiegend abgeschnitten. Denn ein Großteil ihrer Sicherheiten - griechische Staatsanleihen - werden von der EZB zurzeit nicht als Pfand akzeptiert, weil sie zu schlecht bewertet sind.


Kommentare (3)

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Herr Paul Rimmele

22.06.2015, 11:08 Uhr

Das ist eine Provokation!
Warum steht in Deutschland niemand auf und sagt NEIN!
Sind unsere Politiker von Sinnen?
Das wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit über kurz oder lang
schwerwiegende Folgen haben.
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich. 

Herr Öko Nomix

22.06.2015, 16:28 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

Account gelöscht!

22.06.2015, 16:51 Uhr

Auch die ELA-Kredite - wie alles, was im Zuge der Währungsunion, dem Euro - an Billionen verschwendet, garantiert oder verbürgt wird, sind Geld der vornehmlich deutschen Steuerzahler, die mit ihren Ersparnissen, Steuern und Pensionen sowie die vieler Folgegenerationen dafür direkt haften.

Sollten - was stark zu vermuten wäre - alle anderen Staaten in Europa sich weigern, später einmal ihren Anteil zu zahlen, werden europäische und internationale Gläubiger sich nach dem Prinzip der Gesamtschuldnerhaftung ausschließlich an Deutschland halten, was zulässig ist.
Deutschland zahlt dann für allen - daran ist es ja gewöhnt seit zwei verlorenen Kriegen - und kann sich später dann bei den anderen deren Anteil zurück holen. Erfahrungsgemäß zahlen die aber nicht freiwillig. Dann bliebe nur der Krieg - wie schon etliche Male.
Da also führt der Euro hin - keineswegs in den Frieden, wie immer geredet wird.

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