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27.05.2015

11:45 Uhr

Griechische Banken

EZB lässt Geldhahn offen

Reformen kommen in Griechenland nur schleppend voran, der Schuldenstreit ist weit davon entfernt, gelöst zu werden. Geld für die griechischen Banken gibt es trotzdem. Die EZB rührt die Liquiditätshilfen nicht an.

Streng wollen die europäischen Währungshüter gegenüber Griechenland auftreten. Bankenhilfen gibt es aber trotzdem weiterhin. dpa

EZB-Präsident Mario Draghi

Streng wollen die europäischen Währungshüter gegenüber Griechenland auftreten. Bankenhilfen gibt es aber trotzdem weiterhin.

Die Europäische Zentralbank (EZB) versorgt einem Insider zufolge die griechischen Banken weiter mit Geld. Die Obergrenze für Liquiditätshilfen der Athener Notenbank an einheimische Institute blieb jedoch unverändert bei 80,2 Milliarden Euro, wie Reuters am Mittwoch von einem Insider aus der Bankenbranche erfuhr. „Damit verbleibt ein ungenutzter Liquiditätspuffer von drei Milliarden Euro”, hieß es weiter.

Wichtige Begriffe in der griechischen Schuldenkrise

Grexit

Der Kunstbegriff wurde aus den englischen Worten für „Griechenland“ (Greece) und „Ausstieg“ (Exit) gebildet - gemeint ist ein Ausstieg oder Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone. So etwas ist in den EU-Verträgen allerdings gar nicht vorgesehen. Die Idee: Würde Griechenland statt des „harten“ Euro wieder eine „weiche“ Drachme einführen, könnte die griechische Wirtschaft mit einer billigen eigenen Währung ihre Produkte viel günstiger anbieten.

Graccident

Neuerdings wird auch vor einem unbeabsichtigten Euro-Aus der Griechen gewarnt. Das Kunstwort dafür besteht aus Greece und dem englischen Wort für „Unfall“ (Accident) - wobei das Wort im Englischen auch für „Zufall“ stehen kann. Gemeint ist ein eher versehentliches Schlittern in den Euro-Ausstieg, den eigentlich niemand will - der aber unvermeidbar ist, weil Athen das Geld ausgeht.

Anleihe

Staaten brauchen Geld. Weil Steuereinnahmen meist nicht ausreichen, leihen sie sich zusätzlich etwas. Das geschieht am Kapitalmarkt, wo Staaten sogenannte Anleihen an Investoren verkaufen. Eine Anleihe ist also eine Art Schuldschein. Darauf steht, wann der Staat das Geld zurückzahlt und wie viel Zinsen er zahlen muss.

T-Bill

Im Grunde handelt es sich ebenfalls um Anleihen - allerdings mit deutlich kürzerer Laufzeit. Während Anleihen für Zeiträume von fünf oder zehn oder noch mehr Jahren ausgegeben werden, geht es bei T-Bills um kurzfristige Finanzierungen. Die Laufzeit solcher Papiere beträgt in der Regel nur einige Monate.

Schuldenschnitt

Manchmal hat ein Staat so viel Schulden, dass er sie nicht zurückzahlen kann und auch das Geld für Zinszahlungen fehlt. Dann versucht er zu erreichen, dass seine Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Das nennt man Schuldenschnitt. Dieser schafft finanzielle Spielräume. Allerdings wächst auch das Misstrauen, dem Staat künftig noch einmal Geld zu leihen.

Rettungsschirm

Seit 2010 hatten immer mehr Staaten wegen hoher Schulden das Vertrauen bei Geldgebern verloren. Für sie spannten die Europartner einen Rettungsschirm auf. Er hieß zuerst EFSF, wurde später vom ESM abgelöst. Faktisch handelt es sich um einen Fonds, aus dem klamme Staaten Kredithilfen zu geringen Zinsen bekommen können.

Primärüberschuss

Griechenlands Schuldenberg ist - gemessen an der Wirtschaftsleistung - der höchste in der Eurozone. Das sind nicht nur Altlasten, auch im laufenden Betrieb kommt das Land wegen der hohen Zinsbürde nicht ohne neue Schulden aus. In den Verhandlungen mit den Geldgebern musste Athen aber versprechen, zumindest unter Ausblendung der Zinsen weniger auszugeben als einzunehmen. Das nennt man Primärüberschuss.

Troika

In der Euro-Schuldenkrise wurde der Begriff für das Trio aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission gebraucht. Sie kontrollieren die verlangten Reformfortschritte. Im Euro-Krisenland Griechenland ist die Troika deswegen zum Feindbild geworden. In seinem Schreiben an die Eurogruppe spricht Athen nun von „Institutionen“. Auch die Europartner wollen das Wort „Troika“ nicht mehr verwenden. In offiziellen Dokumenten war ohnehin nie die Rede von der „Troika“.

Die europäischen Währungshüter entscheiden mittlerweile wöchentlich über den Rahmen für die im Fachjargon „ELA” genannten Hilfen. Mit der Dosierung der Hilfen hält EZB-Präsident Mario Draghi den Druck auf die griechische Regierung aufrecht, mit den internationalen Kreditgebern eine Lösung im Schuldenstreit zu finden. Griechenland verhandelt seit Februar über dringend benötigte Kredite und soll sich als Gegenleistung auf Reformen verpflichten. Dabei hakt es jedoch, da die Regierung bei Streitpunkten wie Renten und Arbeitsmarktreformen keine Kompromisse eingehen will.

Die Banken des Ägäis-Landes sind von den ELA-Hilfen der Athener Notenbank abhängig, die diese den Instituten auf eigenes Risiko gewährt. Denn die Finanzhäuser sind von der direkten Geldversorgung über die EZB weitgehend abgeschnitten, weil diese seit einigen Monaten bonitätsschwache griechische Anleihen nicht mehr als Sicherheiten für frisches Geld annimmt. Die Praxis der ELA-Hilfen ist aber nicht unumstritten: So fordert beispielsweise Bundesbankchef Jens Weidmann eine strikte Einhaltung der Regeln bei diesen Hilfen, die nur vorübergehende Liquiditätsengpässe beheben sollen.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Frau Nelly Sachse

27.05.2015, 14:33 Uhr

Die EZB nimmt griechische Anleihen nicht mehr als Sicherheit für fließendes Geld.
Wie sieht es mit Sicherheiten für die ELA-Kredite aus? Die fließen doch permanent
an die griechischen Bänke, damit der Staatsapparat finanziert werden kann. Mit oder ohne Sicherheiten? Wer haftet hierfür? Wer verarscht uns hier, Draghi oder die Presse oder beide?

Herr Teito Klein

27.05.2015, 19:30 Uhr

Reformen - weiche von mir, Satan!
------------------
Reformen sind in Griechenland ein Tabuwort.
Tsipras sagt es nicht, auch Varoufakis nicht. Syriza lehnt Reformen kategorisch ab.

Aber Goldman Sachs-Draghi versorgt Griechenland wöchentlich mit neuen ELA-Krediten.

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